Gedenkfeier auf Bali

Gedenken zehn Jahre nach dem Anschlag auf Bali "Ein Tag von Wut und Hass - aber auch von Vergebung"

Stand: 12.10.2012 09:41 Uhr

Zehn Jahre nach dem Anschlag auf Bali mit Hunderten Toten haben Hinterbliebene und Überlebende der Opfer gedacht. Australiens Premier Gillard sagte, die Terroristen hätten die Werte der Menschen treffen wollen - doch dies sei ihnen nicht gelungen. Unter den Toten waren viele Australier.

Udo Schmidt ARD-Studio Singapur

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Bei strahlendem Sonnenschein kamen hunderte Überlebende der Anschläge vom 12. Oktober 2002 sowie viele Angehörige der Toten nahe Kuta zusammen. In Kuta hatten zwei Sprengstoffexplosionen vor Nachtclubs 202 Menschen getötet und mehr als 200 schwer verletzt. Unter den Toten waren 88 Australier, 38 Indonesier und auch sechs deutsche Urlauber.

"Sie wollten unsere Werte treffen"

Eine der ersten Rednerinnen bei der Gedenkfeier war Australiens Premierministerin Julia Gillard: "Hier in Bali haben die Terroristen unsere Menschen angegriffen, aber sie haben vor allem unsere Werte treffen wollen." Dies jedoch hätten sie nicht erreicht.

"Die Menschen hier, Australier und Indonesier, haben sich die Hand gereicht, alle Anstrengungen, die möglich waren, wurden unternommen, um den Opfer zu helfen und die Täter zu finden." Die Beziehungen zwischen Indonesien und Australien seien so eng wie nie zuvor, fügte sie hinzu.

Gedenkfeier auf Bali

Die Hinterbliebenen erinnern an die Opfer.

Julia Gillard

Australiens Premier Gillard spricht von einem "Tag widerstrebender Gefühle".

Kurz nach 23 Uhr war am 12. Oktopber 2002 ein Sprengsatz in Paddys Bar an der Partymeile von Kuta explodiert, wenig später erschütterte eine weitere Explosion den Sari-Club. Augenzeugen sprechen von umherirrenden Menschen und Toten, die überall liegen: "Das ist riesiges Schlachtfeld und erschreckend. Es ist wie letztes Jahr in New York."

Danny Hanley verlor zwei Töchter bei den Attentaten vor zehn Jahren: "Ich ging mit meiner ältesten Tochter zur Tür des Sari-Clubs, als die Bombe explodierte. Meine älteste Tochter war eine der ersten Toten, meine jüngste Tochter war bereits im Club, sie verlor als letzte Australierin ihr Leben, nach 58 Tagen in einem Krankenhaus in Perth."

Zehn Jahre später haben viele Angehörige den Verlust noch immer nicht verwunden. Susan O'Donnells Tochter starb auf Bali: "Manchmal wirkt es, als wenn es 100 Jahre her wäre, dann wieder, als sei das erst in der vergangenen Woche geschehen."

Anschlag in Bali

Bei dem Anschlag im Jahr 2002 wurden mehr als 200 Menschen getötet.

Indonesien geht gegen Attentäter vor

Verantwortlich für die Anschläge von 2002 ist die Terrorgruppe Jemaah Islamyiah, der die indonesische Polizei inzwischen entscheidende Schläge zugefügt hat. Ihr geistiger Führer, Abu Bakar Bashir, sowie der Bombenbauer Umar Patek sitzen im Gefängnis, mehrere Mitglieder des Führungszirkels wurden erschossen. Seit 2009 ereigneten sich in Indonesien keine schweren Anschläge mehr. 2000 Polizisten und Soldaten sind heute auf Bali im Einsatz. Es gab Hinweise auf ein geplantes Attentat auf die Gedenkveranstaltung.

"Das ist ein Tag der widerstrebenden Gefühle, von Wut und Hass, aber auch von Vergebung und Versöhnung, der Tag der Narben und der noch nicht verheilten Wunden, sagte Australiens Premier Gilliard am Strand von Jimbaran nahe Kuta.

Dieser Beitrag lief am 12. Oktober 2012 um 08:33 Uhr auf Deutschlandradio Kultur