Die Sommerresidenz der Päpste Benedikts provisorischer Alterswohnsitz

Stand: 28.02.2013 11:31 Uhr

Viele Päpste haben Castel Gandolfo geliebt, Johannes Paul II. unternahm lange Wanderungen, Benedikt XVI. verfasste in der Sommerresidenz große Teile seiner Bücher über Jesus. Hier wird er leben, bis sein Altersruhesitz im Vatikan fertig ist - "versteckt vor der Welt", wie er angekündigt hat.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Castel Gandolfo - die Sommerresidenz der Päpste. Nun wird sie schon im Winter zum Wohnsitz auf Zeit für Benedikt XVI. nach seinem Rücktritt. Der Ort liegt hoch oben am Rand eines alten Vulkankraters, keine 30 Kilometer südöstlich von Rom. Unten glänzt blau der Albaner See. Und auf dem Platz mitten im Zentrum plätschert ein Brunnen, hier gibt es das Rathaus, eine Post und eine Bar und auch das große Eingangstor zum Apostolischen Palast.

Hier wird der Papst im Ruhestand wohnen, etwa zwei Monate lang, bis ein Kloster im Vatikan für ihn zum Alterswohnsitz umgebaut ist. Bauarbeiter hier haben gerade ein Gerüst aufgebaut, aber nicht etwa für den prominenten Gast. Für den sei schon längst alles vorbereitet, sagt Saverio Petrillo, der sich mit dem Titel "Direktor der Päpstlichen Villen" schmücken darf: "Manch einer hat gefragt: und? Habt ihr denn zurzeit viel Arbeit?", erzählt er. "Ich bin der ruhigste Mensch der Welt. Weil der Papst seine Wohnung benutzt, die er auch bis jetzt hatte. Deshalb gibt es für uns keine besonderen Vorbereitungen. Das ist für uns Routine."

Castel Gandolfo (Bildquelle: AP/dpa)
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Er wird schon erwartet in der Sommerresidenz der Päpste in Castel Gandolfo. Benedikt selbst sagt, er wolle hier "versteckt vor der Welt" leben.

Auch sein Bruder hat hier ein Zimmer

Im Innenhof des Palastes gibt es im Sommer manchmal Audienzen. Rechts oben, mit Blick auf den See sind die Repräsentationsräume und links oben mit Blick auf das Meer die Privatwohnung für den Papst und seine engsten Mitarbeiter: "Das sind die notwendigen Zimmer für die päpstliche Familie, für den Heiligen Vater, für seine zwei Privatsekretäre und für vier Schwestern" erzählt Petrillo. "Und es gibt auch ein Zimmer für den Bruder des Heiligen Vaters. Nichts Übertriebenes."

Seit etwa 400 Jahren kommen die Päpste hierher. Der Papstpalast ist zwar nicht öffentlich zugänglich, aber er liegt mitten im Ort. Und deshalb ist das Oberhaupt der Katholischen Kirche für die Bürger von Castel Gandolfo einer der ihren. Da empfiehlt es sich, sich gut zu stellen. Benedikt XVI. hat die Menschen hier vor zwei Jahren glücklich gemacht, als er von Castel Gandolfo schwärmte: Hier habe er alles, die Berge, den See und man sehe sogar das Meer. Diesen Satz haben sie, in Stein gemeißelt, am Rathaus aufgehängt.

55 Hektar - größer als der Vatikan selbst

Berühmt ist dieser Ort aber vor allem auch wegen der päpstlichen Gärten - eine Oase der Ruhe, völlig abgeschottet von der Öffentlichkeit. Man hat drei alte Landsitze zusammengelegt, hier stand einst eine Villa des römischen Kaisers Domitian. 55 Hektar sind das zusammen - und keiner aus Castel Gandolfo vergisst bei dieser Zahl zu erwähnen: Das ist größer als der Vatikan selbst.

Castel Gandolfo (Bildquelle: AP/dpa)
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Benedikts Vorgänger, Johannes Paul II., unternahm hier viele Wanderungen. Benedikt soll da anders sein: Er kam bisher vor allem zum Schreiben nach Castel Gandolfo.

Ein großer, gepflegter Park. Hier betreiben sie auch etwas Landwirtschaft, der Papst bekommt Eier, Milch und Gemüse. Und auf dem Gelände, das zum Kirchenstaat gehört, ist sogar die kommunale Grundschule untergebracht - die einzige Auslandsschule Italiens, sagt scherzhaft Pier Paolo Turolli, der Verwaltungschef hier ist.

"Benedikt ist kein Mann der großen Wanderungen"

Alle, die hier arbeiten, wollen sich und die prächtige Residenz einfach nur bereithalten für den Papst im Ruhestand. Und wenn der wieder in den Vatikan gezogen ist, auch als Sommerfrische für seinen Nachfolger. Viele Päpste haben Castel Gandolfo und diese Gärten geliebt. Johannes Paul II. zum Beispiel hat hier lange Wanderungen gemacht. Aber von Benedikt XVI. ist in dieser Hinsicht nichts zu befürchten, darauf zumindest stellt sich Saverio Petrillo ein.

"Sagen wir's mal so: Der Heilige Vater geht schon in die Gärten, aber nur sehr wenig", erzählt der Verwaltungschef. "Er ist kein Mann der großen Wanderungen. Er ist nicht wie Johannes Paul II., an den wir uns erinnern. Das ist Teil seiner Natur. Er ist sehr reserviert, ein Mann der Studien, keiner der gerne an der frischen Luft ist.

Benedikt XVI. hat die Monate, die er bisher hier verbracht hat, vor allem zum Arbeiten genutzt, hier entstanden weite Teile seiner Bücher über Jesus. Jetzt will er sich vor allem zurückziehen. "Nascosto dal mondo", hat er gesagt, wolle er leben. "Versteckt vor der Welt."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Februar 2013 um 20:00 Uhr.

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