Landesparteitag in Wahlkampfzeiten - Brandenburger SPD will vor allem mit ihrem Ministerpräsidenten punkten

Fr 12.04.24 | 19:32 Uhr | Von Andreas B. Hewel
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Archivbild: Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, spricht während eines Landesparteitags der SPD Brandenburg am 25.11.2023. (Quelle: picture alliance/Sebastian Gollnow)
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Im Brandenburger Landtagswahlkampf ist die SPD derzeit in der Verfolgerrolle. Die AfD führt nach wie vor die Umfragewerte an. Doch für die Sozialdemokraten geht das Rennen jetzt erst richtig los. Am Samstag wird das Wahlprogramm verabschiedet. Von Andreas B. Hewel

  • Ministerpräsident Woidke unangefochten an der Spitze der SPD
  • Abstand zur AfD in Umfragen schrumpft
  • Wahlprogramm sieht kostenfreie Bildung, höheren Vergabemindestlohn und billigeren Strom vor

22 Prozent wären für die SPD in Brandenburg eigentlich ein Schlag ins Kontor. Doch die 22 Prozent sind kein Wahlergebnis, sondern das Ergebnis des aktuellen rbb BrandenburgTrends aus dieser Woche. Vor allem aber sind die 22 Prozent zwei Prozentpunkte mehr als bei der letzten Umfrage im vergangenen September. Damit liegt man nur noch vier Prozentpunkte hinter der AfD.

SPD setzt auf Zugpferd Dietmar Woidke

SPD-Generalsekretär David Kolesnyk jedenfalls gibt sich kampfeslustig. "Wir müssen den Brandenburgerinnen und Brandenburgern deutlich machen, dass wir die einzigen sind, die die AfD schlagen können, aber vor allen Dingen, dass jede oder jeder, der Dietmar Woidke will, SPD wählen muss."

Im Wahlkampf will sich die SPD damit weniger mit anderen Parteien auseinandersetzen, sondern sich vor allem auf sich selbst konzentrieren und auf ihr Zugpferd, Ministerpräsident Woidke, der seit elf Jahren das Land regiert. 51 Prozent der Wahlberechtigten würden laut Umfrage Woidke wählen, wenn sie den Ministerpräsidenten direkt wählen könnten, mehr als vor fünf Jahren kurz vor der letzten Landtagswahl. Damals konnten die Sozialdemokraten die AfD überholen und wurden stärkste Partei.

"Es zeigt, die Brandenburgerinnen und Brandenburger wollen, dass Dietmar Woidke Ministerpräsident bleibt und dass er gut für dieses Land arbeitet", interpretiert Kolesnyk die Zahlen. "Und es zeigt sich jetzt, wo die Landtagswahl näher rückt, dass sich das langsam auch auf das SPD-Ergebnis niederschlägt."

Partei gibt sich geschlossen

Auf dem Wahlparteitag der Sozialdemokraten am Samstag sorgt das für eine straffe Choreografie. Innerhalb von fünf Stunden will man Woidke zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl wählen und anschließend 83 weitere Kandidatinnen und Kandidaten auf ihren Listenplätzen bestätigen. Ach ja, und ganz nebenbei wird noch das gesamte Wahlprogramm verabschiedet. Mehr Einigkeit geht nicht. Streit will sich die SPD derzeit nicht leisten, jedenfalls keinen grundlegenden. Dazu ist das Rennen, wer stärkste Partei wird im Land, zu hart.

Wirtschaft, Gemeinschaft, Sicherheit sind die großen Themenbereiche, mit denen die SPD in den Wahlkampf geht. So will die SPD vor allem die Ansiedlung neuer Industriebetriebe im Land fördern. Unterstützung soll es auch für Modernisierungen und den klimaneutralen Umbau geben. Auch soll die Zahl der 250.000 Menschen, die hierzulande nur auf Mindestlohnniveau arbeiten, gesenkt werden.

Außerdem wollen die Sozialdemokraten den Vergabemindestlohn von 13 Euro auf 15 Euro in der Stunde erhöhen, also den Lohn, den Unternehmen zahlen müssen, wenn sie Aufträge der öffentlichen Hand erhalten wollen. Zudem sollen nach dem Willen der SPD auch Azubis wie Studierende in Zukunft das günstige Deutschlandticket erhalten.

SPD will vollständig kostenfreie Bildung

Familien will die SPD unter anderem dadurch entlasten, dass sie alle verbliebenen Elternbeiträge für Krippe und Hort abschaffen will. Ziel sei eine vollständig kostenfreie Bildung im Land. In der Hochschulbildung wird besonders der Aufbau der Universitätsmedizin in Cottbus eine große Rolle spielen. Mit jährlich über hundert Millionen Euro, so der Generalsekretär, würde die Einrichtung und der Betrieb für die kommenden Jahre vom Land unterstützt.

Auch mit regenerativer Energie soll die SPD punkten, hofft David Kolesnyk. Vor allem will die SPD dafür sorgen, dass der hohe Grad an Windenergieerzeugung im Land auch den Brandenburgerinnen und Brandenburgern finanziell zugutekommt. Gemeint sind die hohen Netzentgelte, die die Brandenburger als Region für erneuerbare Energien besonders belasten. Auf eine Änderung auf Bundesebene dränge hier die SPD. Damit könnten die Netzentgelte in Brandenburg pro Jahr um über 200 Millionen Euro sinken. Zudem solle auch Unternehmen ermöglicht werden, direkte Verträge mit Wind- oder Solarparks schließen zu können. Diese könnten so direkt den deutlich billigeren Strom aus Wind und Sonne bekommen.

Neben dem eigenen guten Abschneiden hofft die SPD vor allem auf eine hohe Wahlbeteiligung. Bei 61,3 Prozent lag sie bei der Landtagswahl vor fünf Jahren. Bei den Bundestagswahlen 2021 gingen dagegen 75,6 Prozent der Wahlberechtigten in Brandenburg an die Urnen, die zweithöchste Wahlbeteiligung in Brandenburg überhaupt. Diesen Trend wünscht sich Kolesnyk auch für die Landtagswahlen in diesem Jahr. Eine Beteiligung von über 70 Prozent wäre sein Wunsch, räumt er ein. Das wäre auch ein gutes Zeichen für die Demokratie.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 13.04.2024, 19:30 Uhr

Beitrag von Andreas B. Hewel

27 Kommentare

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  1. 27.

    "..….und nicht alles nur Opas! Ihre Ansicht!
    Ich vermute, da wird nur an Herren gedacht und nicht an Frauen. Oder irre ich mich?
    Es sind viele Frauen(Ministerinnen)in der Politik. Sollten sie bis ins Alter aktiv sein, was wohl die jüngeren Leute dann über sie sagen? Jeder von ihnen, kann (sorry)politisch auch Mist machen. Perfekt zu sein schafft kein Mann, keine Frau im Laufe ihrer Politik - Arbeit. Die Zeitenwende zeigt uns, wie schnell Meinungen in der Politik sich verändern, wechseln, wie bei den Grünen. Später werden bestimmt manche Wähler sagen:"... und nicht alles nur Omi's! Bei der Politik spielt Omas und Opas keine Rolle, wenn sie gut ihren Job machen, noch im Alter. Sie arbeiten mit Erfahrungen im Leben, die kein junger Politiker vorweisen kann. Das Jung und Alt soll verbinden, nicht trennen. Ich nenne es, humane Demokratie für jedes Alter!

  2. 25.

    Arbeitsplätze, Wir schaffen Arbeitsplätze, egal was dabei zu Grunde geht, die Hauptsache Arbeitsplätze..

  3. 24.

    Es gibt genug Parteien, aber Rechtsextremismus sollte, nein, muss für jeden demokratisch eingestellten Menschen ein Ausschlusskriterium sein.

  4. 23.

    Blickt man auf die historischen Wahlergebnisse in Brandenburg, lässt sich in den Wahlen seit 2014 ein Trend beobachten: Woidkes SPD verlor jede Wahl an Stimmen, die AfD gewann dazu.

  5. 22.

    Mit MP Woidke punkten? 2019 hatte die SPD noch 26 %. Aktuelle Umfragen liegen um die 20 %.

  6. 21.

    Tja das ist das Problem, AfD und die jetzigen Regierungsvertreter die Brandenburg verschaukeln, nicht zu wählen, wer bleibt da noch übrig?

  7. 20.

    Das stimmt die kleben alle an Ihren Stühle fest ,der Woitke kann sich zur Ruhe setzen. Und im allgemein können auch mal jüngere das Zepta über nehmen und nicht alles nur Opas .

  8. 19.

    Wenn ich das lese was die SPD Woitke machen will, dan muss ich mal sagen das es die AFD alles selber machen wollte. Jetzt stellen sie das so hin als würde das alles von der SPD kommen .

  9. 18.

    Dann wählen Sie also schon mal nicht die afd. Finde ich gut.

  10. 17.

    Hää? In meinem Kommentar steht: Einer sagte mir! Das bedeutet, daß es nicht meine Position ist, sondern mir so erzählt wurde. Sicher ist die AfD unsozial. Für mich ist ein Land sozial, wenn es seine Alten Menschen gut behandelt, bzw. gut leben lässt. Da sind die Österreicher Schweizer, Schweden oder Holländer nah dran, aber nicht perfekt. Auch in Schweden gibt es Altersarmut.

  11. 16.

    Er kann nicht ewig weiter machen, wer wäre Nummer Zwo in der SPD Bb?

  12. 15.

    Äh, entschuldigen Sie, aber Sie kennen nicht das Programm der afd? Dieses würde für eine drastische Zunahme der Altersarmut sorgen und die Umverteilung von arm zu reich verstärken. Die afd ist alles andere als sozial. Könnten Sie wissen...

  13. 14.

    Ich werde ihnen nicht wieder sprechen
    Ich habe gelernt und werde mein Wahlverhalten anpassen.

  14. 13.

    Nee, sorry. Die Zahl der Tafelgänger steigt. Ja. Das jede Woche in Deutschland Hunderttausende Menschen bei den Tafeln um Essen betteln, zeigt nur ,wie weit der Staat sich aus der Verantwortung stiehlt, seine Bürger angemessen zu versorgen. Der Anstieg der zu Versorgenden bei den Tafeln hat nicht nur mit Geflüchteten zu tun. Armutslöhne/Renten etc. Solange man die Schmarotzer (Nieten in Nadelstreifen und Steuervermeider) hofiert, werden wir ein sozial ungerechtes Land sein.

  15. 12.

    Ich wünsche mit als nächsten MinisterpräsidentenJörg Steinbach, unseren aktuellen Wirtschaftsminister.
    fundiertes Wissen, sachlich imAuftreten und in Diskussionen mit den Bürgern, ehrlich in seiner Meinung und durchsetzungsstark. Das sind für mich wichtige Gründe. Die Parteizugehörigkeit ist für mich nachrangig. Wir wollen und müssen höre ich immer,auch von der Bundesregierung, das nerft zunehmend, wenn nichts Positives hinten rauskommt.

  16. 11.

    Die Zahl der Tafelgänger steigt, immer mehr auch alte Menschen stehen dort bei Wind und Wetter .
    Daher auch ein Dank an diese Landesregierung.
    Na wenigstens sind die Bezüge ja ordentlich gestiegen

  17. 9.

    Ein Parteiengänger wie er im Buche steht.
    Ohne jedwedes Charisma und Persönlichkeit, ohne Ausstrahlung, was begeistern könnte.
    Solche farblosen Parteiengänger bringen die SPD noch mehr in den Keller, bei den anstehenden Wahlen und -umfragen.

  18. 8.

    Volle Zustimmung. Und in der gesundheitsgefährdeten Zeit hat er selbstherrlich Verbote erlassen bzw. mitgetragen, kritiklos war er voreilender Erfüllunsgehilfe der Bundesregierung gegen geltende Rechte und der Aushebelung des Grundgesetzes.

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