Verdächtiger gefasst: Ehemaliger Mieter soll Brand in Solingen mit vier Toten gelegt haben

09:01 Min. Verfügbar bis 10.04.2026

Verdächtiger gefasst: Ehemaliger Mieter soll Brand in Solingen mit vier Toten gelegt haben

Stand: 12.04.2024, 14:07 Uhr

Ein 39-jähriger Tatverdächtiger, der am Montag in Solingen einen Mann mit einer Machete angegriffen haben soll, ist wohl auch für den Brandanschlag mit vier Toten verantwortlich. Das berichten Staatsanwaltschaft und Polizei auf einer Pressekonferenz.

Am Montag war in Solingen ein 44 Jahre alter Mann mit einer Machete lebensgefährlich verletzt worden. Als Verdächtigen nahm die Polizei einen 39-Jährigen Deutschen fest. Im Laufe der Ermittlungen stellten Polizei und Staatsanwaltschaft fest: Dieser Mann ist wohl auch für die Brandstiftung in einem Wohnhaus in Solingen verantwortlich. Dabei kam vor zwei Wochen eine junge vierköpfige Familie ums Leben.

Die verstorbenen Eltern waren 28 und 29 Jahre alt, eine Tochter knapp drei Jahre und ein Säugling erst fünf Monate alt. Die Familie aus Bulgarien schaffte es nicht mehr ins Freie, weil die hölzerne Treppe des Altbaus in Brand geraten war. Außerdem gab es bei dem Brand mehrere Schwerverletzte.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes und versuchten Mordes. Sachverständige haben Spuren von Brandbeschleuniger im hölzernen Treppenhaus des Mehrfamilienhauses entdeckt.

Tatverdächtiger soll ehemaliger Mieter gewesen sein

Laut Staatsanwaltschaft soll der Tatverdächtige früher im Hinterhaus des Brandhauses gewohnt haben. Nach einem Streit mit der Vermieterin soll ihm die Wohnung gekündigt worden sein. Die Brandstiftung könnte möglicherweise ein Racheakt gewesen sein. Belastbare Hinweise auf eine fremdenfeindliche Tat gibt es bisher nicht, so die Ermittler.

Der 39-jährige Mann, dem die Ermittler die Brandstiftung in Solingen mit vier Toten vorwerfen, soll jetzt psychologisch untersucht werden. Sein Anwalt sagte dem WDR, das sei gesetzlich so vorgesehen.

Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft bei der Pressekonferenz in Wuppertal zu Brand und Macheten-Angriff in Solingen

Polizeipräsident Markus Röhrl, Björn Goecke, Leiter der Mordkommission, Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt und Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert bei der Pressekonferenz in Wuppertal (von links)

Auf die Spur des Beschuldigten kamen die Ermittler durch die Auswertung mehrerer Überwachungskameras an dem betroffenen Haus sowie Aussagen der Vermieterin. Bei einem Abgleich habe festgestellt werden können, dass es sich bei dem ehemaligen Mieter und dem Menschen aus den Aufnahmen um denselben Mann handelte.

Die Durchsuchung seiner Wohnung mit Spezialkräften sei zum Zeitpunkt der Macheten-Attacke vorbereitet und wenige Stunden zuvor gerichtlich genehmigt worden.

Das Haus in der Grünewalder Staße, in dem der Mann das Feuer gelegt haben soll, und der Ort, an dem er einen Menschen mit einer Machete angegriffen haben soll, liegen etwa einen Kilometer auseinander.

Macheten-Angriff wegen Drogengeschäft

Bei der mutmaßlichen Auseinandersetzung mit der Machete am Montag soll es um ein Drogengeschäft gegangen sein. In dem Haus, in dem er wohnte, seien neben einer kleinen Cannabisplantage auch Brandmittel gefunden worden. Das Motiv wegen der mörderischen Brandstiftung dauere an. Der Beschuldigte schweige zu den Vorwürfen.

Gegen den Tatverdächtigen wurde ein Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen. Der Mann sei früher bereits wegen Unterschlagung und Diebstahl geringwertiger Sachen aufgefallen, sagte der Wuppertaler Staatsanwalt.

Mit dem Haftbefehl wegen vierfachen Mordes habe man keine Eile, sagten die Staatsanwälte. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang und der Verdächtige sitze ohnehin in Untersuchungshaft.

Die Tat sei "weitgehend aufgeklärt", sagte Wuppertals Polizeipräsident Markus Röhrl. Es handele sich um einen "durchgreifenden Ermittlungserfolg".

Schlimme Erinnerungen an Solingen 1993

"Der Brandanschlag hat schlimme Erinnerungen an Solingen 1993 und Verunsicherung hervorgerufen", sagte der Polizeipräsident. Dass nach rund zwei Wochen ein Ermittlungserfolg gelungen sei, sei befreiend.

Am 29. Mai 1993 hatten vier Rechtsextreme das Haus der türkischen Familie Genc in Solingen in Brand gesetzt. Bei dem fremdenfeindlichen Angriff wurden fünf türkische Mädchen und Frauen getötet.

Stadtspitze in Solingen zeigt sich erleichtert

Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach hat erleichtert auf die Ermittlungsergebnisse der Wuppertaler Polizei und Staatsanwaltschaft reagiert. "Wir sind sehr erleichtert, dass es bereits jetzt einen Ermittlungserfolg gibt", wird der Oberbürgermeister in einer Pressemitteilung der Stadt Solingen zitiert.

Für die Angehörigen und für die Betroffenen, denen nach wie vor zuallererst unser Mitgefühl gilt, ist die Aufklärung ungemein wichtig. Wichtig ist sie aber auch für unsere Stadtgesellschaft. Tim Kurzbach, Oberbürgermeister Stadt Solingen

Weiter bedankt sich der Oberbürgermeister bei den Ermittlern, denen dieser Erfolg zu verdanken sei. Alle weiteren Erkenntnisse zu Motiv und Tathergang müsse man jetzt abwarten. Die Polizei hat das Brandhaus jetzt wieder frei gegeben. Ob das Haus wieder zu betreten ist, muss die Baubehörde entscheiden.

PK Staatsanwaltschaft Wuppertal: Neues zu Solingen

WDR Studios NRW 10.04.2024 01:15 Min. Verfügbar bis 10.04.2026 WDR Online


Verdächtiger gefasst: Ehemaliger Mieter soll Brand in Solingen mit vier Toten gelegt haben

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Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur DPA, AFP, EPD
  • Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft Wuppertal am 10.04.2024
  • Pressemitteilung der Stadt Solingen