Blick aus einer neuen Gondel in Richtung Bergstation Klein Matterhorn vor der offiziellen Eröffnung der neuen Seilbahn "Matterhorn Glacier Ride II"

Blick aufs Matterhorn "Höchste Alpenüberquerung" per Seilbahn eröffnet

Stand: 01.07.2023 17:30 Uhr

Eine neue Gondelbahn in fast 4000 Metern Höhe vollendet die Verbindung zwischen der Schweiz und Italien. Die Tour war bislang nur auf Skiern möglich. Der Betreiber verspricht Luxus - Kritiker fürchten "Overtourism".

Jubel in den Bergen über Zermatt bei der offiziellen Eröffnung der neuen Gondelbahn: "Matterhorn Glacier Ride II" hat das Zermatter Bergbahnunternehmen die spektakuläre Verbindung genannt. Von der Bergstation Klein Matterhorn auf mehr als 3800 Metern Höhe geht es hinab zur Testa Grigia in Italien. Der Betreiber spricht von der "höchsten durchgehenden Alpenüberquerung per Seilbahn".

Und zwar in "Premiumgondeln mit Design-Anspruch" dekoriert mit "Tausenden leuchtenden Kristallen" und mit "bequemen, vom Automobil-Design inspirierten Sitzen", werben die Zermatter Bergbahnen. Eine spektakuläre Nahsicht auf das Matterhorn ist inklusive.

Auch der Preis ist spektakulär: 240 Franken - umgerechnet rund 246 Euro - kostet die komplette Hin- und Rückfahrt von Zermatt in der Schweiz nach Cervinia in Italien. Die Zielgruppe seien wohlhabende Schweizer und internationale Touristen, erklärte Franz Julen, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Zermatt, im Schweizer Sender SRF. 

Tour bislang Skifahrern vorbehalten

Sie könnten einen Tag nach Cervinia gehen, Biken, Einkaufen, Golf spielen und die herrliche Bergwelt sehen, so Julen. "Wir sind überzeugt, dass wir viele Ausflugsgäste aus Italien haben werden. Metropolen wie Mailand, Torino sind sehr nahe. Und das dritte Segment sind asiatische und amerikanische Gäste sowie Gäste aus dem Mittleren Osten." 

In der neuen Luxus-Seilbahn können die Gäste aus aller Welt nun also in nur vier Minuten 1,6 Kilometer über den Theodulgletscher schweben - eine hochalpine Tour, die bislang nur auf Skiern möglich war.   

Kritik an Seilbahn

Nicht alle im Kanton Wallis finden das toll. Von einer "Disneylandisierung" der Alpen ist die Rede. Wenn Touristen jetzt "in Sandalen" am Matterhorn vorbeifahren könnten, habe das mit echtem Bergtourismus kaum mehr etwas zu tun, kritisiert etwa der Grünen-Politiker Christophe Clivaz.

Er fürchtet außerdem, dass noch mehr Gäste im ohnehin schon gut besuchten Zermatt zu "Overtourism" führen könnten: zu viel Tourismus also, ähnlich wie zum Beispiel in Venedig.

Unternehmen spricht von Luxustourismus

Die verantwortlichen Manager in Zermatt widersprechen: Sie wollen Luxustourismus, keinen Massentourismus. "Zermatt steht seit vielen Jahren für Qualität, Service und einen entsprechenden Preis. Wir werden weiterhin keinen Massentourismus betreiben. Das sind wir der Marke Zermatt schuldig", so Julen weiter.  

Ein bisschen günstiger als die Fahrt mit der neuen Luxus-Seilbahn ist in Zermatt übrigens ein 20-minütiger Helikopterrundflug ums Matterhorn. Den gibt es schon für 220 Franken - umgerechnet rund 225 Euro.

In einer ersten Version waren die Zitate im Artikel Markus Hasler, dem CEO der Bergbahnen Zermatt, zugeordnet worden. Sie stammen jedoch von Franz Julen, dem Verwaltungsratspräsidenten der Bergbahnen Zermatt. Wir haben den Text entsprechend korrigiert. 

Mehr zum Hintergrund dieser und anderer Korrekturen finden Sie hier: tagesschau.de/korrekturen
Kathrin Hondl, ARD Genf, tagesschau, 01.07.2023 17:13 Uhr

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Juli 2023 um 13:25 Uhr.