Hintergrund

Tatablauf des Anschlags auf "Charlie Hebdo" Was passierte in der Rue Nicolas Appert?

Stand: 08.01.2015 12:22 Uhr

Die Redaktion von "Charlie Hebdo" hat ihren Sitz im 11. Arrondissement in Paris, in der Rue Nicolas Appert. Dort passierte der Anschlag auf die Satirezeitung.

- Gegen 11.20 Uhr begeben sich zwei schwarz gekleidete und maskierte Männer, jeder mit einer Kalaschnikow bewaffnet, zur Hausnummer 6. Dort ist das Archiv von "Charlie Hebdo" untergebracht. Sie rufen: "Ist hier Charlie Hebdo?". Als sie ihren Irrtum bemerken, stürmen sie zum Redaktionssitz in Hausnummer 10.

- Dort erschießen sie einen Mann am Empfang und bewegen sich in die zweite Etage des Gebäudes.

Mit Sicherheitscode in die Redaktionsräume

- Mit vorgehaltenen Waffe sollen sie eine Mitarbeiterin gezwungen haben, die mit einem Sicherheitscode geschützte Tür zu öffnen. Zum Zeitpunkt des Angriffs läuft die Redaktionskonferenz.

- Laut einer Polizeiquelle befindet sich auch ein Beamter in den Räumen von "Charlie Hebdo". Er soll den Chefredakteur Stéphane Charbonnier beschützen. Die beiden Männer eröffnen das Feuer auf die versammelte Redaktion. Laut Polizei hatte der Beamte keine Zeit, das Feuer zu erwidern.

- Zehn Menschen sterben im Kugelhagel: Acht Journalisten, ein Gast sowie der Polizist. Auch Chefredaktuer Charbonnier ist unter den Opfern. Nur ein Teilnehmer der Konferenz überlebt, weil er sich unter einem Tisch versteckt. Laut seiner Aussage rufen die Angreifer "Allahu Akbar" und "Wir haben den Propheten gerächt".

- Um 11:30 Uhr, also knapp zehn Minuten nach Beginn des Angriffs, geht ein Notruf bei der Polizei ein. Mitglieder der Redaktion haben sich inzwischen auf das Dach des Gebäudes geflüchtet. Von dort beobachten sie das Geschehen auf der Straße.

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Anschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris

Anschlag auf "Charlie Hebdo" in Paris

Die französische Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" gilt in Frankreich als Symbol einer freien Presse, die mit bissigem Humor religiösen Fanatismus, Rassismus, Intoleranz und die Exzesse des Kapitalismus angreift. Die aktuelle Ausgabe nimmt das Buch "Unterwerfung" von Michel Houellebecq aufs Korn, das für Frankreich das Szenario eines muslimischen Präsidenten im Jahre 2022 entwirft. | Bildquelle: AFP

Schusswechsel mit der Polizei

- Die beiden Angreifer sind inzwischen nach draußen geflüchtet. Es kommt zu einem Schusswechsel mit den herbeieilenden Polizisten. Dann besteigen die Angreifer einen schwarzen Citroen C3.

Anschlag auf "Charlie Hebdo" in Paris | Bildquelle: AFP
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Ein von Kugeln beschossenes Polizeiauto in Paris.

- Nach wenigen Metern rammen sie einen Polizisten. Er bleibt liegen. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie die Männer aussteigen und dem Mann in den Kopf schießen. Auf dem Rückweg zu ihrem Wagen rufen die Täter "Wir haben den Propheten Mohammed gerächt" und "Wir haben 'Charlie Hebdo' getötet".

- Auf der Flucht Richtung Norden rammen sie ein Auto, dessen Fahrerin leicht verletzt wird. Im Nordosten von Paris, an der Porte de Pantin, überfallen die beiden Männer einen Autofahrer und flüchten in seinem Wagen. Dann verliert die Polizei ihre Spur.

- Der erste Fluchtwagen wird sichergestellt. In ihm sollen sich Ausweisdokumente befunden haben. Auf dieser Grundlage benennt die Polizei die beiden Tatverdächtigen: Es handelt sich um die Brüder Said (34) und Cherif Kouachi (32). Beide sollen polizeibekannt sein.

Forensiker untersuchen das mutmaßliche Fluchtauto | Bildquelle: AP
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Forensiker untersuchen das mutmaßliche Fluchtauto

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Januar 2015 um 14:00 Uhr.

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