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EU-Kommission präsentiert Energiespar-Programm Mit Öko-Siegeln mehr Energie sparen

Stand: 13.11.2008 15:40 Uhr

Die Europäische Kommission will mit einem neuen Vorstoß gegen übermäßigen Energieverbrauch vorgehen. Sie legte Pläne für Gebäude, Elektrogeräte und Autoreifen vor, und will mittelfristig auch die bestehenden Regeln für die Einstufung des Stromverbrauchs von Kühlschränken, Fernsehern, Waschmaschinen und anderen Haushaltsgeräten verschärfen. Die neuen Pläne sollen helfen, die geplante Senkung des europäischen Energieverbrauchs um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 trotz absehbarer Probleme noch zu erreichen.

Möglichkeiten werden nicht ausgeschöpft

"Wir schöpfen die Möglichkeiten des Energiesparens nicht aus", stellte die Kommission fest. Eine erste Bewertung der bisherigen Sparansätze habe gezeigt, "dass die EU und die Mitgliedstaaten nicht gut genug abschneiden". Selbst wenn alle bisher beschlossenen EU- Maßnahmen von allen 27 Mitgliedstaaten korrekt umgesetzt würden, sinke der Energieverbrauch nur um 13 Prozent. Das reiche bei weitem nicht, betonte die EU-Behörde.

40 Prozent des europäischen Energieverbrauchs gehen nach Brüsseler Angaben auf Wohn- und Bürogebäude zurück. Davon ließen sich 30 Prozent kostengünstig einsparen. Anhand mehrerer Beispiele für ältere Häuser rechnete die Kommission vor, dass von Hausbesitzern und Bewohner davon profitieren könnten. Brüssel will Energie-Zertifikate für Gebäude einführen, um das Bewusstsein dafür zu stärken. Außerdem sollen regelmäßige Kontrollen von Heizkesseln und Klimaanlagen EU-weit vorgeschrieben werden.

Effizienzstufen für alle Geräte

Die erfolgreiche Einstufung von Haushaltsgeräten in mehr oder weniger sparsame Apparate soll auf kommerziell genutzte Modelle übertragen werden. Auch der Stromverbrauch von Kühltruhen für Supermärkte oder Waschmaschinen für Großreinigungen wäre so leichter vergleichbar. Unabhängig davon arbeitet die Kommission an strengeren Einstufungsregeln. Ein Geschirrspüler, der derzeit mit der Energieeiffizienzstufe "A" verkauft wird, könnte künftig nur noch "D" oder "E" sein. Das soll einen neuen Anreiz zur Entwicklung sparsamerer Geräte geben.

Auch für Autoreifen schlagen die Brüsseler ein vergleichbares Stufensystem vor. Öko-Etiketten für Autoreifen sollen ab Ende 2010 europaweit zur Pflicht werden. Ein Reifen der geplanten Kategorie "A" spare durch einen geringeren Rollwiderstand neun Prozent Sprit verglichen mit einem der Gruppe "F", argumentieren EU-Experten. Das System solle auch für Lastwagenreifen gelten. Runderneuerte Reifen würden wegen der teuren Tests aber ausgenommen, obwohl sie bei Lastwagen etwa die Hälfte des Marktes ausmachten. Den EU-Richtlinienplänen müssen noch die EU-Staaten sowie das Europaparlament zustimmen.

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Ab 2010 soll es auch Öko-Etiketten für Autoreifen geben.

Unabhängigkeit von Importen

Durch die stärkere Einsparung von Energie soll die Abhängigkeit der EU von Öl- und Gas-Importen verringert werden. "Wir müssen den Teufelskreis steigenden Energieverbrauchs und zunehmender Importe durchbrechen", forderte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Mehr als 50 Prozent der in Europa verbrauchten Energie müssten schon heute importiert werden. Um die Abhängigkeit Europas von seinem wichtigsten Energielieferanten Russland zu verringern, will die Kommission Verbindungen zu anderen Rohstofflieferanten voranbringen, wie etwa die geplante Nabucco-Pipeline, die von der Türkei nach Österreich laufen soll.

Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass die EU große Probleme hat, ihr Ziel einer Energieeinsparung von 20 Prozent bis zum Jahr 2020 einzuhalten. Angesichts der Zahlen von zwölf bis 15 Prozent Einsparung sagten Kritiker, die Kommission wolle Bürger und Politiker offenbar in die Irre führen. Der Energiefachmann Claude Turmes von den Grünen sprach von "manipulierten Daten, um Atom und Kohle besser dastehen zu lassen". Nach Berechnungen der Grünen müsste der Anteil von Atom und Kohle eigentlich stark zurückgehen, wenn die EU wie geplant den Anteil erneuerbarer Energien wie Wind und Sonne bis 2020 auf 20 Prozent erhöhe. Tatsächlich sehe der Kommissionsentwurf aber weiterhin einen hohen Anteil der beiden Energieformen am europäischen Gesamtverbrauch vor.