Ansicht des Flusses Po in San Giorgio Piacentino am 20. Juni 2022. | picture alliance / NurPhoto

Klima-Studie Europa erwärmt sich besonders schnell

Stand: 02.11.2022 18:19 Uhr

Der Temperaturanstieg in Europa fällt deutlich höher aus als im Rest der Welt, warnt eine Studie. Zwischen 1991 und 2021 sei es pro Jahrzehnt um 0,5 Grad Celsius wärmer geworden. Immerhin gebe es Fortschritte bei der CO2-Reduktion.

In Europa sind die Temperaturen in den vergangenen 30 Jahren mehr als doppelt so schnell gestiegen wie im globalen Durchschnitt: Laut dem Klimabericht der Weltwetterorganisation (WMO) der UN und des Copernicus Climate Change Service der EU stiegen die Temperaturen in Europa zwischen 1991 und 2021 im Durchschnitt um 0,5 Grad Celsius pro Jahrzehnt an. Damit weise Europa den höchsten Wert aller Kontinente auf, teilte die WMO mit.

Der Trend dürfte demnach anhalten. Dann würden außergewöhnliche Hitze, Waldbrände und Überschwemmungen die Bevölkerungen, die Wirtschaft und die Ökosysteme weiter schädigen, sagen die Autoren des Berichts voraus.

50 Milliarden Euro Schaden

Aufgrund der Erwärmung hätten die Alpengletscher zwischen 1997 und 2021 rund 30 Meter ihrer Eisdicke verloren, hieß es. Auch der grönländische Eisschild schmelze rasch und beschleunige den Anstieg des Meeresspiegels. Im vergangenen Jahr wurde demnach am höchsten Punkt des Eisschilds erstmals Regen statt Schnee registriert. 

Die Situation in Europa zeige, dass "selbst gut gewappnete Gesellschaften nicht vor den Auswirkungen extremer Wetterereignisse sicher" seien, erklärte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Er verwies auf die extreme Hitze und Waldbrände in Europa in diesem und dem vergangenen Sommer sowie auf die verheerenden Stürme und Überschwemmungen im vergangenen Jahr.

Im Jahr 2021 hätten schwerwiegende Wetter- und Klimaereignisse in Europa Hunderten das Leben gekostet. Mehr als eine halbe Million Menschen seien direkt betroffen gewesen, etwa durch den Verlust von Hab und Gut. Die wirtschaftlichen Schäden hätten über 50 Milliarden Euro betragen. Bei etwa 84 Prozent der extremen Ereignisse habe es sich um Überschwemmungen oder Stürme gehandelt.

Emissionen gehen um ein Drittel zurück

Gleichzeitig betont der Bericht auch einige positive Aspekte. Unter anderem gingen die Treibhausgasemissionen demnach in der gesamten EU zwischen 1990 und 2020 um fast ein Drittel zurück, zudem sei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Anpassung an den Klimawandel beispielhaft. 

"Die europäische Gesellschaft ist anfällig für Klimaschwankungen und -veränderungen", sagte Carlo Buontempo, der Leiter des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) von Copernicus. "Europa steht aber auch an der Spitze der internationalen Bemühungen, den Klimawandel einzudämmen und innovative Lösungen für die Anpassung an das neue Klima zu entwickeln."

UN-Klimakonferenz ab Sonntag

Der Bericht "State of the Climate in Europe", den die WMO gemeinsam mit dem Copernicus Climate Change Service der Europäischen Union erstellt, konzentriert sich auf das Jahr 2021. Er enthält Informationen über steigende Temperaturen, Hitzewellen an Land und im Meer, extreme Wetterverhältnisse, sich ändernde Niederschlagsmuster und den Rückgang von Eis und Schnee.

Die WMO unterteilt die Welt in sechs Regionen. Die europäische Region umfasst 50 Länder und schließt auch eine Hälfte der Arktis ein. Der Report erschien wenige Tage vor der UN-Klimakonferenz in Ägypten, die am Sonntag beginnt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. November 2022 um 16:23 Uhr.