Pressefreiheit in Birma Blogger lassen sich nicht aufhalten

Stand: 20.10.2007 11:44 Uhr

Die Junta nutzte Waffengewalt, um die Demonstrationen in Birma zu sprengen. Doch was sie nicht mit Waffen bekämpfen kann, ist die "Bedrohung" aus dem Internet. Durch einfallsreiche Ideen schmuggeln Technikfreaks Informationen und Bilder an der Zensur vorbei auf Monitore in der ganzen Welt.

Von Julia Abb für tagesschau.de

Demonstranten marschieren in einer Straße in Rangun | Bildquelle: dpa
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Demonstranten marschieren in einer Straße in Rangun.

Als 1988 die Demokratiebewegung in Birma blutig niedergeschlagen wurde, bekam die Weltöffentlichkeit davon kaum etwas mit. Tage, gar Wochen hatte es gedauert, bis Informationen und Bilder das abgeriegelte Land verlassen konnten. Heute, fast zwanzig Jahre danach, gibt es neue, schnellere Wege in die Außenwelt. Über Internet und Mobiltelefone zeigen oppositionelle Birmanen, wie es wirklich in ihrem Land aussieht. So wurden die Proteste im September der Weltöffentlichkeit schnell bekannt.

Junta ist sich der Gefahr bewusst

Auch die Junta ist sich der technischen Möglichkeiten der neuen Medien bewusst und setzt schon seit Jahren dagegen. Einer Studie des Forschungsprojekts "OpenNet Initiative" der Harvard-Universität zufolge gehört die birmanische Internet-Zensur im Vergleich zu anderen totalitären Staaten zu den umfassendsten. Mit modernster Software wird demnach 85 Prozent der E-mail-Kommunikation überprüft, beinahe genauso viele demokratische oder systemkritische Webseiten sind für die birmanische Bevölkerung gesperrt. Auf der Rangliste der "Reporter ohne Grenzen" zur Lage der Pressefreiheit liegt Birma auf Platz 164 (von 169). Unabhängige Nachrichten kommen also nur selten aus dem Land. Doch Technikfreaks entwickeln immer wieder neue Möglichkeiten, die staatliche Zensur auszutricksen.

Weblogs berichten über Situation in Birma

Ein verwüstetes Kloster in Rangun | Bildquelle: dpa
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Bilder von verwüsteten Klostern müssen aus dem Land geschmuggelt werden.

In Weblogs schildern viele Birmanen die Situation auf den Straßen, veröffentlichen Bilder und üben Kritik am System - unter Pseudonym versteht sich. Denn wer erwischt wird, dem drohen hohe Strafen. Direkt aus Rangun berichtet "Nyein Chan Yar". Neben Bildern der Ereignisse zeigt er auf seiner Webseite auch Videos aus der Hauptstadt. Unterstützt werden die Web-Dissidenten von Exilbirmanen auf der ganzen Welt. Die Bloggerin "Moe Moe" ist mit ihrer Familie vor zehn Jahren aus Birma geflohen und lebt jetzt in Kalifornien. Auf ihrer Webseite zeigt sie aktuelle Fotos aus ihrer alten Heimat. Auch der in London lebende Ko Htike veröffentlicht in seinem Blog Bilder und Augenzeugenberichte aus Birma. Eigentlich ist seine Webseite auf Literaturthemen fokussiert - doch während der Proteste glich sie eher einer Nachrichtenseite mit Tickermeldungen. "Etwa zehn Menschen aus Birma lassen mir Informationen zukommen", sagte er im Interview mit der BBC.

Großer Einfallsreichtum bei Bürgerreportern

Diese sogenannten Bürgerreporter sind einfallsreich. Sie verstecken Mitteilungen und Fotos in eCards, auf Social-Network-Seiten oder in freien Bilddatenbanken, wie "Flickr", ums sie an der Junta vorbei ins Ausland zu schmuggeln. Auf der Internetplattform "YouTube" tauchen ebenfalls immer häufiger Handyvideos auf. Auf diese "Insider"-Informationen sind die Exilbirmanen der "Demokratischen Stimme Birmas" in Oslo angewiesen. Alle Mitteilungen, die sie erreichen, geben sie über Kurzwellenradio und Satellitenfernsehen in die ganze Welt weiter. Das Internet-Magazin "Irrawaddy" in Thailand und die Exilzeitung "Mizzima News" mit Sitz in Indien versuchen ebenfalls durch die Augenzeugenberichte der Bürgerreporter über die Situation in Birma aufzuklären.

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