Verhandlungen zwischen USA und EU Freier Handel auch für Genfood?

Stand: 09.07.2013 09:35 Uhr

Die Verhandlungen über eine Freihandelszone haben noch nicht begonnen, doch schon jetzt ist klar, dass sie bei einem Thema schwierig werden: Genfood. Die amerikanische Agrarlobby macht bereits Druck, doch für EU-Bauern ist das nach wie vor ein Tabu.

Von Ulrike Römer, WDR, ARD-Studio Washington

Über den Feldern steht flirrende Hitze. Im kleinen Bundesstaat Delaware warten die Farmer noch ein paar Wochen – dann ist Maisernte. Richard Wilkens ist auf einem schmalen Pfad unterwegs, der rechts und links über Kilometer von kräftigen, mannshohen Pflanzen gesäumt ist: "Das ist ein Feld mit gentechnisch angereichertem Mais", sagt Richard Wilkens, der seit mehr als 40 Jahren Ackerbau betreibt. In den Neunzigern kam dann künstlich verändertes Saatgut dazu – Mais und Soja zum Beispiel.

Ein Farmer auf seinem Traktoir beim Maisanbau. | Bildquelle: picture alliance / AP Images
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Ein US-Farmer auf seinem Traktor beim Maisanbau: 90 Prozent von dem, was auf amerikanischen Feldern wächst, ist gentechnisch verändert.

"Angereichert" – schon die Wortwahl unterscheidet den Farmer von seinen europäischen Kollegen. Der US-Farmer ist überzeugt von dem, was er pflanzt: "Das ist wissenschaftlicher Fortschritt. Es ist gut für die Menschen und die Umwelt. Ich als Farmer und Umweltschützer bin sicher, dass das die beste Anbaumethode ist."

Die meisten Landwirte in den USA würden ihm zustimmen: Mais, Sojabohnen, Baumwolle – 90 Prozent von dem, was heute auf amerikanischen Feldern wächst, ist gentechnisch verändert. Die Vereinigten Staaten sind der mit Abstand größte Mais-Produzent der Welt. Die Agrar-Lobby ist entsprechend einflussreich. Karen Hansen-Kuhn vom kleinen links-liberalen Institut für "Handel und Landwirtschaft" blickt deshalb mit Sorge auf die Freihandelsgespräche: "Die Linie der US-Regierung ist klar", sagt sie. "Es geht darum, Beschränkungen für Genfood und andere, künstlich ergänzte Nahrungsmittel aus dem Weg zu räumen."

Streitpunkt Gen-Food: US-Farmer wollen Marktöffnung
U. Römer, WDR Washington
09.07.2013 09:01 Uhr

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Aus Sicht der Farmer mit gutem Grund: Der Maisexport Richtung Europa sinkt seit Jahren. Die Ausfuhr von genverändertem Soja ist um 70 Prozent zurückgegangen. Richard Wilkins versteht das nicht. Er wittert Wagenburg-Mentalität: "Man sollte nicht zögern, etwas auszuprobieren, nur weil man denkt, es könnte möglicherweise gefährlich sein, obwohl die Wissenschaft Entwarnung gibt. Entschuldigung, aber ich glaube, das ist ein vorgeschobenes Argument, um uns den Zugang zu europäischen Märkten zu versperren."

"Die schwierigsten Verhandlungen laufen in den Parlamenten"

Diese Worte lassen den Druck ahnen, den die amerikanische Agrar-Lobby aufbaut, noch ehe die Verhandlungen über die größte Freihandelszone der Welt überhaupt richtig angefangen haben. Zulassungsbeschränkungen und Kennzeichnungspflicht - nach Überzeugung der Lobbyisten sind das Hindernisse, die in einem gemeinsamen Handelsraum keinen Platz haben sollten.

Weizenfeld in Oregon, USA | Bildquelle: picture alliance / landov
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Hyslop Farm, eine Forschungseinrichtung, die mit der Oregon State University verbunden ist. Hier wachsen über 20 Hektar Weizen-Sorten zu Forschungszwecken.

"Die schwierigsten Verhandlungen laufen oft nicht am Konferenztisch, sondern in den Parlamenten", vermutet deshalb Wirtschaftsforscher Jeffrey Scott. "Das Weiße Haus muss um Rückhalt aus dem Kongress werben."

Da muss dann eben auch politisch eine gute Ernte eingefahren werden. Farmer Wilkins versucht es immerhin mit einem versöhnlichen Ausblick: Bauern lieben ihr Land, meint er. Und zwar dies und jenseits des Atlantiks. Es sei nur eben so, dass die Landwirte mit einer jeweils anderen Philosophie auf ihren Feldern unterwegs wären.

Dieser Beitrag lief am 09. Juli 2013 um 12:59 Uhr auf NDR Info.

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