Das Nobelpreiskomitee ehrt Alain Aspect, John F. Clauser und Anton Zeilinger | AFP

Physik-Nobelpreis Auszeichnung für drei Quantenforscher

Stand: 04.10.2022 13:49 Uhr

Der Physik-Nobelpreis geht an den Franzosen Alain Aspect, den US-Amerikaner John F. Clauser und den Österreicher Anton Zeilinger. Alle drei würden für ihre Arbeiten zur Kraft der Quantenmechanik geehrt, so das zuständige Gremium.

Einen Tag nach Bekanntgabe des diesjährigen Medizin-Nobelpreisträgers hat die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm die Preisträger auf dem Gebiet der Physik bekanntgegeben. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an den Franzosen Alain Aspect, den US-Amerikaner John F. Clauser und den Österreicher Anton Zeilinger für Forschung auf dem Gebiet der Quantenphysik.

Die Forscher hätten bahnbrechende Experimente mit verschränkten Quantenzuständen durchgeführt, bei denen sich zwei Teilchen wie eine Einheit verhalten, auch wenn sie getrennt sind. Die Ergebnisse hätten den Weg geebnet für neue, auf Quanteninformation basierende Technologien.

"Es ist ein sehr positiver Schock"

Aspect, Clauser und Zeilinger hätten die Quanteninformation vorangebracht, sagte Nobelkomitee-Mitglied Eva Olsson. Diese sei ein dynamisches Wissenschaftsfeld, das weitreichende Auswirkungen auf Bereiche wie sichere Informationsübertragung, Quanteninformatik und Sensortechnik habe. "Ihre Vorhersagen haben die Türen zu einer anderen Welt geöffnet und zugleich die Grundlagen unserer Interpretationen von Messungen erschüttert", sagte Olsson.

Clauser habe eine Apparatur gebaut, die zwei verwickelte Photonen gleichzeitig ausgesendet habe. Dann habe er mit einem Filter die Ladung der Photonen geprüft und festgestellt, dass diese mit Vorhersagen der Quantenmechanik übereinstimmten.

Aspect habe das Experiment weiterentwickelt, indem er Atome dazu angeregt habe, Photonen schneller zu emittieren. Außerdem habe er die Messeinstellung verändert, nachdem ein verwickeltes Photonenpaar die Quelle verlassen habe. Dadurch habe die Einstellung, die zum Zeitpunkt der Emission bestand, das Ergebnis nicht beeinflussen können.

Alain Aspect, John F. Clauser und Anton Zeilinger | picture alliance / Kirill Kukhmar/TASS/dpa/ ROBERT JAEGER / APA / picturedesk.com/ John Clauser CC BY-SA 4.0

Die diesjährigen Physik-Nobelpreisträger Alain Aspect, John F. Clauser und Anton Zeilinger (von links nach rechts). Bild: picture alliance / Kirill Kukhmar/TASS/dpa/ ROBERT JAEGER / APA / picturedesk.com/ John Clauser CC BY-SA 4.0

Zeilinger und seine Forschungsgruppe hätten ein Phänomen namens Quantenteleportation nachgewiesen, das es ermögliche, einen Quantenzustand von einem Teilchen zu einem anderen zu übertragen. Das sei wichtig für Quantenfotografie und Quantencomputer. Quantenteleportation übertrage keine Objekte, wie das in den Science-Fiction-Filmen der "Star Trek"-Reihe zu sehen sei. Übertragen würden indessen Informationen über Objekte.

Clauser, Aspect und Zeilinger wurden seit mehr als zehn Jahren als Anwärter auf den Nobelpreis betrachtet. Sie waren 2010 mit dem israelischen Wolf-Preis ausgezeichnet worden, der als mögliche Vorstufe zum Nobelpreis gilt. Der 77-jährige Österreicher Zeilinger zeigte sich nun angesichts der Auszeichnung dennoch überrascht. "Ich bin immer noch etwas schockiert, aber es ist ein sehr positiver Schock", so Zeilinger.

2021 und 2020 Deutsche ausgezeichnet

In den beiden vergangenen Jahren waren mit dem Astrophysiker Reinhard Genzel und dem Meteorologen Klaus Hasselmann jeweils deutsche Forscher unter den Physik-Nobelpreisträgern gewesen.

Hasselmann und zwei weitere Wissenschaftler waren 2021 für ihre Beiträge zur Erforschung des Klimas und anderer komplexer Systeme geehrt worden. Genzel teilte sich den Preis 2020 ebenfalls mit zwei weiteren Forschenden. Die drei waren für ihre Arbeiten zu Schwarzen Löchern ausgezeichnet worden.

Mit den wissenschaftlichen Nobelpreisen werden häufig zwei oder drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gleichzeitig gewürdigt, die zum Beispiel gemeinsam zu einem Themenfeld geforscht haben.

Gelegentlich ist es jedoch nur einer - wie in diesem Jahr der Evolutionsforscher Svante Pääbo: Der seit 1997 in Leipzig forschende Schwede bekam den prestigeträchtigen Preis allein zugesprochen. Er wird ihn für seine Forschung zur Evolution des Homo sapiens und zu dessen ausgestorbenen Verwandten erhalten.

Knapp 920.000 Euro pro Nobelpreis

Wie im Vorjahr sind die Auszeichnungen mit jeweils zehn Millionen schwedischen Kronen pro Kategorie dotiert. Umgerechnet sind das knapp 920.000 Euro. Bis auf den in Oslo gekürten Friedensnobelpreisträger werden alle weiteren Preisträgerinnen und Preisträger in Stockholm verkündet. Verliehen werden die Preise dann traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel, der 1896 starb.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Oktober 2022 um 12:00 Uhr.