Flibanserin

US-Behörde genehmigt Flibanserin Erste Lustpille für Frauen

Stand: 19.08.2015 05:53 Uhr

Für Männer mit Potenz-Problemen gibt es schon lange eine kleine blaue Pille. Ab Oktober kommt in den USA auch eine Lustpille für Frauen auf den Markt. Trotz Kritik gab die US-Arzneimittelbehörde grünes Licht für das erste luststeigernde Präparat für Frauen.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Hörfunkstudio Washington

Die Bezeichnung "Viagra für Frauen" klingt griffig, ist jedoch irreführend. Denn während die blaue Pille bei Männern für mehr Blutzufuhr sorgt, wirkt sich die rosa Pille eher auf das Gehirn und die Psyche der Frauen aus. Das nun von der amerikanischen Arzneimittelbehörde zugelassene Medikament Flibanserin ist eigentlich ein Antidepressivum. Es senkt ein lusthemmendes Hormon und steigert das Glückshormon Dopamin. Und anders als das bei Männern schnell wirkende Viagra muss die verschreibungspflichtige rosa Lustpille für die Frau mindestens vier Wochen lang täglich eingenommen werden, bevor es die weibliche Libido ankurbelt.

Martin Ganslmeier

Meilenstein für Frauen?

Dennoch sei die Zulassung ein wichtiger Meilenstein für Frauen, die über mangelnde sexuelle Lust klagen, betonte Dr. Lauren Streicher von der Northwestern University im Sender NBC: "Es geht nicht darum, die Leute sex-süchtig zu machen, sondern darum, eine für Frauen außergewöhnliche und schmerzliche Situation zu normalisieren."

Zwischen 10 und 40 Prozent aller Frauen unter 50 leiden unter mangelnder Libido, schätzen Mediziner. Deshalb gab es seit vielen Jahren Versuche, ein luststeigerndes Präparat für Frauen zu entwickeln. Die Pharmakonzerne Pfizer und Bayer versuchten es vergeblich. Der Durchbruch gelang in Deutschland: Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim entwickelte das Antidepressivum Flibanserin. Doch nach dem ersten gescheiterten Zulassungsantrag in den USA verkauften die Deutschen das Patent an die US-Firma Sprout Pharmaceuticals. Die Amerikaner entdeckten die luststeigernde Wirkung von Flibanserin und bringen die Pille nun unter dem flotten Namen "Addyi" auf den US-Markt.

Frauenverbände unterstützen Pille

Bei der Zulassung half auch eine geschickte PR-Kampagne. Unter dem Motto "Auch Frauen haben ein Recht auf besseren Sex" wurden Werbespots im Internet verbreitet. In einem sagt eine attraktive Frau: "Es gibt unzählige Medikamente, die Euch scharf wie ein Teenager machen!" Auch Frauenverbände setzten sich für die Lustpille ein.

Dennoch hat die US-Arzneimittelbehörde die Zulassung an strenge Auflagen geknüpft. Die Verpackung muss deutlich vor den möglichen Nebenwirkungen warnen: niedriger Blutdruck, Schwindel und Übelkeit. Auf keinen Fall darf "Addyi" zusammen mit Alkohol geschluckt werden. Dies kann zu Ohnmachtsanfällen führen. Kritiker bezweifeln zudem die Wirksamkeit der Lustpille für die Frau.

Immerhin gab die Hälfte der Testpersonen an, ihr sexuelles Verlangen sei größer geworden. In der Praxis habe dies zu einmal mehr Sex im Monat geführt. Besser als gar kein Sex, sagt der US-Pharmakonzern Sprout und hofft nun nach der Zulassung in den USA auf große Nachfrage und gute Geschäfte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. August 2015 um 17:00 Uhr.