Logo von Google an der Firmenzentrale in Mountain View, Kalifornien | Bildquelle: AP

Einigung mit britischen Behörden Google zahlt Steuern in Millionenhöhe nach

Stand: 23.01.2016 19:15 Uhr

Der US-Internetkonzern Google hat über Jahre hinweg zu wenig Steuern in Großbritannien gezahlt. Die Behörden in London einigte sich jetzt mit dem Unternehmen auf eine Nachzahlung. Einige Politiker halten den Deal allerdings für eine Farce.

Google zahlt in Großbritannien Steuern in Höhe von 130 Millionen Pfund (172 Mio. Euro) nach und wird künftig dort mehr Abgaben zahlen. So sieht es eine Einigung zwischen dem US-Technologiekonzern und der Steuerbehörde vor. Kern der Änderung ist, dass Google in Großbritannien künftig auch Steuern auf Umsätze mit seinen Werbekunden zahlen wird und nicht nur auf erzielte Profite.

Die Nachzahlung erfolgt für die Jahre ab 2005. Die britische Steuerbehörde "Her Majesty's Revenue and Customs" (HMRC) hatte über sechs Jahre Googles Geschäfte untersucht. 2013 gab es außerdem eine Anfrage im Parlament in London, nachdem die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hatte, dass hunderte von Googles Vertriebsmitarbeitern in England arbeiten. Google selbst hatte behauptet nicht innerhalb Englands zu operieren. Auch die europäische Firmenzentrale des Internetunternehmens in Dublin wurde mehrmals von den britischen Behörden unter die Lupe genommen.

Google hatte den Standort für sein Europa-Hauptquartier aufgrund der vorteilhaften Steuergesetze für Unternehmen ausgewählt. In Irland zahlen Konzerne nur 12,5 Prozent auf ihre Gewinne. Auch andere Konzerne wie Facebook, Amazon oder Starbucks haben sich für eine Europa-Zentrale in Dublin entschieden.

Googles Profite rechtfertigen höhere Steuern

Der britische Finanzminster George Osborne schrieb bei Twitter: "Das Steuerabkommen mit Google ist ein Sieg für uns. Ich erwarte, dass andere Firmen jetzt auch ihren Anteil zahlen."

George Osborne @George_Osborne
#Google tax bill is a victory for the action we've taken.I introduced Diverted Profits Tax.We now expect to see other firms pay their share

Von der Opposition kam hingegen Kritik. John McDonnell, Wirtschaftssprecher der Labour-Partei, bezeichnete die steuerliche Einigung als lächerlich. Außerdem sei sie ungerecht für die Steuerzahler. Für ihn sehe es so aus, als ob die Summe relativ unbedeutend sei im Vergleich zu dem, was Google mit seinen Milliarden-Profiten eigentlich zahlen sollte. McDonnell appellierte an den britischen Rechnungshof im Zuge des Deals Ermittlungen einzuleiten.

Mehrere Konzerne in der Kritik

Google und andere Großkonzerne stehen schon seit einigen Jahren in der Kritik zu wenig Steuern in Europa zu zahlen. In der Vergangenheit waren bereits Medienberichte über illegale Steuerdeals von Konzernen mit einzelnen Steuerbehörden veröffentlicht worden. Die EU-Kommission untersuchte zum Beispiel die Steuersparmodelle von Apple, Starbucks oder dem italienischen Autobauer Fiat.

Vor allem die Bedeutung des Absatzmarktes sollte eine Rolle bei der Besteuerung spielen, meinen die britischen Behörden. Für Google ist Europa beispielsweise der zweitgrößte Absatzmarkt nach den USA. Der Konzern solle daher einen Steuersatz zahlen, der der Bedeutung des Marktes für das Unternehmen entspricht. Dazu forderten die britischen Behörden auch andere Konzerne wie z.B. Facebook, Amazon oder Starbucks auf. Google und ihr neuer Mutterkonzern Alphabet inc. besitzen Angaben der Nachrichtenagentur AP zufolge über 73 Milliarden Dollar Barvermögen.

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