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#kurzerklärt

#kurzerklärt Wie geht es Arbeitnehmern?

Stand: 31.08.2017 09:58 Uhr

Teilzeit, Befristung, Leiharbeit, Mini-Jobs: sogenannte Normalarbeitsverhältnisse werden immer seltener in Deutschland. Dabei boomt die Wirtschaft und laut Statistik gibt es auch immer mehr Jobs. Doch wie gut geht es Arbeitnehmern eigentlich?

Von Juliane Fliegenschmidt, WDR

Unbefristet, in Vollzeit und sozialversicherungspflichtig - das war jahrzehntelang der Standard in Deutschland. Doch inzwischen haben weniger Menschen ein solches so genanntes Normalarbeitsverhältnis: Laut Statistischem Bundesamt sind es 69 Prozent. Weitere zehn Prozent arbeiten selbstständig. Und dann gibt es mit 21 Prozent noch die Gruppe der atypisch Beschäftigten.

Atypisch beschäftigt - wer zählt dazu?

Vier Gruppen gehören dazu: Arbeitnehmer, die Teilzeit arbeiten, Menschen mit befristetem Vertrag, Mini-Jobber und Leiharbeiter. Fast acht Millionen Menschen in Deutschland sind atypisch beschäftigt. Diese Zahl wäre noch größer, wenn die Statistiker nicht alle, die mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten, zu den Vollzeitbeschäftigten zählen würden.

Teilzeit, Befristung - warum ist das so?

Das hat unterschiedliche Gründe: Zum Beispiel entsprechen Teilzeitstellen oftmals dem Wunsch der Arbeitnehmer weniger zu arbeiten, weil sie sich zum Beispiel um Kinder oder pflegebedürftige Familienangehörige kümmern wollen. Allerdings gab in Umfragen die Hälfte der befragten Teilzeitbeschäftigten an, dass sie gerne mehr arbeiten würde, der Arbeitgeber das aber nicht wolle.

Befristete Arbeitsverträge wurden in den 1980er-Jahren eingeführt, um eine Hemmschwelle für Neueinstellungen abzuschaffen. Es ist aber umstritten, ob dadurch zusätzliche Arbeitsstellen geschaffen wurden. Bei den Neueinstellungen spielen befristete Arbeitsverhältnisse eine große Rolle. Um die 40 Prozent sind hier befristet. Viele Arbeitgeber sehen in dem ersten befristeten Vertrag eine Art verlängerte Probezeit.

Im Zuge der Hartz-Reformen wurde die geringfügige Beschäftigung mit den so genannten Mini-Jobs, bei denen 450 Euro verdient werden dürfen, ausgebaut. Genauso wie die Leiharbeit. Mit beiden Instrumenten wollte man unter anderem den Arbeitgebern mehr Spielraum geben, um bei großer Nachfrage schneller Arbeitnehmer einstellen zu können, aber auch, um sie dann bei weniger Aufträgen schneller loswerden zu können.

Atypisch beschäftigt gleich prekär?

Die atypischen Beschäftigungen darf man nicht automatisch mit einer prekären Situation der Arbeitnehmer gleichsetzen. Manche Arbeitnehmer wollen zum Beispiel nur Teilzeit arbeiten, bekommen als hochspezialisierte Leiharbeiter mehr Gehalt als die Kollegen oder verdienen sich mit einem Mini-Job neben dem Hauptberuf noch etwas hinzu. Aber viele der acht Millionen Menschen würden wahrscheinlich lieber anders arbeiten.

Niedriglohn - ein weiteres Problem

Doch nicht nur unter den atypisch Beschäftigten gibt es prekäre Arbeitsverhältnisse. Auch die Normalarbeitsverhältnisse sind unter Druck geraten. Das größte Problem sind wohl zu geringe Stundenlöhne - egal, ob in einem Normalarbeitsverhältnis oder atypisch beschäftigt. Um diese zu bemessen, ist der so genannte Niedriglohn ein international anerkanntes Maß. In Deutschland sind das zehn Euro brutto oder weniger. Jeder fünfte Beschäftigte hier verdient so wenig. EU-weit liegt Deutschland damit auf einem schlechten zweiten Platz. Nur in Litauen arbeiten anteilig mehr Beschäftigte zu dem dortigen Niedriglohn.

Besonders betroffen sind Frauen: 28 Prozent von ihnen arbeiten für einen Niedriglohn. Bei Männern sind es nur 17 Prozent. Gravierende Unterschiede gibt es auch zwischen West- und Ostdeutschland. In Ostdeutschland arbeiteten im Jahr 2015 mehr als 36 Prozent zu Niedriglöhnen, in Westdeutschland waren es nur gut halb so viel.

Niedriglohn - nicht nur heute ein Problem

Auch wenn in Deutschland die Wirtschaft boomt - nicht alle Arbeitnehmer profitieren davon. Rund acht Millionen Menschen verdienen nur einen Niedriglohn. Und das heißt, dass viele eben nicht nur heute wenig Geld zur Verfügung haben, sondern auch in der Zukunft. Denn die Niedriglöhner von heute sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die armen Rentner von morgen.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 30. August 2017 um 00:50 Uhr.