Rund 200 Menschen überwinden Grenzzaun Größter Ansturm auf Melilla seit 2005

Stand: 28.02.2014 17:43 Uhr

Beim größten Massenansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave Melilla seit fast zehn Jahren sind rund 200 Flüchtlinge auf EU-Gebiet gelangt. Von Marokko aus überwanden sie die Grenzbefestigungen. Sie sollen vorwiegend aus Kamerun und Guinea stammen.

Mehr als 200 Afrikaner sind beim größten Massenansturm von Flüchtlingen auf die spanische Nordafrika-Exklave Melilla seit fast zehn Jahren auf EU-Gebiet gelangt. Sie hätten am Morgen von Marokko aus die Grenzbefestigungen überwunden, teilten die Behörden in Melilla mit. Dabei hätten die Afrikaner Polizisten mit Flaschen, Stöcken und Steinen beworfen. Ein Beamter sei durch einen Knüppelschlag auf den Kopf verletzt worden.

Die Flüchtlinge seien dann jubelnd in das Aufnahmelager Melillas gelaufen und hätten immer wieder "Viva España" gesungen, berichtete die Onlinezeitung "Elmundo.es". Die Menschen sollen überwiegend aus Kamerun und Guinea kommen.

Es handelt sich bereits um den dritten Massenansturm auf Melilla innerhalb von elf Tagen sowie um den fünften seit dem Jahreswechsel. Erst am Montag hatten rund hundert Flüchtlinge das Hoheitsgebiet der EU erreicht, vergangene Woche hatten 150 Menschen die Grenzabsperrungen überwunden. Bei der weiter westlich gelegenen Exklave Ceuta waren am 6. Februar mindestens 15 Afrikaner im Meer ertrunken, als sie auf spanisches Gebiet gelangen wollten.

Der neue Massenansturm stellt die spanischen Behörden vor große Probleme. In dem für 480 Menschen konzipierten Aufnahmelager würden jetzt mehr als 1300 Flüchtlinge betreut, berichtete Lagerchef Carlos Montero. Man werde das Militär und das Rote Kreuz um Hilfe bitten. Benötigt würden vor allem Lebensmittel und Zelte, sagte er der Onlineausgabe der Zeitung "El País".

Bei einer großen Flüchtlingswelle im Sommer und Herbst 2005 waren Hunderte Flüchtlinge nach Ceuta und Melilla gelangt. Danach wurden die Kontrollen zu Land und zu Wasser drastisch verschärft. Unter anderem wurden Grenzbefestigungen mit sechs Meter hohen Zäunen mit Stacheldraht und Kameras errichtet. In Marokko leben Tausende notleidende Menschen aus Ländern südlich der Sahara in Camps und hoffen, nach Europa zu gelangen. Nach einem jüngsten Bericht von "El País" sind es rund 30.000.