Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades mit Regierungsmitgliedern.

Drohende Staatspleite Zypern will "Plan B" vorlegen

Stand: 21.03.2013 03:15 Uhr

Das EU-Rettungspaket ist gescheitert, jetzt will die zyprische Regierung mit einem alternativen Plan eine Staatspleite abwenden. Wie Regierungskreise in Nikosia berichteten, setzt der zyprische Präsident Nikos Anastasiades auf Finanzhilfen aus Russland.

Zwangsabgabe in entschärfter Version

Und auch die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben soll bemüht werden - allerdings in einer entschärften Form. Summen unter 100.000 Euro würden dabei nicht angetastet, berichteten Politiker. Höhere Einlagen sollen offenbar mit drei Prozent belastet werden. Das abgelehnte erste Rettungspaket hatte eine Zwangsabgabe auf Bankeinlagen über 20.000 Euro vorgesehen.

Offenbar sieht der Lösungsvorschlag auch einen Fonds vor, der Staatsanleihen ausgibt. Sie sollen von Rentenkassen und der Kirche sowie anderen Institutionen Zyperns gekauft werden.

Heute schon Abstimmung?

Der neue Plan soll heute den Parteichefs vorgestellt und auch im Parlament abgestimmt werden. Der Staatschef werde die Parteienvertreter zunächst im Präsidialpalast empfangen, berichtete das zyprische Fernsehen.

Anastasiades verhandelte zuvor auch mit Vertretern der Troika aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und  EU-Kommission. Eine Stellungnahme gab es nach dem Gespräch mit den möglichen Kreditgebern aber nicht. Die Troika müsste Zyperns "Plan B" absegnen, wenn er Teil der EU-Rettungsaktion werden soll.

Neue Kredite reichen der EU nicht

Die EU fordert von Zypern das Aufbringen von 5,8 Milliarden Euro als Eigenleistung - also nicht über eine Finanzierung durch neue Kredite. Der Inselstaat ist überschuldet und muss zugleich seine angeschlagenen Banken stützen. Dem Land droht die akute Zahlungsunfähigkeit sowie ein Austritt aus der Eurozone.

Wie die zyprische Zentralbank mitteilte, bleiben die maroden Geldhäuser auch am Donnerstag und Freitag geschlossen. Wegen eines Feiertages am Montag werden die Institute nicht vor Dienstag wieder öffnen. Die Entscheidung liege im allgemeinen Interesse, hieß es zur Begründung. Hintergrund ist die Angst vor einem Ansturm der Kunden auf die Bankschalter.

Russisches Interesse an Gasförderung

Der zyprische Finanzminister Michalis Sarris führt derzeit Gespräche in Moskau über einen Ausweg aus der Krise. Dabei dürfte es um die Verlängerung eines russischen Kredits über 2,5 Milliarden Euro sowie möglicherweise um weitere Hilfszahlungen gehen. Presseberichten zufolge ist Moskau im Gegenzug an Lizenzen zur Gasförderung vor Zypern interessiert.

Der zyprische Erzbischof Chrysostomos.

Erzbischof Chrysostomos II. bot die Hilfe seiner Kirche an.

Die Orthodoxe Kirche Zyperns bot der Regierung ihre Hilfe an. Erzbischof Chrysostomos II. sagte nach einem Gespräch mit Präsident Anastasiades, die Kirche sei bereit, auf ihr Vermögen Hypotheken aufzunehmen und Staatsanleihen zu kaufen.

Die orthodoxe Kirche besitzt nicht nur Ländereien, sondern auch Anteile an einer Bank und eine Brauerei.

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KOMMENTARE

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odoaker 21.03.2013 • 11:41 Uhr

Ob eine Zwangsabgabe für

Ob eine Zwangsabgabe für Bankkunden in "entschärfter" oder "unentschärfter" Version kommt, ändert nichts daran, dass in beiden Fällen die Einlagensicherung völlig unglaubwürdig wird. Egal, was Merkel ihren Regierungssprecher dazu erklären lässt. Denn ob die Banken VOR dem Konkurs durch Zwangsabgaben auf Kundengelder gerettet werden, oder - unter Missachtung der Einlagensicherung - NACH dem Konkurs, bleibt sich am Ende gleich: der Kunde ist der Dumme. Alles andere wäre Wortklauberei, um nicht zu sagen: Verdummung. Am Ende haftet damit der Kunde für Spekulanten, Betrüger (z.B. Libor-Manipulationen) und Zocker. Bei den mickrigen Zinsen, die Privatkunden derzeit erhalten, ist die Anschaffung eines eigenen Tresors vielleicht doch die sicherere Lösung. Und wenn das viele machen, könnte sich die alte Weisheit, dass die Bank immer gewinnt, als falsch erweisen.