Eine Familie sitzt auf einer Treppe auf dem Burgplatz in einem aufgemalten Kreis, der  die Einhaltung des Mindestabstandes während der Corona-Pandemie gewährleisten soll. | dpa

Auswirkungen der Pandemie Corona belastete Frauen mehr als Männer

Stand: 08.11.2022 11:41 Uhr

Kontaktbeschränkungen, Lockdowns, Homeoffice: Die Corona-Pandemie hat das Leben in Deutschland beeinträchtigt. Das wirkte sich laut einer Studie auch auf die Zufriedenheit aus - mit großen Unterschieden zwischen den Geschlechtern.

Einer aktuellen Studie zufolge fühlten sich Frauen durch die Corona-Pandemie in Deutschland stärker belastet als Männer. Auch hatten sie mit 43 Prozent deutlich häufiger Angst zu erkranken als mit 34 Prozent die männlichen Befragten, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) mitteilte. Sie konnten aber auch viel häufiger als Männer das Gute sehen.

Insgesamt schränkte die Pandemie die Lebenszufriedenheit der Menschen demnach erheblich ein. Dabei fürchteten Männer lediglich bei der Frage nach der eigenen wirtschaftlichen Situation mehr um finanzielle Einbußen als Frauen - 33 Prozent zu 28 Prozent. Von beiden Geschlechtern gleichermaßen wurden die Kontakteinschränkungen als die größte Belastung empfunden.

Familienzusammenhalt half in der Pandemie

55 Prozent der weiblichen Befragten konnten der Pandemie jedoch auch gute Seiten abgewinnen. Laut BiB war das signifikant häufiger als bei den Männern, bei denen dies bei weniger als jedem zweiten der Fall war.

Auch wenn die Corona-Belastungen für Eltern hoch waren, so habe es in der Krise Menschen gestärkt, wenn sie nicht allein lebten. Dabei genüge es aber nicht, bloß in einer Partnerschaft oder Familie zu sein. Entscheidend seien vielmehr die Beziehungsqualität und der Zusammenhalt in der Familie: "Je positiver die familiären Beziehungen in der Partnerschaft und zu den Kindern, desto besser kamen Mütter und Väter durch die Pandemie."

Wie stark sich Eltern belastet fühlten, hing stark vom Alter der Kinder ab: Bei Babys war es vergleichsweise gering, stieg mit zunehmendem Alter der Kinder und ging wieder zurück, wenn diese über 14 Jahre alt waren. Mütter fühlten sich stärker belastet als Väter.

Gelegentliches Homeoffice steigert Zufriedenheit

Auch der Einfluss des Arbeitens im Homeoffice wurde untersucht. Dabei spielte es für die Lebenszufriedenheit von Eltern eine wesentliche Rolle, wie häufig sie zu Hause arbeiteten. Demnach steigerte gelegentliches Arbeiten von zu Hause die Zufriedenheit deutlich, vor allem bei Eltern mit Kindern unter 16 Jahren. Die tägliche Arbeit im Homeoffice reduzierte die Zufriedenheit hingegen signifikant.

Laut BiB war die Lebenszufriedenheit während der Corona-Pandemie bei vielen Eltern gesunken, liegt jedoch jetzt wieder "auf dem höchsten Niveau seit Ausbruch der Pandemie". Dabei machen sich jedoch soziale Ungleichheiten deutlich bemerkbar: Eltern aus Haushalten mit niedriger Bildung und niedrigem Einkommen haben eine deutlich geringere Zufriedenheit.

Sorge um wirtschaftliche Lage steigt

Der Studie zufolge sind die aktuellen Sorgen "eher zukunftsorientiert". Dies mag auch daran liegen, dass sich die derzeitigen Krisen - zumindest bis August - noch nicht auf die Lebenswirklichkeit der Befragten ausgewirkt haben, vermuten die Forscher.

Gegenwärtig stehen demnach vor allem wirtschaftliche Ängste im Vordergrund. So machen sich 35 Prozent aller Mütter und Väter mit Kindern unter 16 Jahren große Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation - ein Höchstwert seit Ausbruch der Corona-Pandemie. In den Fokus von Eltern rückten zuletzt aber auch wieder deutlich stärker Sorgen um das Klima und die Umwelt.

Die Studie beruht unter anderem auf Ergebnissen eines familiendemografischen Panels, welches seit 2021 rund 30.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren zweimal pro Jahr befragt. Zudem wurden Daten einer Onlinebefragung des Instituts Infratest dimap von 250 bis 350 deutschen Wahlberechtigten berücksichtigt. Dabei gab es von Mai 2020 bis August 18 Befragungswellen mit jeweils etwa 10.000 Teilnehmenden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. November 2022 um 11:00 Uhr.