Ein Schild mit COP27 in Scharm el Scheich | REUTERS
FAQ

Beratungen in Ägypten Wie funktioniert die Klimakonferenz?

Stand: 06.11.2022 04:51 Uhr

13 Tage, gut 30.000 Teilnehmer, fast 200 Staaten: Im ägyptischen Badeort Sharm El-Sheikh beginnt die UN-Klimakonferenz. Wo stehen die Staaten - und wie wahrscheinlich ist eine Einigung? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist die UN-Weltklimakonferenz COP27?

Die Weltklimakonferenz tritt jährlich zusammen, immer in einem anderen Land. Auf Einladung der Vereinten Nationen debattieren rund 200 Staaten zwei Wochen lang, wie die Erderwärmung auf ein noch erträgliches Maß eingedämmt werden kann. COP steht kurz für "Conference of the Parties", also die Konferenz der Parteien - gemeint sind jene Staaten, die die sogenannte Klima-Rahmenkonvention unterschrieben haben. Dieses Jahr treffen sie sich in Ägypten zum 27. Mal - daher COP27.

Es reisen voraussichtlich etwa 30.000 Menschen an - nicht nur Regierungsvertreter, sondern auch Hunderte Journalisten und zahlreiche Vertreter von NGOs und Klimaschutzorganisationen.

Warum gibt es überhaupt Weltklimakonferenzen?

Die Wissenschaft warnt die Politik schon seit Jahrzehnten: Zu viele Treibhausgase in der Luft, also vor allem Kohlendioxid (CO2) und Methan, sorgen dafür, dass sich die Erde immer weiter aufheizt und teilweise unbewohnbar werden könnte. Auch gibt es je nach Region häufiger Stürme, Dürren und Überschwemmungen - mit vielen Millionen Opfern. Erste Weltklimakonferenzen gab es deshalb schon Ende der 1970er- und in den 1980er-Jahren.

Die erste COP unter dem Dach der Klima-Rahmenkonvention fand 1995 in Berlin statt. Deutsche Verhandlungsführerin war damals übrigens Angela Merkel, als Umweltministerin unter Kanzler Helmut Kohl. Schon vor mehr 27 Jahren setzte sich der Gipfel das Ziel festzuschreiben, bis wann und wie stark weltweit der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase reduziert werden soll.

Worum geht es bei dieser Klimakonferenz - und warum ist sie wichtig?

Die Konferenz schafft vor allem Transparenz. Denn sie legt in trauriger Regelmäßigkeit offen, dass viele Staaten zwar schon nachhaltiger wirtschaften, aber insgesamt längst nicht genug tun beim Klimaschutz. Deshalb bleibt aus Sicht aller Experten das 2015 gemeinsam gesteckte Ziel weiter in beträchtlicher Ferne, die Erderhitzung bis 2100 möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen - schon jetzt sind wir nämlich bei 1,1 Grad. Laut einem UN-Bericht könnte die 1,5-Grad-Marke sogar schon 2026 überschritten werden.

Höhere Durchschnittstemperaturen erhöhen laut Klimaforschern das Risiko, Kipppunkte im Klimasystem und unkontrollierbare Kettenreaktionen auszulösen. Extremwetter werden dadurch häufiger auftreten und enorme - auch wirtschaftliche - Schäden verursachen.

Aber: Anders als 2021 bei der COP26 in Glasgow versprochen, haben die meisten Regierungen ihre nationalen Pläne zum Klimaschutz in diesem Jahr nicht ausreichend nachgeschärft - also vor allem den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas verschleppt sowie den klimafreundlichen Umbau von Verkehr und Landwirtschaft vernachlässigt.

Spätestens zum Start der Konferenz wären also viel ehrgeizigere Zusagen fällig. Die aber erwartet angesichts der aktuellen Energiekrise, in der viele Staaten verstärkt auf klimaschädliche Kohle setzen und den Sprit- und Gasverbrauch mit Milliarden subventionieren, kaum jemand.

Wo stehen die Staaten aktuell?

Schlecht steht unter anderem China da, das Land mit dem rein mengenmäßig größten CO2-Ausstoß: Die Volksrepublik verspricht in ihrem 2021 bei den UN hinterlegten Klimaschutzplan lediglich, dass Chinas Emissionen nur noch bis 2030 steigen sollen. Zudem will das Riesenreich erst 2060 kohlendioxidneutral werden - zehn Jahre später als die meisten Industrienationen.

Auch Deutschland wird seine selbstgesteckten Klimaziele ohne zusätzliche Anstrengungen sowohl für das Jahr 2030 als auch für 2040 deutlich verfehlen. Zu dem Ergebnis kommt ein Bericht des Bundesumweltministeriums aus dem vergangenen Jahr. Ohne weitere Maßnahmen gehen die CO2-Emissionen bis 2030 nur um 49 statt um 65 Prozent zurück. Auch die Klimaneutralität bis 2045 steht auf der Kippe.

Selbst wenn alle vorliegenden Klimapläne der Staaten umgesetzt werden, steuert die Welt nach Einschätzung vieler Experten auf eine Erwärmung bis 2100 von knapp drei Grad zu. Um das 1,5-Grad-Ziel zu schaffen, müssten laut Weltklimarat IPCC die globalen Emissionen aber eigentlich bis 2025 ihren Höhepunkt erreicht haben - und dann bis 2030 im Vergleich zu 2019 zügig um 43 Prozent gesenkt werden.

Wann wäre die COP27 erfolgreich?

Am Ende steht eine Art Abschlusserklärung. Darin müsste eigentlich nachvollziehbar erklärt werden, wie die Staatengemeinschaft konkret auf den 1,5-Grad-Pfad kommen will. Doch ist es angesichts der neu aufgerissenen Gräben etwa zwischen der EU und Russland (wegen des Ukraine-Kriegs) oder auch China und den USA (wegen Pekings Ansprüchen auf Taiwan) sogar denkbar, dass noch nicht einmal ein finales Papier beschlossen wird.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock sagte bereits ernüchtert, es sei in diesen Zeiten nicht automatisch klar, dass es ein Abschlussdokument gibt. Auf die Frage, welches Minimalziel die Bundesregierung bei der UN-Konferenz denn verfolge, sagte die Grünen-Politikerin: "Dass sie stattfindet. Das weiß man in dieser Weltlage nie."

Ein anderes Thema, zu dem die ägyptischen Gastgeber Beschlüsse anstreben, ist das Geld. Konkret geht es um Finanzhilfen für den Klimaschutz in ärmeren Staaten. Die reichen Länder und Entwicklungsbanken haben zwar vor Jahren versprochen, von 2020 bis 2025 jährlich 100 Milliarden US-Dollar dafür zu mobilisieren. Diese Summe, überwiegend Darlehen, wird nun aber wohl erst 2023 erreicht - und eine von den Entwicklungsländern erwartete Anschlussfinanzierung mit höheren Summen steht noch aus. Das sorgt vorab für Frust bei etlichen Entwicklungsländern - und gilt schon jetzt als Hypothek für das Treffen in Sharm El-Sheikh.

Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2022 um 05:00 Uhr.