Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach spricht bei einer Pressekonferenz | dpa

Lauterbach zu Engpässen Personal aus Erwachsenen- soll auf Kinderstationen

Stand: 01.12.2022 17:56 Uhr

Die akute Welle von Infekten bringt Kinderkliniken in teils dramatische Engpässe. Weil es vor allem an Personal fehlt, hat Gesundheitsminister Lauterbach nun angekündigt, Pflegende aus Erwachsenen- für Kinderstationen abzuziehen.

Angesichts der schwierigen Lage auf den Kinderstationen von Krankenhäusern hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die zwischenzeitliche Verlegung von Personal aus anderen Bereichen angekündigt. "Wir werden Personal aus den regulären Erwachsenenstationen in die Kinderstationen verlegen", sagte Lauterbach. Dabei gehe es insbesondere um Pflegekräfte.

Personaluntergrenzen sollen nicht mehr geprüft werden

Um dies zu ermöglichen, bat Lauterbach die Krankenkassen, vorübergehend die Personaluntergrenzen nicht mehr zu überprüfen. Lauterbachs Ministerium verwies zudem darauf, dass für die Krankenhausplanung die Länder zuständig sind.

"Die Kinder brauchen jetzt unsere volle Aufmerksamkeit, sagte Lauterbach. Die Nachrichten von überfüllten Kinderpraxen und Kinderstationen in Krankenhäusern seien "sehr besorgniserregend". Derzeit stünden in Deutschland "weniger als 100 Intensivbetten für Kinder noch zur Verfügung". Es sei absehbar, dass die Welle mit Erkrankungen insbesondere durch das RS-Virus noch nicht zu Ende sei. Die Lage sei aber "im Griff", betonte der Minister. Die vorgesehenen Maßnahmen trügen dazu bei.

Keine Hinweise auf besonders schwere Verläufe

Es gebe "keine Hinweise darauf, dass die Erkrankung schwerer verläuft als sonst", betonte Lauterbach. Durch einen Nachholeffekt infolge der Schließung von Kindertagesstätten während der Corona-Pandemie kämen aber "jetzt sehr viele Kinder zum ersten Mal mit diesen Viren in Kontakt". Es seien daher "einfach mehr Kinder", die erkrankten - auch mehr, die früh zum ersten Mal erkrankten.

Lauterbach kündigte deshalb an, dass auch die Möglichkeit der elektronischen Krankschreibung bei Kinderärzten ab sofort fortgeschrieben werde. Damit könnten Eltern bei Erkrankung ihres Kindes zu Hause bleiben und trotzdem den Anspruch auf Krankengeld behalten.

Das RS-Virus

Das RS-Virus ist ein weltweit verbreiteter Erreger von akuten Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Es gilt als einer der bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen, hauptsächlich Frühgeborenen und Kleinkindern.

Lauterbach: Vorsorge bei Kindern verschieben

Der Minister appellierte darüber hinaus an die Eltern, Vorsorgeuntersuchungen für Kinder wenn möglich zu verschieben, um die Kinderpraxen zu entlasten. Er verwies auch auf Möglichkeiten von telemedizinischen Beratungen, die von vielen Ärzten inzwischen angeboten werden.

Lauterbach appellierte zudem an Erwachsene: "Wenn man Erkältungssymptome spürt, dann bitte Maske tragen, insbesondere wenn man in Kontakt ist mit Kindern unter zwei Jahren." Oft werde das Virus von Erwachsenen auf Kinder übertragen.