Haftstrafe nach Messerangriff in Fitnessstudio in Duisburg

Lokalzeit Ruhr 19.12.2023 Verfügbar bis 19.12.2025 WDR Von Jessika Westen

Prozess um Messerattacke in Duisburg: Lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung

Stand: 19.12.2023, 15:25 Uhr

Im April hatte ein sich zum IS bekennender syrischer Geflüchteter in Duisburg einen Mann getötet und vier weitere schwer verletzt. Das Oberlandesgericht in Düsseldorf hat den 27-Jährigen zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Von Zübeyde Sürgit

Nach nur zehn Verhandlungstagen ist der Syrer Maan D. zu lebenslanger Freiheitsstrafe mit Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Das Verfahren verlief zügig, da der Angeklagte zu Beginn voll umfänglich gestanden hat. In der Nacht des 9.April 2023 hat er in der Duisburger Altstadt einen Mann mit 28 Messerstichen getötet und neun Tage später in einem Fitnessstudio vier weitere Männer mit der selben Absicht angegriffen.

Anklageverlesung im mutmaßlichen IS-Terrorprozess von Duisburg

Richter im Prozess gegen den mutmaßlichen IS-Terroristen von Duisburg

Da ihn nur die Festnahme an weiteren Taten gehindert habe, sah das Gericht eine Sicherungsverwahrung für notwendig an. Laut der Urteilsbegründung des Oberlandesgerichts Düsseldorf hatten die Taten einen radikalislamistischen Hintergrund. Der Angeklagte habe argwöhnisch und aus niederen Beweggründen gehandelt.

"Das Urteil stellt für uns ein bisschen Frieden dar. Es soll andere davon abhalten, solche Taten zu begehen." Ali Dip, Vater des Ermordeten Irfan Dip

Bei der Urteilsverkündung waren die Eltern des Ermordeten und eines der Opfer aus dem Fitnessstudio anwesend. Yasin Güler, das Opfer, bei dem lange nicht klar war, ob er die Verletzungen überleben wird, ist aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht erschienen. Er hat infolge des Angriffs eine Niere verloren, die zweite ist so stark geschädigt, dass er möglicherweise eine Transplantation brauchen wird.

Prozess um Messerattacke in Duisburg: Lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung

Ali Dip, Vater des Ermordeten

Alle Opfer berichteten in ihren Zeugenaussagen davon, weiterhin unter körperlichen und seelischen Einschränkungen zu leiden, was das Gericht in der Urteilsbegründung berücksichtigte.

Täter demonstriert IS-Zugehörigkeit

Der Angeklagte hatte wiederholt im Prozess ausgesagt, dass er die Gesetze Deutschlands nicht respektiere. Er folge den Lehren des IS, für den nur die Gesetze des Islam zählten. Damit seien alle Menschen, auch Muslime, die sich hier an die Gesetze hielten "Ungläubige". Er habe so viele "Ungläubige" wie möglich aus Rache für die Verbrechen der westlichen Staaten töten wollen.

Die Urteilsbegründung nahm er, in seine Kapuzenjacke gehüllt, äußerlich gleichgültig wahr. Nur für die Kameras streckte er den rechten Zeigefinger in die Höhe, ein vom IS vereinnahmtes Symbol, mit dem er seine Zugehörigkeit zur Terrororganisation bekräftigte.

Wie ist aus dem syrischen Geflüchteten ein IS Anhänger geworden?

Mann D. soll laut eigener Aussage aus keiner besonders religiösen Familie stammen. Seine Eltern waren Lehrer. 2015 habe er Abitur gemacht und sei nach Deutschland geflüchtet, um nicht zum Militärdienst eingezogen zu werden.

Anfangs habe er in Deutschland noch Sprachkurse besucht, Nebenjobs in der Lagerwirtschaft gehabt, sei mit Freunden Schwimmen oder beim Sport gewesen. Die muslimischen Gemeinden in Deutschland hätten ihm nicht zugesagt. Die habe er anfangs nur zum Freitagsgebet besucht.

Anklageverlesung im mutmaßlichen IS-Terrorprozess von Duisburg

Der mutmaßliche IS-Terrorist Maan D.

Die Corona-Pandemie habe der 27-Jährige als Strafe Gottes wahrgenommen. Er habe sich seit 2020 im Internet mit dem IS und dem Wahhabismus, einer besonderen Auslegung des Islams, auseinandergesetzt. Zunächst habe er sich dem bewaffneten Kampf des IS anschließen, in die Türkei oder nach Saudi-Arabien reisen wollen. Doch seine Pläne seien an Geldmangel gescheitert. So habe er, dem weltweiten Kampfaufruf des IS folgend, Ungläubige im Westen töten und selbst als Märtyrer sterben wollen.

Was war im April in Duisburg passiert?

In der Nacht des 9.April 2023, suchte Maan D. nach eigener Aussage nach Ungläubigen, die er mit einem 20cm langen Küchenmesser töten wollte. Er beobachtete eine Gruppe von Männern, die in der Altstadt draußen tranken und Musik hörten. Als sich einer der Männer von der Gruppe entfernte, griff ihn Maan D. an und verletzte ihn mit 28 Messerstichen. Das Opfer erlag im Krankenhaus den Verletzungen. Maan D. flüchtete in seine nahegelegene Wohnung.

Eine Foto des Tatverdächtigen in Duisburg

Am 19. April betrat Maan D. um 17 Uhr ein Fitnessstudio und verschaffte sich unter dem Vorwand eines Probetrainings Zutritt zu den Umkleidekabinen. Dort überraschte er drei Männer, die sich umzogen bzw. unter der Dusche standen und verletzte sie lebensgefährlich. Einem weiteren Mann, der helfen wollte, stach er in den Oberschenkel. Als er Alarmsirenen hörte, lief er davon. Nach einer Öffentlichkeitsfahndung mit Bildern wurde Maan D. in seiner Wohnung festgenommen.

Der 27-Jährige hat noch Zeit Revision gegen das Urteil einzulegen. Da er sich während des Prozesses weigerte mit seinem Anwalt zu sprechen, scheint dies unwahrscheinlich.

Wir berichten am 19.12.2023 im WDR Fernsehen und Hörfunk über den Prozess.

Quellen:

  • WDR Prozessbeobachter vor Ort