Präsident Ben Ali im Porträt Der Herrscher von Tunis

Stand: 17.01.2011 10:38 Uhr

Seit mehr als zwei Jahrzehnten regierte und kontrollierte Staatspräsident Zine al Abidine Ben Ali Tunesien. Auf der internationalen Bühne gibt er sich gerne als Demokrat und pflegt ein gutes Verhältnis zum Westen. Doch im Land hat er einen Polizeistaat eingerichtet, in dem Kritik unterdrückt wird.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika

Tunesiens Präsident Zine al-Abidine Ben Ali | Bildquelle: dpa
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Tunesiens Präsident Zine al-Abidine Ben Ali

Immer mehr wütende Proteste. Immer mehr Tote und Verletzte. Das Image des Traumstrandlandes Tunesien bröckelt. Die Welt blickt erschrocken auf den inzwischen geflohenen Präsident Ben Ali. Einen Mann, den westliche Tageszeitungen als "Wüsten-Ceauceascu" bezeichneten - als absoluten Herrscher, der Polizei und Militär auf friedliche Demonstranten schießen ließ. Wo Menschen in diesen Tagen für mehr Arbeit, Freiheit und Gerechtigkeit auf die Straße gehen, wittert Ben Ali Verschwörung, Terror und Landesverrat.

Ben Ali ließ hart durchgreifen - darin hat er Erfahrung. Wie straffe Führung funktioniert, hat er von der Pike auf gelernt. Ausgebildet an Militärakademien in Frankreich und den USA, arbeitet er jahrzehntelang an der Spitze des Militärgeheimdienstes - man sagt, noch heute schaue er sich Überwachungsvideos an. 1987 setzt Ben Ali als Premierminister den greisen Staatspräsidenten Bourguiba ab und macht sich zu seinem Nachfolger. Diesen Putsch verkauft Ben Ali in den Medien als Jasmin-Revolution - doch seine schneidige, kühle Funktionärssprache verrät, dass von nun an ein anderer Wind wehen wird.

Morddrohungen sind gängige Praxis

Nicht das Volk herrscht, sondern Ben Ali. Er macht Tunesien zu einem Vorzeigeland im Maghreb. Doch der Preis dafür ist die Freiheit. Wie hinter den Fassaden eines potemkinschen Dorfes, schafft Ben Ali einen totalitären Staat. Morddrohungen, Verhaftungen und Folter von Journalisten und Oppositionellen sind gängige Praxis. Souhayr Belhassen, Präsidentin der Internationalen Menschenrechtsliga, nennt Ben Ali einen Diktator - nicht einen aufgeklärten, wie sein Vorgänger Bourguiba, sondern einen absoluten Herrscher.

Menschen in Tunis Jubeln 1987, als Ben Ali die Macht übernimmt | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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1987, als Ben Ali im November die Macht übernimmt, Jubeln die Menschen noch, hier in der Hauptstadt Tunis.

Ausgebrannte Autos und aufgebrachte Jugendliche in Sidi Bouzid | Bildquelle: REUTERS
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Während der gewaltsamen Proteste in den vergangenen Wochen haben Demonstranten seinen Rücktritt gefordert.

Mit großem Aufwand hat Ben Ali in Tunesien eine Scheinwelt inszeniert, die über die wahren Verhältnisse hinwegtäuschen soll. Und das schon seit 23 Jahren. Nun hat Tunesien genug. Ein Student sagt, es sei, als fliege ein Dampfkochtopf in die Luft, weil er zu lange unter zu großem Druck stand. Das Regime des 74-jährigen Ben Ali wird demaskiert - von der Jugend des Landes, die verzweifelt um Jobs kämpft und um Freiheit. Ihre Wut ist größer als die Angst vor Ben Ali.

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