Börse in China | Bildquelle: dpa

TV-Auftritt in China Journalist "gesteht" Schuld am Börsencrash

Stand: 31.08.2015 11:01 Uhr

Ein Kurssturz von bis zu 40 Prozent erschüttert Chinas Börsen. Doch nun scheint Peking einen Schuldigen gefunden zu haben. Im TV "gestand" ein Journalist, falsche Informationen verbreitet und so seinem Land "großen Schaden" zugefügt zu haben.

Von Markus Rimmele, ARD-Hörfunkstudio Shanghai

Normalerweise schreibt Wang Xiaolu wenig beachtete Finanzartikel im chinesischen Wirtschaftsmagazin "Caijing". Doch in diesen Tagen sieht ihn ganz China im Staatsfernsehen. Immer wieder derselbe Ausschnitt: Wang sitzt vor einem Vorhang und bereut öffentlich seine Missetaten: "Ich habe meine Informationen auf inkorrekte Art und Weise erhalten", sagt der Journalist.

Wang Xiaolu | Bildquelle: AFP
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Er soll Schuld sein am chinesischen Börsencrash: Der Wirtschaftsjournalist Wang Xiaolu

TV-Geständnis unter unklaren Umständen

"Ich habe meine eigene Meinung hinzugefügt und so diesen Bericht erfunden. Ich hätte ein solches Stück nicht zu einer so heiklen Zeit schreiben dürfen. Ich habe dem Land und den Investoren großen Schaden zugefügt." Wang Xiaolu hatte während der Börsenturbulenzen im Juli einen Artikel veröffentlicht. Darin berichtete er von Plänen der Regierung, ihr Geld aus dem Aktienmarkt abziehen zu wollen. Das habe zu Panik geführt und zu den Kursverlusten beigetragen, zitieren ihn Staatsmedien.

Auch weitere Verdächtige festgenommen

Jetzt ist Wang festgenommen - wegen der Verbreitung falscher Informationen. Unter welchen Umständen und wie freiwillig sein TV-"Geständnis" zustande kam, ist unklar.

Die Behörden haben auch einen Beamten der Börsenaufsicht und vier Wertpapierhändler wegen Insiderhandels und Korruption festgenommen. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Auch wegen der Verbreitung von Gerüchten rund um die Explosions-Katastrophe in der Hafenstadt Tianjin sind zahlreiche Menschen ins Visier der Behörden geraten. Insgesamt seien 197 Personen bestraft worden, heißt es.

Kurse fallen weiter

Chinas Aktienmarkt ist seit dem Höchststand im Juni um rund 40 Prozent eingebrochen - mit zwei heftigen Abstürzen im Juli und einem weiteren in der vergangenen Woche. Auch zum heutigen Wochenstart ging es bergab, in Shanghai um 0,8 Prozent, in Shenzhen um mehr als drei Prozent.

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