Demonstranten mit Bildern von Khashoggi

Fall Khashoggi Zahlreiche Fake-Fotos im Umlauf

Stand: 06.11.2018 16:19 Uhr

Nach dem Mord an dem Journalisten Khashoggi kursieren in sozialen Medien zahlreiche falsche Fotos. Diese sollen den Leichnam zeigen, stammen aber beispielsweise von einem Anschlag in Ägypten.

Von Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Der Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi sorgt seit Wochen weltweit für Aufsehen, Entsetzen und auch Spekulationen. Die Umstände des Todes bleiben rätselhaft.

Vor rund einem Monat war der Journalist im saudischen Konsulat in Istanbul getötet worden. Seitdem fehlt vom Leichnam jede Spur. Khashoggis Söhne fordern nun die Herausgabe der sterblichen Überreste. Saudi-Arabien steht in der Affäre international massiv in der Kritik. Nach Darstellung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wurde der Mord von höchster Stelle der saudischen Führung angeordnet.

Der Fall Khashoggi bietet somit viel Raum für Spekulationen, die im Netz massenhaft kursieren. Mal ist es der israelische Geheimdienst Mossad, der hinter dem Mord steckt, mal soll es sich um ein Komplott handeln, um Saudi-Arabien zu schaden.

Falsche Bilder im Umlauf

Neben solchen Spekulationen werden Bilder verbreitet, die den Leichnam von Khashoggi zeigen sollen. Diese Aufnahmen werden unter anderem über WhatsApp verschickt - auch in Deutschland. Der tagesschau wurden bereits mehrfach solche Bilder gesendet. Eine Prüfung zeigt aber: Sie zeigen nicht Khashoggis Leiche.

Einige dieser Bilder, die einzelne Gliedmaßen auf Plastiksäcken zeigen, stammen nicht aus Istanbul, sondern von einem Anschlag in Ägypten im August 2017. Andere Bilder, auf denen ein abgetrenntes Gesicht zu sehen ist, waren bereits im vergangenen Jahr aufgetaucht und sollen ein Opfer eines mexikanischen Drogenkartells zeigen. Ob dies zutreffend ist, bleibt unklar. Eindeutig ist aber: Es handelt sich nicht um Khashoggi, da die Bilder bereits vor der Tötung veröffentlicht worden waren.

Video-Aufnahme von saudischer Botschaft

Ebenfalls angeboten wurde der tagesschau ein Video, das Männer zeigt, die vor der saudischen Botschaft in Istanbul angeblich den Leichnam von Khashoggi in Koffer wegbringen. Tatsächlich scheinen die Bilder vor der Botschaft aufgenommen worden zu sein. Man sieht zudem, wie Männer Koffer in und aus der Botschaft tragen.

saudi-arabische Botschaft in Istanbul

Die saudi-arabische Botschaft in Istanbul: Hier wurde der Journalist Jamal Khashoggi am 2. Oktober getötet.

Es gibt aber überhaupt keine Hinweise darauf, dass hier ein Leichnam abtransportiert wird. Weder ist der Zeitpunkt der Aufnahme ersichtlich, noch ist klar, warum ausgerechnet diese Szenen gefilmt worden sein sollten.

Netzwerk von Fake-Seiten

Im Netz ist im Fall Khashoggi seit Wochen ein Informationskrieg zu beobachten. So berichtete beispielsweise die arabische Website alawatanews.com, der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman sei wegen der internationalen Kritik von der Macht verdrängt worden. Als vermeintlicher Beweis diente eine Ankündigung, die aber bereits deutlich älter ist und sich auf einen ehemaligen Kronprinzen bezog.

Nicht nur die Geschichte an sich, sondern die gesamte Webseite ist gefälscht, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Alawatanews.com ist demnach Teil eines Netzwerks von mehr als 50 Websites, die als authentische arabisch-sprachige Nachrichtenverteiler falsche Informationen über die saudische Regierung verbreiteten. Nachdem die falschen Nachrichtenartikel veröffentlicht worden waren, verbreiteten automatisierte Konten diese weiter auf Twitter.

Gleichzeitig benutzten einflussreiche saudische Twitter-Accounts sowie automatisierte Konten Schlagworte wie "Qatari intelligence kills Khashoggi". Die Behauptung: Mit Unterstützung von Katar habe es eine Verschwörung gegeben, um Khashoggi zu töten. Dieser Mord sollte dann benutzt werden, um Saudi-Arabien unter Druck zu setzen.

Jamal Khashoggi

Jamal Khashoggi wurde Anfang Oktober getötet.

Türkei fordert Antworten

Die Türkei forderte Saudi-Arabien derzeit dazu auf, bei den Ermittlungen zu kooperieren. Riad habe in dem Fall noch immer keine Antworten auf die drängendsten Fragen geliefert, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Die Saudis müssten die Leiche finden und mutmaßliche Mittäter an die Türkei übergeben.