Raureif ist im Rheintal nahe Kenzingen auf Pflanzen zu sehen während im Hintergrund die Sonne aufgeht. | dpa

DWD-Klimavorhersage Wie kalt wird der Winter?

Stand: 09.12.2022 17:09 Uhr

Der Deutsche Wetterdienst versucht, langfristig die Temperaturen vorherzusagen. Aktuell rechnet er mit einem durchschnittlichen Winter. Doch wie entstehen solche Vorhersagen - und wie verlässlich sind sie?

Von Pascal Kiss, SWR

Noch nie war der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit seinen saisonalen Klimavorhersagen so stark im Fokus wie derzeit. Wegen der Energiekrise blickt auch die Bundesnetzagentur auf die aktuellen Vorhersagen für den Winter. Ganze sechs Monate schaut der Deutsche Wetterdienst mit der Vorhersage in die Zukunft und zeigt, welche Szenarien am wahrscheinlichsten sind.

Milder Winter aktuell eher unwahrscheinlich

Aktuell stehen laut DWD die Chancen für einen milden Winter schlecht. Nur mit einer Wahrscheinlichkeit von fünf Prozent wird der Winter dieses Jahr überdurchschnittlich mild, mit 38 Prozent ist laut den Modellen ein vergleichsweise kalter Winter deutlich wahrscheinlicher. Das wahrscheinlichste Szenario ist aber ein durchschnittlicher Winter - immer im Vergleich zu den vergangenen 30 Jahren. 

"Es geht immer um Wahrscheinlichkeiten", sagt Andreas Paxian vom DWD. Für die Vorhersage werden Computermodelle mit aktuellen Wetterdaten wie Temperatur, Luftdruck und dem aktuellen Niederschlag versorgt. Für das Modell wird die Erde im Computer mit einem Gitternetz überzogen. Für jeder der entstandenen Gitterboxen wird die Entwicklung für die nächsten sechs Monate berechnet. "Und diese Gitterboxen sind aktuell 100 Kilometer groß, allerdings haben wir in der Atmosphäre kleine Prozesse wie Wolken und Mikrophysik, die wir berechnen müssen", sagt Paxian. Heißt: Diese kleinen Prozesse in der Atmosphäre fallen durch das Raster der Klimamodelle und können gar nicht genau berechnet werden.

Winter-Vorhersage hat sich geändert

Die Modelle rechnen dann mögliche Entwicklungen für die Zukunft. 50 Modelle laufen dabei gleichzeitig, daraus wird dann ein Mittelwert berechnet. Um zu schauen, wie gut die Modelle funktionieren, wird auch die Vergangenheit zum Test simuliert. Sind die Modelle nah an der Realität, ist auch die Vorhersagequalität für die Zukunft relativ gut. Relativ gut heißt aber nicht perfekt.

Wie groß die Unsicherheiten noch sind, hat sich bereits mit Blick auf diesen Winter gezeigt. Mitte November standen die Zeichen noch auf einen überdurchschnittlich milden Winter im Vergleich zu den vergangenen 30 Jahren. Ein warmer Winter war das wahrscheinlichste Szenario. Dieser Winter könnte im Durchschnitt mehr als 0,6 Grad Celsius wärmer werden, hieß es noch im November. Jetzt, in der aktualisierten Vorhersage, wird vor allem der Dezember deutlich kälter und so spricht insgesamt viel für einen normalen Winter. Die Vorhersage für den Winter hat sich innerhalb von vier Wochen deutlich geändert und offenbart die Schwächen der Vorhersagemodelle.

Wie verlässlich sind die Vorhersagen?

"Wir sind in der Klimavorhersage aktuell noch nicht so gut, wie bei der Wettervorhersage. Aber dennoch ist der Bedarf in der Gesellschaft da", sagt Paxian. Deshalb sei es so wichtig, immer auf die Unsicherheiten hinzuweisen, auch gerade wenn Unternehmen die saisonalen Klimavorhersagen für ihre Planung nutzen.

Insgesamt hat sich die Vorhersagequalität laut DWD in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert. Neue Wettersatelliten und neue Supercomputer sind die Grundlage für alle Wetter- und Klimamodelle. Sie haben jetzt eine bessere Auflösung und können noch mehr Datenpunkte berechnen. Doch die insgesamt 50 Modelle kommen noch immer zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Die Spannweite reicht auch in der aktuellen Vorhersage von einem durchschnittlichen bis sehr kalten Winter. "Wir könnten natürlich jetzt noch 20 Jahre warten, bis die Produkte so gut sind", sagt Paxian. Aber der Bedarf sei jetzt da, in den nächsten Jahren werden sich die saisonalen Klimavorhersagen aber nochmal deutlich verbessern.

Mehr Vorhersagen für die Zukunft geplant

Schon heute versucht der DWD neben der Durchschnittstemperatur auch die Niederschlagsmenge vorherzusagen. In Zukunft soll noch mehr möglich sein. Paxian spricht von Dürrevorhersagen, aber auch von konkreten Prognosen, wie viel in einem Winter wahrscheinlich geheizt werden muss.

Der Blick auf diesen Winter hat aber gezeigt, dass die Vorhersagen nur als mögliches Szenario betrachtet werden dürfen. Als vor vier Wochen noch ein milder Winter als wahrscheinlichstes Szenario galt, hatte damals schon Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur gesagt, dass unabhängig von den Vorhersagen weiter Energie gespart werden müsste. Jetzt, vier Wochen später, untermauert die neue Vorhersage diese Warnung. Ein überdurchschnittlicher Winter ist nach aktuellem Stand sehr unwahrscheinlich.