Blick auf die Ortsgemeinde Rech an der Ahr und die stark beschädigte Nepomukbrücke aus dem 18. Jahrhundert. | dpa

Wetterbilanz 2021 Warm, sonnig und extrem

Stand: 30.12.2021 11:00 Uhr

Die Flut in Rheinland-Pfalz und NRW ist wohl das prägendste Wetterereignis des Jahres gewesen. Dabei war 2021 laut Deutschem Wetterdienst insgesamt sonnig und warm - und passe somit in den Trend.

Von Sebastian Kisters, hr

Mit rekordverdächtig hohen Temperaturen endet das Jahr 2021 - als das 11. in Folge zu warme. Die Auswirkungen sind mancherorts extrem. Physikalisch sei das ziemlich einfach, sagt Tim Staeger, Meteorologe im ARD-Wetterkompetenzzentrum in Frankfurt: "Die Temperatur einer Luftmasse entscheidet, wie viel Wasser reinpasst." Je wärmer, desto mehr Wasser kann sie binden. "Durch den Klimawandel bekommen wir wärmere Luft. Wenn ein Starkregenereignis stattfindet, ist es intensiver als früher."

Sebastian Kisters

So gab es in diesem Sommer heftige Niederschläge und tödliche Fluten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Studien zeigten, dass die Wahrscheinlichkeit für derartige Wetterlagen um 20 Prozent zugenommen habe, sagt Staeger. Dabei lag 2021 mit einer durchschnittlichen Temperatur von 9,1 Grad nur etwa ein Grad über dem Referenzwert, dem sogenannten vieljährigen Mittel - begutachtet in den Jahren 1961 bis 1990. Die vergangenen drei Jahre waren im Schnitt mehr als zwei Grad zu warm.

Doch Meteorologe Staeger erklärt: Klimawandel vollziehe sich über viele Jahre. Es könne nicht jedes Jahr ein neuer Rekord aufgestellt werden. Es gebe natürlich Schwankungen. In diesem Jahr drücke La Niña die weltweiten Temperaturen - ein Kaltwasser-Ereignis im Pazifik. Den Trend breche das aber nicht. Das unterstützt eine Erhebung der Münchner Rückversicherung. Demnach hatte es 1980 weltweit 249 Naturkatastrophen mit Großschäden gegeben. 2020 waren es 980. Vor allem zunehmende Hitze und Starkregen lässt Stadtplaner in Deutschland umdenken.

Schwammstadt soll Überschwemmungen verhindern

Der Trend geht zur Schwammstadt: Niederschlag soll aufgenommen werden, wo er fällt, und die Stadt sich vollsaugen wie ein Schwamm. Das Ziel ist, überlaufende Kanalisationen und Überschwemmungen zu verhindern. In Offenbach ist dieser Umbau schon zu besichtigen. Auf Dächern am alten Hafen wachsen Kirschbäume. Pflanzen, Erde und Bäume speichern bis zu 80 Prozent eines starken Niederschlags. Angenehmer Begleiteffekt: Verdunstende Feuchtigkeit kühle im Sommer die Umgebungstemperatur begrünter Flächen um bis zu fünf Grad, sagt die Bürgermeisterin Sabine Groß.

Offenbach setzt aber auch auf weitere Maßnahmen: Das Regenwasser vom Dach des neuen Polizeipräsidiums wird gespeichert, ehe es in einen renaturierten Bach läuft. Und: Bürgerinnen und Bürger, die etwa Garageneinfahrten entsiegeln, werden von der Stadt mit bis zu 50 Euro pro Quadratmeter gefördert. "Mehr Hitze, mehr Stürme, mehr Starkregen. Wir müssen darauf reagieren", sagt die Bürgermeisterin.

Viel Sonne, aber auch viel Regen

Wärmster Ort Deutschlands war 2021, wie schon im vergangenen Jahr, Köln - mit einer Durchschnittstemperatur von etwa 11,4 Grad. Die meisten Sonnenstunden gab es laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) im Allgäu. Mit mehr als 2040 Sonnenstunden liegt hier Leutkirch derzeit knapp vor Kaufbeuren. Deutschlandweit gab es in diesem Jahr durchschnittlich rund 1650 Sonnenstunden. Das vieljährige Mittel liegt bei 1544 Stunden.

Leicht überdurchschnittliche Werte gab es auch beim Regen. 789 Liter fallen durchschnittlich pro Jahr auf einen Quadratmeter. Rund 805 waren es 2021. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor fielen nur 710 Liter. Vor allem die Wälder haben unter zuletzt zu trockenen Jahren schwer gelitten.

Zumindest an der Oberfläche habe sich das nun gebessert, sagt Sarah Liebelt, Försterin im hessischen Nidda. Neue Pflanzen hätten genug Regen bekommen. "Wenn man in den Boden greift, merkt man, dass der viel feuchter ist als in den Jahren zuvor. Aber um den Wald richtig zu regenerieren, reicht das noch lange nicht." Wie an vielen anderen Orten in Deutschland, baut auch sie gerade ihren Wald um. "Die Zeiten der Fichte sind vorbei. Wir setzen jetzt auf Baumarten wie die Eiche und auch nicht-heimische Arten, weil sie mit Trockenstress besser zurechtkommen."

Das Wetter-Fazit 2021 von Tobias Fuchs, dem Vorstand Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes: "Wir erleben die Folgen des Klimawandels live. Wetterextreme können jeden von uns treffen. Wer das Klima schützt, schützt sich selbst."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Dezember 2021 um 12:00 Uhr.