Potsdam-Mittelmark - Neue Bäume per Drohne in Waldbrandgebiet gesät

Mo 19.02.24 | 11:34 Uhr
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Eine Drohne vom Unternehmen Skyseed GmbH, an der ein Behälter mit Saatgut hängt, startet in einem Wald. Nach einem Waldbrand im brandenburgischen Beelitz im Sommer 2022 sollen dort mithilfe von Drohnen neue Bäume wachsen. (Quelle: dpa/Pleul)
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Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 16.02.2024 | Ulrike Finck | Bild: dpa/Pleul

Bei Beelitz (Potsdam-Mittelmark) ist am Freitag ein Pilotprojekt zur Wiederbewaldung gestartet: Auf einer ehemaligen Waldbrand-Fläche hat eine Drohne Saatgut abgeworfen. Dafür wurden Laubgehölz-Samen in spezielle Pellets gepresst und punktgenau auf der Versuchsfläche verteilt. So will der Landesbetrieb Forst auf neue Weise den Wald wieder aufforsten, der durch einen Großbrand vor eineinhalb Jahren betroffen war.

Lange Forschungszeit an Samen-Pellets

"Um die Samen ist eine Schutzschicht aus verschiedenen organischen Stoffen, die verhindern soll, dass die Saat, gleich nachdem sie abgeworfen wurde, von Mäusen oder Schweinen gefressen wird oder austrocknet, weil sie ja nicht in den Boden eingebracht wird", sagte Revierförster Jakob Liesegang dem rbb.

Allein die Entwicklung dieser Pellets habe drei Jahre gedauert. "Die Pelletierung ist sehr herausfordernd, weil jedes Saatgut eigene Anforderungen hat", sagte Ole Seidenberg, einer der Gründer der Firma Skyseed. Die Forschung sei auch deshalb so zeitintensiv gewesen, weil nur natürliche Materialien in den Wald eingebracht werden sollte und bei der Schutzschicht der Samen weder Plastik noch Gele zum Einsatz kommen sollten.

Mischwald aus neuen Baumarten soll wachsen

Der Versuch läuft auf drei Hektar munitionsbelasteter Fläche im Forstrevier Seddin. Wegen der Belastung mit alten Kampfmitteln ist das herkömmliche Pflanzen junger Bäume dort kaum möglich. Die Saatgut-Drohne hat auch schon im Harz Samen gestreut, um dem Fichtensterben dort entgegenzuwirken. Pro Drohne sind knapp zwölf Kilo Samen geladen.

Küstentannen, Douglasien, Sandbirken und Ebereschen sollen dort künftig einen Mischwald bilden. Ausgebracht werden Baumarten, welche über Naturverjüngung aus den Nachbarbeständen nicht ausreichend zu erwarten sind. "Wir bringen auch Bäume ein wie die Douglasie, die uns später Wertholz liefern sollen. Da können wir in 30 bis 40 Jahren Sägeholz ernten", sagt Revierförster Jakob Liesegang dem rbb.

"Wir haben hier sehr viele Nährstoffe auf dem Boden durch den Waldbrand. Diese Flächen sind optimal für solche Maßnahmen", sagte Carsten Lessner, Leiter der obersten Forst- und Jagdbehörde im Umweltministerium. Ob das Experiment per Drohne funktioniert und viele junge Bäumchen sprießen, wird sich aber erst nach Monaten bis Jahren zeigen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 16.02.2024, 19:30 Uhr

19 Kommentare

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  1. 18.

    Ich meinte hier eher die kurzfristige Sicht unter Einbeziehung der Folgen durch wenigstens einer 2 K Erwärmung. Dafür gibts bestimmt gute Modelle mit denen sich bestimmte veränderte Bedingungen prognostizieren lassen und dementsprechend die widerstandfähigeren Baumarten, die sich ansonsten natürlich mit unseren Habitaten vertragen müssen, anpflanzen. Also zumindest glaube ich, dass wir da nachhelfen müssen, da für unsere einheimischen Baumarten der Anpassungsdruck sicher zu hoch ist. Bin mir aber letztendlich auch nicht sicher, denn sowas kann bei dynamischen Systemen auch furchbar nach hinten losgehen. Und viel Zeit, zum rumexperimentieren, bleibt ja auch nicht.
    In jedem Fall sollte man aber grundsätzlich die Ansiedlung von Klimaxbaumarten entsprechend unterstützen. Denn ohne diese Baumarten geht es sowieso nicht.

  2. 17.

    Isngesamt ja.
    Das: "des zukünftigen Klimawandels wichtig." Ist bei dem Zeithorizont bei einem Waldaufbau sehr mutig - ich würde es mir nicht zutrauen und auch der IPCC wagt nur grobe Prognosen bis 2100 . Wir reden hier bei Bäumen von Zeithorizontren von einigen hundert Jahren. Was für Klima ergeben denn Ihre Modelle für 2200, 2300, 2400?

  3. 16.

    Ich würde sagen es geht hier ausschließlich um eine Studie zum Ertrag bei künstlicher Pelletbesamung. Denn die genannten Baumarten sind mir eher als Pionierbäume bekannt. Welchen Sinn machen in diesem Zusammenhang eigentlich Ebereschen? Der Samen mit seinen Eigenschaften, der Verbiss durch das Wild?
    Den eigentlichen Mischwald erhält man erst durch die spätere Ansiedlung der Klimaxbaumarten. Und die sind ja gerade im Hinblick auf die jahrzehntelange Fehlentwicklung im Zuge der Beforstung und des zukünftigen Klimawandels wichtig.

  4. 15.

    atsächlich wuDie Drohnensaat wird nur auf einem kleinen Teil der großen Brandfläche durchgeführt (3,5 von 230 ha). Auf einem großen Teil findet Naturverjüngung statt (Birken und Kiefernsamen die von den unverbrannten Bäumen am Rand der Fläche auf den verbrannten Boden geweht werden keimen von alleine, im Landeswald über 50 %), auf den nicht munitionsbelasteten Flächen finden auch Pflanzungen statt, aber nur in kleinen Bereichen oder mit so großen Lücken, dass rundeherum oder dazwischen genug Platz für natürliche Verjüngung bleibt.
    rden auf der Fläche auch die verbrannten Bäume zum Teil geerntet, dabei kamen gepanzerte Erntemaschinen (Harvester, Forwarder) zum Einsatz, die speziell für munitionsbelastete Flächen gebaut werden und zertifiziert sind. Auch andere Flächen im Revier werden so durchforstet.
    Gepflanzt wird mit Vorliebe auf die Nordseite der Hochstubben (Bäume auf 4 m Höhe abgeschnitten), damit die kleinen Bäume im Sommer in der Mittaghitze Schatten haben.

    Grüne Grüße

  5. 14.

    Ein Tteil der Fläche wurde nach dem Brand mit Sonden abgesucht, dabei wurden Kampfmittel gefunden und beseitigt. Das ist aber extrem aufwendig, zeitintensiv und teuer, gerade bei starker Belastung. Deshalb kann nicht die ganze Fläche abgesucht werden und es kommen gepanzerte Forstmaschinen und auf der kleinen Fläche auch die Drohne zum Einsatz.

    Grüne Grüße

  6. 13.

    Was ein Wald an Regenerationsfähigkeit hat, ob nach Stürmen oder Bränden, lässt sich nicht annähernd durch den Menschen simulieren. Darum geht es hier aber nur bedingt. Denn neben Verjüngung soll ja die Zusammensetzung der Baumarten bereichert werden. Das kann nicht von alleine passieren in den meist von Monokulturen geprägten Forsten Berlins und Brandenburgs. Wie sich allerdings die Situation um Munitionsbelastung etc. ändert, bleibt bei solch eine Aktion ungeklärt.

  7. 12.

    "Für fünf Jahre, bis wir wieder wehrtüchtig sein sollen, lohnt sich das wegräumen nicht. Da werden noch ganz andere Sachenhinzukommen." Sie müssen es schon als Satire kennzeichnen, wenn es so gemeint ist. ;-) Das kann doch sicher nicht im Ernst gemeint sein.

  8. 11.

    "Unabhängig davon, ob es was bringt, so wird doch etwas getan." Aktionismus ist aber nicht immer die optimale Antwort auf ein Problem.

  9. 10.

    Für fünf Jahre, bis wir wieder wehrtüchtig sein sollen, lohnt sich das wegräumen nicht. Da werden noch ganz andere Sachenhinzukommen.

  10. 9.

    Voraussetzung ist allerdings, dass die Samen den Erdboden erreichen und nicht im Gras hängen bleiben.

  11. 8.

    Holz findet Verwendung zum Bauen, Holzhäuser, Dachstuhl, Möbel, Spielzeug, Fußböden, Verpackungsmaterialvund nicht zuletzt Papier für die vielen Wahlzettel, damit Sie die wählen können, die künftig alles besser machen sollen.

  12. 7.

    Unabhängig davon, ob es was bringt, so wird doch etwas getan. Und das ist etwas ganz anderes als das was die „Faulis“ immer wollen: Die Natur macht das schon.... Nein, das macht sie nicht. Wenn wenigstens mitgearbeitet wird, dass z.B. die Drohnen mehr Gewicht tragen können, dann würde die Einstellung stimmen.

  13. 6.

    Ist eine naheliegende Frage, die Antwort dürfte sein: weil die Räumdienste für Jahrzehnte ausgelastet sind.

  14. 5.

    dann räumt doch endlich mal die muition weg, jetzt werden bäume gesäht, und es ändert sich nix. beim nächsten brand schaut man wieder vom rand aus zu....

    ich wohne in luckenwalde, alle wälder drumherum sind verseucht...warum passiert da nix ? ständig stolpert man über alte granaten, patronen, fliegerbomben reste etc......

  15. 4.

    Ok, man kann NICHT rein, um Bäume zu sähen/pflanzen, ABER in 30 Jahren will man genau dort Holz ernten? Auch per Drohne oder wie? Und warum überhaupt müssen wir Holz anbauen, wer verwendet das noch wofür genau und warum wird nicht erstmal dieser unsäglich Kiefernwald in unbelasteten Gebieten "geerntet"?

  16. 3.

    Wäre das nicht eigentlich ein guter Zeitpunkt gewesen, dort die Munition zu beseitigen und betretbaren Wald zu schaffen, bevor man Wiederaufforstung betreibt?

  17. 2.

    Okay, man streut mit einer Drohne Saatgut. Nette Technik, top. Man umgeht dabei, dass man das Gebiet wegen Munitonsbelastung nicht betreten kann, auch gut.

    Wenn der Förster dann aber sagt, in 30 bis 40 Jahren ist da Nutzholz, frag ich mich, wie er es in 30-40 Jahren da raus bekommen will. Die Munition wird ja immernoch da sein und das Gebiet immernoch nicht zu betreten. Oder hat man bis dahin Technik, bei der man den Wald zum Ernten auch gar nicht betreten muss?

  18. 1.

    Das ist eine gute Nachricht. Eine sinnvolle Verwendung von Drohnen mit Saatgut zum Aufforsten unserer Wälder.
    Bin gespannt, was daraus wird.

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