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Experte zum Angriff auf Israel "Iran hat nicht sein volles Potenzial eingesetzt"

Stand: 14.04.2024 17:07 Uhr

Kein Scheinangriff - aber der Iran sei bei seinem Angriff auf Israel vergleichsweise zurückhaltend gewesen, sagt der Sicherheitsexperte Masala im Interview. Wie der Konflikt weitergeht, hänge von Israel ab.

Die Lage im Nahen Osten ist mit dem Drohnenangriff des Iran auf Israel weiter eskaliert. Aber es gebe auch Zeichen, die darauf hindeuteten, dass der Iran keine weitere Eskalation möchte, analysiert der Sicherheitsexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Carlo Masala, Sicherheitsexperte Universität der Bundeswehr München, zum iranischen Angriff auf Israel

tagesschau24, 14.04.2024 14:00 Uhr

Iran hat militärische Kraft nur begrenzt eingesetzt

Die Gefahr eines Flächenbrandes sei in der Region nicht sehr hoch, sagte Masala weiter. Der Iran habe ganz klar kommuniziert, dass es die Angelegenheit mit diesem Angriff für erledigt ansieht.

Zudem habe der Iran bei dem Angriff nicht all seine militärische Kraft aufgefahren. "Der Iran hat nicht sein schweres Potenzial eingesetzt, um massive Schäden in Israel herbeizuführen", sagte Masala. Das Land habe zwar mit vielen Drohnen angegriffen, dennoch sei der Einsatz sehr begrenzt gewesen. Israel hätte zusammen mit seinen Verbündeten viele Drohnen bereits abschießen können, bevor sie in den israelischen Luftraum eindringen konnten.

Die These, der Iran habe den Angriff so angelegt, dass Israel ihn nahezu vollständig abwehren konnte, hält Masala laut eigenen Worten dennoch für falsch: "Natürlich wollte der Iran etwas treffen, aber er hat halt nicht das wirklich schwere Arsenal eingesetzt, was er zur Verfügung hat, um hohe zivile Verluste in Israel herbeizuführen."

Iran will Eingreifen der USA vermeiden

Die Aufforderung des Iran an die USA, sich aus dem Konflikt herauszuhalten, wertet Masala zudem als Zeichen dafür, dass die iranische Führung ein Einschreiten der USA unter allen Umständen verhindern will: "Das zeigt, dass sich der Iran bewusst ist, dass er einen massiven Gegenschlag seitens Israel und seitens der Amerikaner als Regime nicht überleben würde."

Für den weiteren Verlauf des Konfliktes komme es nun darauf an, wie Israel auf die Attacke reagiere und ob es beschließe, Gegenschläge auf iranisches Territorium durchzuführen. "Das wäre dann in der Tat eine Ausweitung des Konfliktes in der Region", sagte Masala.

Israel habe mehrere Möglichkeiten zu reagieren. Denkbar seien neben direkten Vergeltungsschlägen auf iranisches Territorium auch verdeckte Operationen gegen iranische Einrichtungen und Funktionäre.

Einfluss der USA auf Israel besonders groß

Ein weiterer Faktor seien die verbündeten Staaten. Der Einfluss der USA etwa sei in dem Konflikt sehr groß. "Israel braucht die Vereinigten Staaten zumindest als politische Unterstützung." Deswegen sei Israel im Krieg gegen die Hamas auch immer wieder auf US-Bedenken eingegangen. Er rechne damit, dass die USA und andere Verbündete auf Israel einwirken werden, dass es keine direkten Gegenschläge verübt.

Einen Weg für eine diplomatische Lösung sieht Masala laut eigenen Worten aber nicht: "Es gibt zwischen dem Iran und Israel keine diplomatische Lösung." Der Angriff des Irans könne nicht diplomatisch beigelegt werden.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. April 2024 um 14:00 Uhr.