Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Auswertung der DAK Krankmeldungen auch im Sommer angestiegen

Stand: 01.11.2023 13:22 Uhr

Keine Sommergrippe-Welle in Deutschland - und dennoch ist der Krankenstand angestiegen. Das hat eine Auswertung der Krankenkasse DAK ergeben. Vor allem psychische Erkrankungen sind danach deutlich angestiegen.

Ungewöhnlich viele Krankschreibungen für die Sommermonate hat die DAK von Juli bis September verzeichnet, wie die Krankenkasse heute bekannt gab. Dabei gab es im Gegensatz zu einigen Vorjahren keine Häufung von Grippefällen.

Erstmals über 20 Fehltage im Jahr?

Laut der Auswertung kam jeder Beschäftigte im Sommer auf 4,6 Fehltage durchschnittlich. Im Jahr zuvor waren es lediglich 4,3 Tage im Schnitt. Damit könnte im laufenden Jahr ein Höchstwert an Krankschreibungen entstehen, denn die Erkältungssaison in Herbst und Winter steht ja noch bevor. "Aufgrund unserer Analyse gehen wir davon aus, dass wir 2023 zum ersten Mal seit vielen Jahren insgesamt auf deutlich über 20 Fehltage pro Beschäftigte und Jahr kommen werden", so DAK-Vorstandschef Andreas Storm.

Bereits im vergangenen Jahr war der Krankenstand bereits deutlich gestiegen: Für 2022 hatte die DAK bei Beschäftigten im Schnitt fast 20 Fehltage registriert, ein Zuwachs von rund fünf Tagen gegenüber 2021.

Laut der Krankenkasse gehen die höheren Krankschreibungen vor allem auf zwei Befunde bei den Ärzten zurück: Einerseits waren dies auch im Sommer psychische Erkrankungen. Zum anderen meldeten sich viele Beschäftige wegen Erkrankungen durch Muskel-Skelett-Probleme (Rücken). So gingen 101 Fehltage je 100 Beschäftigte auf diese Muskel-Skelett-Erkrankungen zurück, bei psychischen Erkrankungen waren es 87 Fehltage je 100 Beschäftigte. Viele Krankschreibungen wegen Rückenproblemen stehen Experten zufolge auch mit psychischen Belastungen in Verbindung.

Psychische Belastungen gestiegen

"Die Nachwirkungen der Pandemie, die Unsicherheit in Deutschland durch die vielen Krisen in der Welt: Das alles belastet die Psyche der Menschen zunehmend", so DAK-Vorstandschef Storm. Für die Analyse wurden den Angaben zufolge Daten von knapp 2,4 Millionen bei der DAK versicherten Beschäftigten ausgewertet.

Zu ähnlichen Ergebnissen war vor wenigen Wochen auch die Krankenkasse AOK gekommen. Der Fehlzeitenreport 2023, der die Krankmeldungen des vergangenen Jahres erfasst, verzeichnete Jahr 216,6 Krankmeldungsfälle je 100 erwerbstätiger Versicherten. In den Jahren 2012 bis 2021 waren es durchschnittlich 159,7 Fälle. Hier wurde ein mehrjähriger Höchststand dokumentiert. Gegenüber dem Jahr 2012 lagen die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen 2022 um 48 Prozent höher.

Milliarden-Ausfall für die Wirtschaft

Steigende Krankheitsraten kosten die Volkswirtschaft Milliarden. Laut einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) hat der bereits im vergangenen Jahr hohe Krankenstand die Wirtschaft bis zu 42 Milliarden Euro gekostet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hätte damit 2022 statt um 1,8 Prozent zwischen 2,5 und 2,9 Prozent zulegen können. Im laufenden Jahr hätte eine niedrigere Krankheitsrate damit die deutsche Wirtschaft vor einer Schrumpfung bewahren können. Denn für 2023 rechnet etwa das ifo-Institut mit einer Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2023 14:02 Uhr.