Fragen und Antworten: Wie entsteht ein Erdbeben?

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Wie entsteht ein Erdbeben?

Warum bebt die Erde überhaupt von Zeit zu Zeit? Wieso werden Erdbeben nicht überall wahrgenommen? Weshalb hat es jetzt ausgerechnet den Inselstaat Haiti getroffen? tagesschau.de hat für Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Erdbeben gesammelt.

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Wie entsteht ein Erdbeben?

Die Erde ist in ihrem Inneren flüssig und heiß. An ihrer Oberfläche ist die feste Erdkruste in verschiedene Teilschollen zerbrochen, die so genannten tektonischen Platten. Diese Platten sind ständig in Bewegung und reiben aneinander. An den Grenzen zwischen den Platten bauen sich immer wieder Spannungen auf, weil sich die Platten verhaken oder verkanten. Wenn sich diese Spannungen durch ruckartige Bewegungen entladen, kommt es zu tektonischen Beben.

Warum bebte die Erde gerade in Haiti so stark?

Die aktuellen Erschütterungen sind an der Grenze zwischen der karibischen und nordamerikanischen Platte entstanden. Die kleinere karibische Platte rutscht dort pro Jahr um sieben Millimeter an der nordamerikanischen vorbei. Jetzt hätten sich die Ränder der Platten auf einen Schlag um bis zwei Meter schlagartig verschoben, so Jochen Zschau vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam.

Eine verletzte Frau wird aus den Trümmern gerettet. (Bildquelle: AFP)
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Eine verletzte Frau wird aus den Trümmern gerettet.

"Die Erde erzittert ständig, manchmal entlädt sich das dann auf einen Schlag", sagte Franz Jacobs, Geophysiker von der Universität Leipzig. Die kleineren Erschütterungen seien nur mit Hilfe mechanischer Geräte wahrnehmbar, "Menschen spüren es dagegen nur, wenn es richtig kracht".

Wie der amerikanische Sender CNN meldet, hatten bereits im März 2008 fünf Wissenschaftler vor den Risiken eines großen Erdbebens im Südteil der Insel Hispaniola gewarnt. Haiti und die Dominikanische Republik liegen beide auf dieser Insel.

Ist die Gefahr in Haiti jetzt vorbei?

Schon kurz nach dem eigentlichen Beben habe es in Haiti gewaltige Nachbeben gegeben, sagte Zschau. "Bei einem so starken Beben klingen die Nachbeben nicht so leicht ab. Es wird mit Sicherheit noch wochen- und monatelang weitere Nachbeben geben." Wegen der Plattengrenzen in diesem Bereich sei das Gebiet um Haiti eine klassische Erdbebenregion.

Wie ist die Stärke des Bebens in Haiti einzuordnen?

"Stärke 7,0 ist schon sehr, sehr stark", erklärte Zschau. "Da würden auch Gebäude in Deutschland zusammenbrechen oder zumindest stark beschädigt werden." Im Zentrum des Bebens habe die Intensität der Bodenerschütterungen, gemessen auf einer Skala von eins bis zwölf, bei neun bis zehn und damit extrem hoch gelegen.

Wie wird die Stärke eines Erdbebens gemessen?

Erdbeben-Darstellung (Bildquelle: dpa)
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Ein Beben mit der Stärke 7,0 hat Haiti erschüttert.

Um die Stärke eines Erdbebens zu messen, verwenden Wissenschaftler die sogenannte Richterskala. Sie wurde nach dem US-Seismologen Charles Francis Richter benannt, der die Skala 1935 am California Institute of Technology ausarbeitete. Mit der Einteilung ist eine relativ einheitliche Beurteilung der Erdbebenstärke möglich. Dabei gilt der angegebene Wert (die Magnitude) als Maß für die Bodenbewegung.

Die Richterskala macht keine prinzipiellen Aussagen über Schäden oder Opferzahlen. Diese hängen vielmehr von Besiedlungsdichte und Gebäudekonstruktionen ab. So kam beispielsweise bei einem Beben der Stärke 9,1 in Alaska am 9. März 1957 kein Mensch ums Leben. Bei einem Beben der Stärke 8,6 in Zentralchina im Dezember 1920 starben hingegen 200.000 Menschen.

Wie oft bebt die Erde?

Im Durchschnitt treten weltweit jährlich etwa 50.000 Beben der Stärke drei bis vier und 800 der Stärke fünf oder sechs auf. Höchstens einmal im Jahr wird ein Beben größer als 8,0 registriert. Es können aber auch bis zu fünf Jahre vergehen, bis ein solches Großbeben irgendwo auf der Welt auftritt. Am 26. Dezember 2004 löste ein Seebeben einen Tsunami aus, der über die Küsten des Indischen Ozeans hereinbrach und mehr als 220.000 Menschen das Leben kostete.

Wann ist ein Beben ein schweres Beben?

Durch das Erdbeben zerstörter Präsidentenpalast in Port-au-Prince (Bildquelle: AFP)
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Der Präsidentenpalast in Port-au-Prince wurde stark beschädigt.

Stärke 1 entspricht etwa einer Sprengkraft von 14 Kilogramm TNT. Explosionen dieser Größenordnung werden beispielsweise auf Baustellen eingesetzt. Stärke 2 kommt der Explosionsenergie von einer Tonne TNT gleich. Solche Sprengungen werden etwa in großen Steinbrüchen durchgeführt. Stärke 4 entspricht in etwa der Wirkung von 1000 Tonnen TNT und damit der Sprengkraft einer kleinen Nuklearwaffe. Die 1945 über Nagasaki abgeworfene Atombombe hatte eine umgerechnete Sprengkraft von etwa 25.000 Tonnen TNT und damit eine theoretische Magnitude von knapp unter 5.

Die größte jemals von Menschen verursachte Explosion war die Zündung der Wasserstoffbombe "Zar" durch die Sowjetunion im Oktober 1961. Diese Detonation hatte eine Energie von umgerechnet mindestens 50.000.000 Tonnen TNT, was einer Magnitude von mehr als 7,1 auf der Richterskala entspricht und ungefähr mit der Stärke des Erdbebens jetzt in Haiti (7,0) zu vergleichen ist.

Ein Beben, aber unterschiedliche Messwerte?

Trotz der prinzipiellen objektiven Beurteilung, die durch die Richterskala möglich wird, gibt es zu ein und dem selben Erdbeben häufig unterschiedliche Angaben. Diese hängen von den verschiedenen Zeitpunkten und Methoden der Messungen ab. Die Energie, die bei einem Erdbeben frei wird, strahlt nicht gleichmäßig in alle Richtungen aus. Erschwerend kommt hinzu, dass die Erde keine homogene Masse ist. Die verschiedenen geologischen Formationen können die Energie abschwächen oder verstärken.

Stand: 13.01.2010 13:43 Uhr

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