Bergungsarbeiten auf dem Gelände des eingestürzten Fabrikgebäudes bei Dhaka

Bericht zum Fabrikeinsturz in Bangladesch Ein vernichtendes Ergebnis

Stand: 23.05.2013 16:05 Uhr

Grobe Fahrlässigkeit ist der Hauptgrund für den Fabrikeinsturz in Bangladesch mit mehr als 1000 Toten. Zu diesem Ergebnis kommt der 400 Seiten starke Bericht der Untersuchungskommission. Die Verantwortlichen sitzen inzwischen in Haft. Ihnen droht eine lebenslange Haftstrafe.

Sandra Petersmann

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Die von der Regierung eingesetzte Untersuchungskommission empfiehlt lebenslange Haftstrafen für den Besitzer des Unglücksgebäudes und für die Besitzer der Textilfabriken, die im Rana Plaza untergebracht waren. Sie sollen ihre Belegschaften am Unglückstag vor einem Monat zur Arbeit gezwungen haben, obwohl schon am Vortag Risse in dem Hochhaus aufgetaucht waren.

Minderwertiges Baumaterial

Der Bericht der offiziellen Untersuchungskommission ist 400 Seiten lang und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis. Danach ist der Hauptgrund für die Katastrophe grobe Fahrlässigkeit. Für den Bau des zusammengestürzten Hauses sei extrem minderwertiges Material verwendet worden. Außerdem sei das Bauland nicht für ein mehrgeschossiges Fabrikgebäude geeignet gewesen. Der Besitzer des Rana Plaza, weitere Angehörige seiner Familie, die Fabrikbesitzer und Behördenvertreter, die das Gebäude trotz der Risse angeblich für sicher erklärt hatten, sitzen inzwischen in Haft.

Bergungsarbeiten auf dem Gelände des eingestürzten Fabrikgebäudes bei Dhaka

Bergungsarbeiten auf dem Gelände des eingestürzten Fabrikgebäudes bei Dhaka

Das Unglück vom 24. April gehört zu den schlimmsten Industrieunfällen der Welt. Durch den Einsturz in einem Vorort von Dhaka waren mehr als 1100 Menschen ums Leben gekommen und fast 2500 verletzt worden.

Ruf nach mehr Sicherheit

Bangladesch ist der zweitgrößte Textilexporteur der Welt. Rund 60 Prozent der Exporte gehen nach Europa. Auf Grund des großen öffentlichen Drucks wollen führende Handelskonzerne der Textilbranche nun für bessere Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferbetrieben sorgen, darunter Aldi, Tchibo, H&M, C&A und Benetton. Auch heute blieben wieder rund 100 Textilfabriken in Bangladesch geschlossen, weil viele Arbeiter weiter für höhere Löhne und mehr Sicherheit streiken.  

Shirts "Made in Bangladesch" auf einem Kleidungsständer

Ein Großteil der Textilexporte aus Bangladesch geht nach Europa.

   

Bilderstrecke

Fabrikeinsturz in Bangladesch (24.04.2013)

Dieser Beitrag lief am 23. Mai 2013 um 17:04 Uhr auf InfoRadio.