Streit über Subventionen - Bauern protestieren erneut mit Traktoren in Berlin

Fr 26.01.24 | 17:02 Uhr
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26.01.2024, Berlin: Traktoren fahren bei einem Protest mit Traktorkorso des Landesbauernverbands Brandenburg. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Video: rbb24 Abendschau | 26.01.2024 | A. Herr/R. Unruh/T. Jaeger | Bild: dpa/Christoph Soeder

Brandenburger Bauern haben am Freitag wieder in Berlin demonstriert. Nach Polizeiangaben fuhren sie mit etwa 250 Traktoren vor die Parteizentralen der Ampelparteien SPD, Bündnis90/ Die Grünen und FDP. Die Zahl der Teilnehmer war dabei deutlich höher als vom Landesbauernverband Brandenburg erwartet. Laut Polizei waren es mehr als 300 Landwirte.

Vor den Türen der Parteizentralen wollten die Landwirte eine Protestnote gegen die Kürzungen beim Agrardiesel im Haushaltsentwurf der Bundesregierung übergeben.

Über drei Routen nach Berlin

Für die Protestkundgebungen fuhren die Bauern am Morgen auf mehreren Routen von Nauen, Rangsdorf und Hoppegarten aus ins Zentrum der Hauptstadt. Der Vizepräsident des Landesbauernverbands, Heiko Terno, sagte dem rbb, es sei notwendig, die Proteste fortzusetzen und den Druck aufrechtzuerhalten. Noch könne man den Subventionsabbau unbürokratisch verhindern. Später sei das dann eine größere Hürde.

Der Protest richtete sich gegen das Vorhaben der Bundesregierung, die Steuervergünstigung beim Agrardiesel nach und nach auslaufen zu lassen. Außerdem wurden die Regierungsparteien aufgefordert, sich insgesamt stärker landwirtschaftlichen Themen zu widmen, hieß es in einer Pressemitteilung.

Der Bundestag will in der kommenden Woche über ein entsprechendes Gesetz abstimmen.

Seit Wochen gibt es bundesweit Proteste. Die Ampel-Koalition hat die Sparpläne bei der Landwirtschaft für den Haushalt 2024 bereits abgeschwächt. Die Steuervergünstigungen beim Agrardiesel sollen demnach nicht auf einen Schlag enden, sondern schrittweise auslaufen.

Nach Medienberichten wollte Bundeskanzler Scholz am Freitag noch einmal mit dem Bauernverband über die Pläne reden. Am späten Nachmittag sei dazu ein Treffen mit Verbandspräsident Rukwied im Kanzleramt geplant.

"Fass zum Überlaufen gebracht"

"Die Proteste der letzten Wochen haben gezeigt, dass der Berufsstand zusammensteht und ein Kipppunkt erreicht wurde, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat", sagte Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, laut einer Mitteilung am Freitag.

Sendung: rbb24 Abendschau, 25.01.2024, 19:30 Uhr

69 Kommentare

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  1. 69.

    Ich lebe in Frankfurt am Main.
    Hier wird sogar mehrmals in der Woche Demonstriert.
    Mich stört das nicht.
    Wenn sie das nicht wollen, müssen sie in ein 200 Seelendorf ziehen .

  2. 68.

    Werter RBB - den "ekeligen" Teil habe nun weggelassen. Vll. ist es jetzt genehm. Wäre nett.
    "Tierische Nebenprodukte der Kategorie 3 (Material mit einem geringen Risiko)
    Schlachtkörperteile und Teile von genusstauglichen Tieren, wenn sie aus wirtschaftlichen Gründen nicht zum menschlichen Verzehr verwendet werden, sowie nach den Gemeinschaftsvorschriften als untauglich zurückgewiesen wurden, jedoch keine Anzeichen auf Mensch oder Tier übertragbare Krankheiten aufwiesen...."
    Quelle: BMEL

  3. 67.

    Völliger Unsinn was Sue da schreiben.
    Wenn man in einer Stadt lebt muss man mit Demos rechnen aber nicht tagtäglich.
    Mal ein wenig über den Tellerrand schauen.

  4. 66.

    Wenn man in einer Stadt wie Berlin wohn muss man mit Demonstrationen rechnen und leben.
    Da ist das Ich bin am wichtigsten Denken wie bei ihnen Fehl am Platz.

  5. 65.

    Wird Zeit das die Bauern ihre Aktionen wieder Bundesweit deutlich verstärken. Parallel zum Bahnstreik wäre ein guter Zeitpunkt gewesen.
    Vielleicht während dem nächsten unbefristeten Streik der GDL.
    Ich habe vollstes Verständnis für die Bauern und die Bahnmitarbeiter.

  6. 64.

    Schon wieder falsch.
    K3 ist lediglich ein tierisches Nebenprodukt, sprich Schlachtabfälle.

    Bevor man solche Märchen verbreitet, sollte man sich informieren.

    Als K3-Fleisch werden umgangssprachlich für den Menschen ungenießbare oder aus kommerziellen Gründen nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Schlachterzeugnisse bezeichnet, welche als K3-Material im Handel sind.

  7. 63.

    Schon wieder falsch.
    K3 ist lediglich ein tierisches Nebenprodukt, sprich Schlachtabfälle.

    Bevor man solche Märchen verbreitet, sollte man sich informieren.

    Als K3-Fleisch werden umgangssprachlich für den Menschen ungenießbare oder aus kommerziellen Gründen nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Schlachterzeugnisse bezeichnet, welche als K3-Material im Handel sind.

  8. 62.

    Unverkauftes Fleisch ist Kat3 Material und kann durchaus zu Tierfutter verarbeitet werden.

  9. 61.

    Bei mir läuft das Fass auch langsam über. Es in in Berlin an keinen Wochende möglich ohne Probleme von A nach B zu kommen. Jedes WE ist irgendwie was.
    Ich glaube ich schaue mir nach einer Wohnung in Brandenburg um.
    Berlin ist nicht mehr lebenswert.

  10. 60.

    Die Streichung der Subventionen war der i-Tüpfelchen. Die Ampelregierung sucht krampfhaft nach Einsparungen und dabei ist ihnen jedes Mittel und jedes Opfer recht. An einer Stelle wird sicher nie gespart. Dass sind die Projekte im Ausland und die Verpflichtungen gegenüber der EU. Ich finde die Proteste der Landwirte absolut in Ordnung. Vielleicht bemüht sich irgendwann jemand aus der Regierung mit den Landwirten zu reden.

  11. 59.
    Antwort auf [Roman] vom 26.01.2024 um 14:52

    Unverkauftes Fleisch wird ganz sicher nicht zu Tierfutter verarbeitet. Da handelt es sich um Schlachtabfälle.Auch wird unverkauftes Fleisch nicht als Hack erneut in den Umlauf gebracht.

    Verbreiten Sie also bitte nicht solche Unfug.

  12. 58.

    Die Selbstversorgungsgrade in Deutschland lagen 2023 bei Fleisch 120%, Kartoffeln 150%, Zucker 150%, Getreide 110%.
    Der Rest wird importiert, also Gemüse, Obst, Eier, Honig etc. Bei der nachhaltigen Landwirtschaft rennen sie bei mir offene Türen ein, ebenso bei dem sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln. Allerdings ist es wohl öfter ein Problem des Verbraucherverhaltens wenn z.B. Obst oder Gemüse in der Tonne landet weil es nach der vierunddröfzigsten Quetsch- und Quietschprobe beim Discounter unansehnlich aussieht oder der Apfel eben liegen bleibt weil er nicht hochglanzpoliert ist. Eigenartiger Weise laufen die sog. Wetteräpfel in Hofläden ganz gut. Bei dem tonnenweisen Wegschmeißen von Lebensmittel muss sich wohl eher der Verbraucher, also auch sie, mal an die eigene Nase fassen - und zwar hier, nicht in China.

  13. 57.
    Antwort auf [Markus] vom 26.01.2024 um 07:19

    Irgendjemand muss ihnen ja die Grundstücke usw. verkauft haben. Selber Schuld!

  14. 56.

    "Wenn Sie Schweinefleischexporte nach China anführen, sollten Sie auch mal einen Blick auf die Importe werfen und was afrikanische Staaten so an landwirtschaftlichen Produkten ernten, exportieren und hungern. Wenn Sie meinen, der Landwirt oder die Agrargesellschaft in Hinterposemuckel bei Kleinsiehstenicht hat Lebensmittelverschwendung, weltweiten Handel und das Rumgekutsche mit Agrarerzeugnissen zu verantworten, sind Sie auf dem Holzweg und der ist eine Seitenstraße der Wallstreet."

    Haben sie meinen Kommentar überhaupt gelesen UND verstanden? Ich glaube nicht. Ich habe nämlich das genaue Gegenteil behauptet von dem was sie mir unterstellen.

  15. 55.

    "Natürlich kann man mit den hiesigen Kosten nicht gegen Länder konkurrieren"

    Der Großteil der aktuelle importierten Lebensmittel, die auch in Deutschland angebaut werden (können), kommt aus der EU und Europa...

  16. 54.

    Für Medikamente gibt es hier Preisdeckel.
    Für Agrarprodukte nicht.
    Die Bauern können hier ihre Produkte so teuer verkaufen wie sie wollen.
    Warum machen sie es nicht?
    Der Markt gibt es nicht her?
    Dann sind die Bauern auf dem falschem Markt ... und nicht die Verbraucher.

  17. 53.

    Die Aufzählung erfolgte, weil nach Alternativen gefragt wurde. Das war die Antwort. Wenn Sie Schweinefleischexporte nach China anführen, sollten Sie auch mal einen Blick auf die Importe werfen und was afrikanische Staaten so an landwirtschaftlichen Produkten ernten, exportieren und hungern. Wenn Sie meinen, der Landwirt oder die Agrargesellschaft in Hinterposemuckel bei Kleinsiehstenicht hat Lebensmittelverschwendung, weltweiten Handel und das Rumgekutsche mit Agrarerzeugnissen zu verantworten, sind Sie auf dem
    Holzweg und der ist eine Seitenstraße der Wallstreet.

  18. 52.

    Die sollen mit dem Gehupe aufhören und nicht Unschuldige strafen mit ihrem Lärm, sondern nach Hause fahren. Auf dem Hof gibt es immer was zu tun. Sollen sie sich mit der Agrarlobby auseinandersetzen und nicht den Staat/die Regierung erpressen.

  19. 51.

    Bei Medikamenten haben wir gerade gesehen, wie schlimm es werden kann, wenn man sich kostengünstig aus ärmeren Ländern beliefern lässt.
    An alle, die jetzt gegen die Bauern meckern: Wollt Ihr, dass es für Lebensmittel genauso kommt? Ich nicht. Wir sollten dafür sein, dass die Bauern hier qualitativ hochwertige Lebensmittel produzieren können und davon auch leben können (Vorteil: Die Lebensmittel müssen nicht um die halbe Welt transportiert werden - CO2 und so).
    Natürlich kann man mit den hiesigen Kosten nicht gegen Länder konkurrieren, wo die Leute vielleicht mehrere Tage arbeiten müssen, um hier auf den Mindeststundenlohn zu kommen. Also müssen die Bauern mit Steuergeldern unterstützt werden. Ist doch gar nicht so schwer zu verstehen.
    Was das Gehupe betrifft: Muss ja nicht unbedingt dort sein, wo viele Leute wohnen.

  20. 50.

    Das ist ein Auszug aus einem Artikel vom MDR vom 20.01.23
    "EU-Agrarsubventionen: Millionen für Aldi-Töchter und Großbetriebe in Mitteldeutschland"

    "Mitteldeutschland sind die Zahlungen aus den Agrarfördertöpfen der EU ungleicher verteilt als im Rest von Deutschland. Wie eine MDR-Datenanalyse zeigt, erhalten relativ wenige Top-Empfänger den Hauptanteil der Fördermittel - darunter auch Betriebe, die Investoren wie Aldi-Nord gehören. Die andere Hälfte der Empfänger bekommt dagegen nur zwei Prozent der Gesamtmittel."

    So sieht die Realität aus und an dieser Stelle muss sich auch was verändern. Wenn die Subventionen so ungerecht verteilt werden, haben die kleinen Bauern und Betriebe keine Chance.

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