Frank-Walter Steinmeier und Isaac Herzog

Israelischer Präsident in Berlin "Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen"

Stand: 04.09.2022 17:46 Uhr

Der israelische Staatspräsident Herzog ist zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Berlin angekommen. Vor ihm liegen nun mehrere Termine voller Symbolkraft - unter anderem die Gedenkfeier zum Olympia-Attentat von 1972.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den israelischen Staatspräsidenten Izchak Herzog zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Deutschland empfangen. Steinmeier begrüßte Herzog und dessen Ehefrau Michal mit militärischen Ehren und zu Klängen der israelischen Nationalhymne im Schloss Bellevue in Berlin. Die Israelische Botschaft in Deutschland beschrieb die Ankunft Herzogs auf Twitter als "emotionalen Moment".

Entschädigungen für Olympia-Hinterbliebene gelobt

Steinmeier und Herzog würdigten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz unter anderem die Verständigung auf eine Entschädigung für die Hinterbliebenen des Attentats auf israelische Sportler bei den Olympischen Spielen 1972. "Dass es 50 Jahre gedauert hat bis zu dieser Verständigung jetzt in den letzten Tagen, das ist in der Tat beschämend", räumte Steinmeier ein. Er sei aber überzeugt, dass "dieses kein Fall bleibt, der in irgendeiner Weise die deutsch-israelischen Beziehungen für die Gegenwart oder Zukunft belastet", sagte Steinmeier. Er fügte aber hinzu, er wisse, dass nichts "die tiefen Wunden aus den 50 Jahren heilen" könne.

Die Bundesregierung hatte sich mit den Hinterbliebenen nach jahrzehntelangem Streit kurz vor dem Jahrestag auf eine Entschädigungsleistung in Höhe von 28 Millionen Euro geeinigt. Damit war ein Eklat bei der Gedenkveranstaltung vermieden worden - längere Zeit war unklar, ob die Hinterbliebenen und Herzog daran teilnehmen würden.

Isaac Herzog

Der israelische Präsident nun doch seine Teilnahme bei der Gedenkfeier zum Olympia-Attentat von 1972 zugesagt. mehr

Erster Besuch Herzogs als Staatspräsident

Zudem betonten sowohl Herzog als auch Steinmeier, wie besonders dieser erste Staatsbesuch von Herzog in seiner Funktion als israelischer Präsident sei. Es sei ein Moment, bei dem "Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen", erklärte Herzog.

Herzog bedankte sich anschließend bei Steinmeier für seine "unerschütterliche moralische Verpflichtung", die sich in seinem Einsatz äußere. Das Bündnis zwischen Deutschland und Israel bezeichnete er als "fruchtbar". Daher blicke er auf einen erfolgreichen Besuch.

Herzog für Gedenkfeier bei München gekommen

Und der sieht für Herzog einige Termine vor: Am Montag steht ein Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) für den israelischen Staatspräsidenten auf dem Plan. Anschließend soll es einen Gang Herzogs mit der Regierenden Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey (SPD), durch das Brandenburger Tor geben.

Isralischer Präsident Herzog gedenkt mit Bundespräsident Steinmeier der Opfer des Olympia-Attentats

Martin Schmidt, ARD Berlin, tagesschau 17:45 Uhr

Steinmeier wird wohl um Entschuldigung bitten

Am Nachmittag steht für das Ehepaar Herzog dann der Hauptteil ihrer Deutschland-Reise bevor: Dann findet die viel beachtete Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Anschlags auf israelische Sportler auf dem Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck bei München statt.

An dem Gedenken nimmt neben Hinterbliebenen der Opfer auch Bundespräsident Steinmeier teil. Von Steinmeier wird erwartet, dass er sich bei der Gedenkveranstaltung zur deutschen Verantwortung für die Ereignisse bekennen und die Hinterbliebenen um Entschuldigung bitten wird. Die hatten ihre Teilnahme an der Veranstaltung zunächst abgesagt - nach der Zusicherung der Entschädigungen aber revidiert.

Ein vermummter arabischer Terrorist zeigt sich am 05.09.1972 auf dem Balkon des israelischen Mannschaftsquartiers im Olympischen Dorf der Münchner Sommerspiele.

Dass die Hinterbliebenen die Gedenkfeier als Druckmittel für ihre Forderungen nutzten, ist umstritten. mehr

Elf israelische Sportler und ein Polizist 1972 ermordet

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen bei den Olympischen Spielen in München die israelische Mannschaft überfallen. Elf Mitglieder des Teams und ein Polizist wurden getötet, die meisten von ihnen bei der misslungenen Befreiungsaktion der Polizei am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Die Sicherheitsvorkehrungen galten als mangelhaft.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. September 2022 um 16:00 Uhr.