Die Börse in China befindet sich auf Talfahrt | Bildquelle: dpa

Kurse seit Tagen auf Talfahrt Panikstimmung an Chinas Börse

Stand: 08.07.2015 13:55 Uhr

Die Kurse in China sind seit längerem auf Talfahrt. Doch nun macht sich Panik breit: Anleger verkaufen nervös, die Regierung will mit gezielten Käufen die Kurse stützen. Doch was hat die Krise ausgelöst und welche Folgen hat sie?

Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Schanghai

Die Kurse an den Börsen in China brechen weiter ein, nicht nur vielen Privatanlegern wird bei diesen Zahlen langsam schwindlig. Der Shanghai Composite, der wichtigste Index auf dem chinesischen Festland, schloss mit fast sechs Prozent im Minus. In Shenzhen, wo vor allem Technologiewerte gehandelt werden, endete der Handelstag mit einem rund dreiprozentigen Minus.

Fast die Hälfte aller Aktien in China sind inzwischen vom Handel ausgesetzt worden, um einen völligen Ausverkauf zu verhindern. Aber: Das wiederum treibt offenbar viele Anleger dazu, dann eben einfach andere Werte zu verkaufen.

"Einem Spekulations-Rausch erlegen"

Der frühere Asien-Chef der Bank Morgan Stanley, Stephen Roach, nannte im Finanz-Sender CNBC einen der Gründe für den Absturz an den Börsen in China. "Viele Chinesen, die in Finanz-Fragen noch ungebildet sind, sind einem Spekulations-Rausch erlegen." Sie hätten massenweise Depots eröffnet und Woche für Woche Aktien für gigantische Geldsummen gekauft. Das räche sich nun. Große Sorgen um Folgen für die Realwirtschaft mache er sich aber nicht, sagt Roach.

Ähnlich sieht das auch Liu Ligang, für China zuständiger Chef-Volkswirt der australischen Großbank ANZ in Hong-Kong: "Alles in allem ist das chinesische Finanzsystem noch recht gesund. Und so lange es den Banken gut geht, ist es nur schwer vorstellbar, dass sich diese Börsen-Krise in eine Finanzkrise verwandelt."

Mario Schmidt, ARD Peking, zum Kurssturz in China
tagesschau24 11:30 Uhr, 08.07.2015

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Korrektur des überhitzten Marktes?

Viele Analysten sind der Meinung, der Kurs-Crash der vergangenen Wochen und Tage sei nichts anderes als eine Korrektur, nachdem die Kurse im Jahr davor übertrieben stark gestiegen seien. Für die rund 90 Millionen Kleinanleger ist das ein schwacher Trost. Sie haben in den vergangenen Wochen viel Geld verloren.

Für Anleger in Europa habe der jetzige Crash in China wohl erst einmal keine Folgen, schätzt Analyst Liu Ligang von der ANZ-Bank: "Auswirkungen auf die Märkte außerhalb Chinas wird es kaum geben. Ich denke, die deutschen Märkte werden mehr durch die Griechenland-Krise beeinflusst als durch China."

Regierung will Kurse stabilisieren

Die Staatsführung in Peking hat heute angekündigt, noch mehr Geld für Aktienkäufe bereitzustellen. Das soll die Kurse stabilisieren. Ob das klappt darf bezweifelt werden. Auch die Milliarden-Hilfen der Regierung vom Wochenende und eine Zinssenkung haben nichts geholfen.

Kursverluste an chinesischen Börsen - Folgen für die Weltwirtschaft
S. Wurzel, ARD Shanghai
08.07.2015 13:38 Uhr

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