Hintergrund

Flüchtlinge vor der Insel Lampedusa

Hauptrouten der Flüchtlinge Wege nach Europa

Stand: 04.10.2013 18:04 Uhr

Gut 300.000 Menschen haben im vergangenen Jahr in der EU Asyl gesucht. Ein immer größerer Teil von ihnen versucht, auf dem gefährlichen Seeweg in die "Festung Europa" zu gelangen. Welche Wege nehmen sie - und warum?

Von Alexander Steininger, tagesschau.de

Insgesamt suchten im Jahr 2012 knapp 300.000 Menschen Asyl in den 27 EU-Staaten. Das geht aus der Statistik des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen UNHCR hervor. Das entspricht einem Zuwachs von sieben Prozent gegenüber 2011. Im Verhältnis zu den rund 500 Millionen Einwohnern entspricht dies jedoch gerade einmal 0,06 Prozent der gesamten Bevölkerung.

Die meisten Asylsuchenden kamen aus Afghanistan, gefolgt von Syrien, Russland und Pakistan. In Deutschland bewarben sich 23 Prozent aller Flüchtlinge. Deutschland macht mit seinen 80 Millionen Einwohnern etwa 17 Prozent der gesamten EU-Bevölkerung aus.

Es gibt zusammengefasst vier große Routen, die die Flüchtlingsströme auf ihrem Weg in das südliche Europa nehmen: Von Westafrika auf die Kanaren, von Marokko auf das spanische Festland bzw. die Exklaven Ceuta und Melilla, von Libyen oder Tunesien nach Italien oder Malta und über den Landweg via Türkei und Griechenland.

Italien

Im vergangenen Jahr wagten nach Schätzungen von Pro Asyl etwa 22.000 Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt von Afrika nach Italien. Meistens steuern sie die kleine Insel Lampedusa an. Sie ist etwa 140 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt und damit einer der nächsten Punkte Europas. Die meisten der Flüchtlingsboote brechen jedoch vom viel weiter entfernten Libyen auf - weil die instabilen Verhältnisse dort von Schleuserbanden ausgenutzt werden. Die überwiegende Zahl der Flüchtlinge kommt aus den Bürgerkriegsländern Syrien, Eritrea und Somalia.

Karte
galerie

Allein in Lampedusa landeten im vergangenen Jahr mehr als 20.000 Flüchtlinge.

Wie viele Menschen bei diesen gefährlichen Überfahrten ums Leben kommen, ist schwer zu bestimmen. Vorsichtige Schätzungen gehen von etwa 500, andere dagegen von bis zu 2000 Toten im vergangenen Jahr aus. In jedem Fall dürfte das jüngste Unglück vor Lampedusa, als ein Boot mit bis zu 500 Menschen an Bord sank, das schlimmste in der europäischen Flüchtlingsgeschichte sein.

Auf Lampedusa gibt es ein Auffanglager für bis zu 1500 Menschen. Hier bekommen sie Verpflegung und einen Schlafplatz. Allerdings ist das Lager chronisch überfüllt, vor allem weil sich seit dem Beginn des Arabischen Frühlings die Zahlen der Migranten vervielfacht haben.

Auch in Sizilien landen jedes Jahr Tausende Flüchtlinge. Die Insel ist mit 145 km nur unwesentlich weiter entfernt als Lampedusa. Und auch Malta ist Ziel der Migranten. Die kleine Insel nimmt dabei im Verhältnis zu ihrer Gesamtbevölkerung die meisten Flüchtlinge auf: Auf 1000 Bewohner kommen laut UNHCR 21,7 Asylbewerber.

Die Kanaren

Die zu Spanien gehörenden Kanaren werden häufig von westafrikanischen Flüchtlingen angesteuert. Die Distanz von Marokko bzw. dem autonomen Gebiet Westsahara beträgt rund 120 Kilometer. Viele Boote brechen jedoch bereits vom weiter entfernten Senegal auf. Die Überfahrt gilt als die gefährlichste Route, da der Atlantik häufig unruhiger ist als das Mittelmeer.

Auf dieser Route versuchen überwiegend Bewohner des Maghrebs, also Marokkos oder Algeriens, sowie Westafrikaner, also etwa Menschen aus den Bürgerkriegsländern Mali, Liberia oder Elfenbeinküste, zu fliehen. Im Jahr 2007 kamen etwa 30.000 Menschen nach Fuerteventura. Die Zahlen sind jedoch stark rückläufig, seit die europäische Grenzagentur Frontex ihre Einsätze vor der Westküste Afrikas verstärkt hat. Dennoch versuchten auch im vergangenen Jahr mehrere hundert Menschen, auf diesem Weg in die EU zu gelangen.

Flüchtlinge aus Afrika
galerie

Mit veralteten Booten machen sich die Flüchtlinge auf den gefährlichen Seeweg zu den Kanaren.

Soldaten patrouillieren an der Grenzbefestigung in der spanischen Exklave Ceuta
galerie

Die spanische Exklave Ceuta ist mit meterhohen Zäunen und Stacheldraht gesichert.

Spanien

Deutlich häufiger frequentiert ist die Straße von Gibraltar. 2012 kamen laut Frontex-Bericht mehr als 6000 Menschen über die Meerenge. Die Distanz beträgt hier nur etwa 30 Kilometer. Jedoch wird der Seeweg scharf von Frontex bewacht. Die Organisation, die 2005 eingerichtet wurde, verfügt über rund 300 Mitarbeiter sowie vielerlei technisches Gerät zur Erfassung von Flüchtlingen. Zudem haben Marokko und Tunesien ihre Kontrollen im Zuge eines Abkommens mit der EU deutlich verschärft.

Außerdem versuchen viele Flüchtlinge in die spanischen Exklaven Ceuta oder Melilla zu gelangen. Diese kleinen Städte liegen auf dem afrikanischen Kontinent, umschlossen von marokkanischen Staatsgebiet. Sie sind mit mehreren Metern hohen Mauern und Stacheldraht wie Festungen gesichert. Dennoch versuchen immer wieder Flüchtlinge, auf das kleine Stück spanisches Staatsgebiet zu gelangen.

Karte Melilla und Ceuta
galerie

Die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla befinden liegen auf dem afrikanischen Kontinent, gehören jedoch offiziell zur EU.

Türkei/Griechenland

Die Türkei hat eine gemeinsame Grenze mit dem Irak und Syrien. Vor allem seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs versuchen dort viele Menschen dem Elend ihrer Heimat zu entfliehen und über Griechenland in die EU zu gelangen. Doch hat Griechenland in den letzten Jahren seine Außengrenzen mit Zäunen und Gräben sowie Hunderten zusätzlicher Wachleute gesichert.

Laut Frontex versuchten 2012 auf diesem Weg gut 37.000 Menschen in die EU zu gelangen. Es ist damit die am meisten frequentierte Route der Migranten. Jedoch sind Migranten seit der Wirtschaftskrise dort zunehmend Repressalien ausgesetzt. Flüchtlinge berichten von Misshandlungen durch die Polizei sowie gezielten Hetzjagden Rechtsradikaler.

Die überwiegende Zahl der Asylsuchenden nimmt laut Frontex aber nicht eine dieser gefährlichen Routen. Die meisten von ihnen reisen legal mit dem Flugzeug ein - und tauchen hinterher einfach ab.

Hintergrund: Die Wege der Flüchtlinge nach Europa
tagesthemen 22:15 Uhr, 07.10.2013, Peter Schreiber, ARD Nairobi

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Darstellung: