Joe Biden  | AP

Biden nach den Midterms Konkurrenz für den alternden Präsidenten

Stand: 12.11.2022 11:42 Uhr

US-Präsident Biden gibt sich nach den Zwischenwahlen selbstbewusst. Er will 2024 wieder kandidieren, zum Missfallen vieler Demokraten. In seiner Partei stehen auch andere in den Startlöchern.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

"Meine Absicht ist es, wieder zu kandidieren. Aber ich habe großen Respekt vor dem Schicksal. Und dies ist letztlich eine Familienentscheidung", sagte Präsident Joe Biden am Tag nach der Kongresswahl mit Blick auf eine erneute Kandidatur 2024. Die endgültige Entscheidung wolle er Anfang nächsten Jahres treffen.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Keine Frage - das unerwartet gute Abschneiden der Demokraten bei den Midterms gibt Biden Auftrieb. Auf die Frage eines Reporters, was er künftig - als nächster Präsident - anders machen würde, sagte Biden selbstbewusst: Nichts. "Weil die Wähler gerade erst herausfinden was wir alles tun. Je mehr sie darüber wissen, desto mehr Unterstützung werden wir bekommen."

Das sieht so mancher Parteifreund etwas anders. Noch in diesem Monat wird Joe Biden 80 Jahre alt. Schon beim Amtsantritt war er der älteste US-Präsident aller Zeiten. Laut Umfragen sind rund 60 Prozent der Demokraten dagegen, dass er nochmal kandidiert.

Wer könnte es mit den Republikanern aufnehmen?

Zu alt, zu gebrechlich, zu wenig dynamisch - so ihre Kritik. Doch wer aus den Reihen der Demokraten hat das Zeug, einem republikanischen Kontrahenten wie Donald Trump oder Ron DeSantis die Stirn zu bieten? Die Liste der möglichen Kandidaten ist lang.

Im Gespräch sind etwa der Gouverneur von Kalifornien Gavin Newsom, Gretchen Whitmer aus Michigan oder Verkehrsminister Pete Buttigieg. Er war schon 2020 mit in der Vorauswahl, genau wie die Senatorin Amy Klobuchar, die sich nach der Kongresswahl bei CBS schon mal in Position brachte. "Um Inflation entgegenzuwirken, müssen wir weiterarbeiten - an der Weiterbildung von Arbeitskräften, an Lieferkettenproblemen, der Reduzierung von Transportkosten, Medikamentenpreisen, Wohnraum, Kinderbetreuung, anstatt Steuersenkungen für Reiche einzuführen, was der Plan der Republikaner war", so Klobuchar.

Auch Harris wird als Kandidatin gehandelt

Etwas heikler wäre eine Kandidatur von Vizepräsidentin Kamala Harris. Bidens Stellvertreterin wäre seine natürliche Nachfolgerin. Schon im Wahlkampf wurde sie immer als solche gehandelt. In den vergangenen zwei Jahren blieb sie allerdings farblos, konnte sich nicht wirklich überzeugend positionieren. Ob sie sich aus dem Rennen um die Präsidentschaft heraushalten kann, ohne ihr Gesicht zu verlieren, ist fraglich.

Präsident Biden ist in den nächsten Tagen auf der Weltbühne unterwegs. Er tut, was er am besten kann: mit internationalen Partnern Bündnisse zementieren. Der Präsident starte in diese Reise mit Rückenwind, so Bidens sicherheitspolitischer Berater Jake Sullivan: "Wir glauben, wir sind in einer starken Position um Wettbewerb zu steuern, und um mit unseren Partnern zusammenzuarbeiten, um die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern."

Nach der Klimakonferenz in Sharm El-Sheikh reist Biden erst weiter zum Asean-Gipfel nach Kambodscha, dann zum G20-Gipfel nach Bali. Von mangelndem Elan ist zumindest bis jetzt noch nichts zu bemerken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. November 2022 um 15:43 Uhr.