Hintergrund

Kaum eine Stadt wurde von dem Bürgerkrieg in Syrien so hart getroffen wie Aleppo. | Bildquelle: AP

Chronologie des Syrien-Kriegs Sieben Jahre Grauen

Stand: 14.04.2018 11:02 Uhr

Der Krieg in Syrien begann mit friedlichen Protesten. Daraus entwickelte sich ein Stellvertreterkrieg der regionalen Mächte im Nahen Osten, in den sich auch die USA und Russland ziehen ließen.

Von Matthias Ebert und Esther Saoub, SWR

15. März 2011: Nach Tunesien, Ägypten und Libyen erreicht der arabische Frühling Syrien. Im Süden des Landes gehen die Menschen auf die Straße, wenig später auch in Damaskus. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad reagiert mit maximaler Härte. Sicherheitskräfte schießen scharf.

Juni 2011: Oppositionelle bewaffnen sich und gründen gemeinsam mit desertierten Soldaten die "Freie Syrische Armee". In den folgenden Monaten liefern sich Armee und Oppositionelle erbitterte Kämpfe - vor allem in Stadtteilen von Homs nördlich von Damaskus. In der Handelsmetropole Aleppo bleibt es zu diesem Zeitpunkt ruhig.

Demonstration gegen die syrische Regierung in Damaskus im Juli 2011 | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Demonstration gegen die syrische Regierung in Damaskus im Juli 2011. Präsident Assad reagiert mit maximaler Härte. Sicherheitskräfte schießen scharf.

Erste Demonstrationen in Aleppo

Februar 2012: Der UN-Sicherheitsrat diskutiert ein militärisches Eingreifen in Syrien. Doch die Resolution scheitert. Russland und China stimmen dagegen. Im selben Monat beginnen auch in Aleppo erste Demonstrationen. In der Hauptstadt Damaskus sind oppositionelle Kämpfer in einigen Außenbezirken aktiv.

21. August 2013: Bei einem Giftgasangriff nahe Damaskus sterben mehrere hundert Menschen. Nach russischer Vermittlung vernichtet die syrische Regierung ihre Chemiewaffen und verhindert so ein militärisches Eingreifen der USA. Teile der Stadt Aleppo werden inzwischen von bewaffneten Rebellen kontrolliert. Zur gleichen Zeit erobert die Terrormiliz des sogenannten "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis) die Stadt Rakka. Später ändern die Dschihadisten ihren Namen in die verkürzte Form "Islamischer Staat" (IS).

IS-Kämpfer fahren mit Panzer durch Rakka
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Der IS feiert sich in Rakka auch mit Paraden - und Waffen gibt es reichlich in der Stadt. Erst im Oktober 2017 verliert die Terrormiliz ihre inoffizielle Hauptstadt.

Russland greift in den Krieg ein

September 2014: US-Präsident Obama beschließt, den sogenannten "Islamischen Staat" in Nordsyrien zu bombardieren. Zuvor hatten die USA bereits Stellungen des IS im Irak angegriffen, wo die Islamisten die Millionenmetropole Mosul erobert hatten. Die USA greifen damit erstmals offen in den syrischen Bürgerkrieg ein.

September 2015: Russland greift an der Seite des syrischen Machthabers Assad in den Krieg ein. Vor allem die russische Luftwaffe unterstützt fortan Assad, verlorene Gebiete zurückzuerobern.

November 2015: In Wien beschließt die Syrienkonferenz einen Friedensplan. Iran, Russland und die USA stimmen zu. Weitere Konferenzen folgen, bei denen Waffenruhen erst vereinbart und später gebrochen werden. Der Krieg in Syrien geht unvermindert weiter. Russland bombardiert Ziele in Nordsyrien.

Russische Soldaten in der syrischen Stadt Aleppo | Bildquelle: picture alliance / Tass/TASS/dpa
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Russische Soldatenin Aleppo. Bis Ende 2016 hielten sich Oppositionelle und islamistische Milizen in der zweitgrößten Stadt Syriens.

US-Raketen auf syrische Luftwaffenbasis

13. Dezember 2016: Die syrische Armee erobert mit Hilfe Russlands und des Iran das von Oppositionellen gehaltene Ost-Aleppo. Zehntausende Zivilisten fliehen. Die bewaffneten Gruppen - darunter auch islamistische Milizen - ziehen weiter in die Provinz Idlib, die noch immer von Oppositionellen kontrolliert wird.

23. Januar 2017: In Kasachstans Hauptstadt Astana halten Russland, die Türkei und der Iran eine Syrien-Konferenz ab. Das Ergebnis sind Waffenruhen für einzelne Gebiete, die in der Folge immer wieder gebrochen werden.

4. April 2017: Bei einem Luftangriff auf den nordsyrischen Ort Chan Scheichun sterben mindestens 70 Menschen. Experten zufolge wurde dabei der chemische Kampfstoff Sarin eingesetzt. Der Westen macht die Assad-Regierung dafür verantwortlich. Diese bestreitet eine Beteiligung. Als Reaktion auf den Vorfall feuert die US-Armee drei Tage später Tomahawk-Raketen auf eine syrische Luftwaffenbasis.

Syrer beerdigen Opfer der Giftgasattacke in Chan Scheichun | Bildquelle: AFP
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Syrer beerdigen Opfer der Giftgasattacke in Chan Scheichun. Als Reaktion auf den Sarin-Angriff bombardierten die USA eine syrische Luftwaffenbasis.

"Islamischer Staat" verliert Rakka

Oktober 2017: Die Terrormiliz IS verliert ihre inoffizielle Hauptstadt Rakka. Ein Verbund mit Unterstützung der USA und angeführt von kurdischen Kämpfern vertrieb die Islamisten aus ihrem Kerngebiet, in dem sie vier Jahre lang herrschten. In den folgenden Wochen verliert die Terrormiliz die Kontrolle in allen ihren nordsyrischen Städten.

März 2018: Die türkische Armee erobert die nordsyrische Stadt Afrin. Dabei werden Erdogans Truppen von teils radikalen islamistischen Milizen unterstützt. Zehntausende Kurden müssen aus ihrer Heimat fliehen, die bis dahin eine der wenigen friedlichen Regionen Syriens war.

7. April 2018: Hilfsorganisationen berichten von einem Chlorgasangriff auf die Stadt Duma in Ost-Ghouta nahe Damaskus. Der Westen verdächtigt die syrische Regierung. Russische Militärs untersuchen den Ort und bezeichnen die Meldung als "Fake News". Seit Beginn des Syrien-Kriegs wurden mindestens 350.000 Menschen getötet. Millionen wurden zu Flüchtlingen.

14. April 2018: Nachdem US-Präsident Trump mit Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgasangriff gedroht hatte, bombardieren Briten, Franzosen und Amerikaner Ziele in Syrien. Nach Darstellung der Länder galten sie unter anderem einem Forschungszentrum in Damaskus und einem Chemiewaffenlager in Homs. Damit solle das Assad-Regime davon abgehalten werden, weiter Giftgas gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen. Deutschland, Israel, die Türkei und die NATO begrüßten die Angriffe. Russland, der Iran und Syrien reagierten dagegen empört und warfen den USA Verbrechen und einen Bruch internationaler Regeln vor.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. April 2018 um 09:00 Uhr.

Korrespondent

Matthias Ebert | Bildquelle: SWR Logo SWR

Matthias Ebert, SWR

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Esther Saoub, SWR

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