bin Laden Abottabad

Tötung Bin Ladens Die 40 Minuten von Abbottabad

Stand: 08.05.2011 16:24 Uhr

Anfänglich gab es viele Unklarheiten, was in jener Nacht passierte, in der der Al-Kaida-Gründer Bin Laden von einem US-Kommando erschossen wurde. Eine Woche nach dem brisanten Einsatz mitten in Pakistan werden die Abläufe deutlicher. tagesschau.de hat anhand von offiziellen Stellungnahmen und Medienberichten die Ereignisse zusammengefasst.

In der Nacht vom 1. auf den 2. Mai fliegen vier US-Militärhubschrauber von Afghanistan aus offenbar vom Radar unerkannt in den pakistanischen Luftraum ein. An Bord sind etwa 80 Elitesoldaten. Ihr Ziel ist ein mit Stacheldraht und hohen Mauern gesichertes Anwesen in Bilal Town, einem Stadtteil von Abbottabad – etwa 40 Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Dort vermutet der US-Auslandsgeheimdienst CIA den meistgesuchten Terroristen der Welt: Al-Kaida-Gründer Osama Bin Laden.

Luftaufnahme des Verstecks von Osama Bin Laden im pakistanischen Abbottabad | Bildquelle: Reuters
galerie

Massiv umzäunt am Rande der Stadt gelegen: das Versteck von Bin Laden in Abbottabad

Zwei, der für solche Spezialoperationen konstruierten Hubschrauber vom Typ Sikorsky MH-60 "Blackhawk" und Boeing MH-47 "Chinook", halten sich als Absicherung im Hintergrund. Die beiden anderen Maschinen setzen etwa zwei Dutzend Kommandosoldaten in dem Anwesen ab. Männer des "Team 6" der Navy Seals sprengen Breschen in Mauern und stürmen auf zwei Gebäude im Innenhof zu.

Nur ein Feuergefecht

Die Soldaten teilen sich in zwei Gruppen auf: Die eine Gruppe greift ein Nebengebäude an und wird von einem Bin-Laden-Vertrauten, Abu Ahmed al Kuwaiti, beschossen. Die Navy Seals erwidern das Feuer, töten Kuwaiti und eine Frau, die angeblich ins Kreuzfeuer gerät. Dieser Schusswechsel soll die einzige echte Gegenwehr gewesen sein, auf die US-Soldaten in jener Nacht trafen.

Die zweite Gruppe stürmt das Hauptgebäude. Im Treppenhaus erschießen die Kommandosoldaten Kuwaitis Bruder, der die Hand verdächtig hinter dem Rücken hält - sich aber als unbewaffnet herausstellt. Auch ein Sohn Bin Ladens, Khalid, wird erschossen, als er die Treppe hinunter auf die Soldaten zurennt. Auch er soll nicht bewaffnet gewesen sein.

Bin Laden unbewaffnet

Im obersten Stockwerk stoßen die Navy Seals auf Bin Laden und dessen jüngste Ehefrau, Amal Ahmed Adu al Fattah. Die 29-jährige Jemenitin stürzt auf die Amerikaner zu und wird mit einem Schuss im Bein verletzt. Bin Laden wird von zwei Kugeln getroffen: Einmal in die Brust und einmal in den Kopf – er ist sofort tot. Laut offiziellen US-Angaben war Bin Laden unbewaffnet, soll aber in greifbarer Nähe ein Sturmgewehr und eine Pistole gehabt haben. Auf US-Seite wird niemand verwundet oder getötet. Ein "Blackhawk"-Hubschrauber wird jedoch bei einer Bruchlandung schwer beschädigt.

Beisetzung auf der "USS Carl Vinson"

Insgesamt treffen die Soldaten in dem Anwesen auf etwa 25 Bewohner – unter ihnen Frauen und Kinder. Die Amerikaner fesseln die Überlebenden, durchsuchen die Gebäude, beschlagnahmen Computer, Speichermedien und Mobiltelefone und sprengen den beschädigte Helikopter. Nach nicht einmal 40 Minuten ziehen sie wieder ab – die Leiche Bin Ladens nehmen sie mit. Das Kommando fliegt zum Flugzeugträger "USS Carl Vinson". Dort werden Bin Ladens Leiche Gewebeproben entnommen, und der Leichnam wird laut offiziellen US-Angaben nach islamischem Brauch gewaschen. Anschließend wird der Körper irgendwo in der Arabischen See beigesetzt.

US-Präsident Barack Obama verfolgt mit Mitarbeitern und Kabinettsmitlgiedern im Weißen Haus den Einsatz gegen Bin Laden in Pakistan. | Bildquelle: dpa
galerie

Bange Minuten im Situation Room: Obama und Mitarbeiter verfolgen den Einsatz gegen Bin Laden.

Am anderen Ende der Welt, in Washington, wird die Mission von US-Präsident Barack Obama verfolgt. Er und seine engsten Minister und Berater sitzen und stehen dichtgedrängt im Lageraum des Weißen Hauses und sind von der Landung bis zum Abflug in Abbottabad in Echtzeit dabei – zu Beginn per Videoübertragung, dann mit einer Schalte ins CIA-Hauptquartier. Von dort kommt dann auch die Nachricht, dass Bin Laden, der vom US-Geheimdienst den Codenamen "Geronimo" bekommen hatte, tatsächlich in dem Anwesen gewesen und bei dem Einsatz erschossen worden sei.

Obama: Bin Laden sollte getötet oder gefangen werden

Um 23.35 Uhr Ortszeit gibt Obama in Washington eine Pressekonferenz und erklärt den Staatsfeind Nummer eins für tot. Unter anderem sagt er, dass er bereits kurz nach seiner Amtsübernahme die CIA angewiesen habe, "die Tötung oder die Gefangennahme von Bin Laden zu obersten Priorität in unserem Krieg gegen Al Kaida zu machen".

Die berücksichtigten Informationen stammen von Internetseiten der US-Regierung, der "New York Times" Online, dem "Time"-Magazin, "Spiegel", "Stern" und der Nachrichtenagentur AFP.

Darstellung: