Gleise und Oberleitungen | dpa

EU-Verkehrspolitik Brüssels Pläne für die Schiene

Stand: 14.12.2021 19:18 Uhr

Mehr Verbindungen, mehr Passagiere, mehr Tempo - aber weniger kompliziert: Die EU-Kommission will das EU-weite Schienennetz ausbauen und stärker nutzen. Noch sieht die Wirklichkeit aber anders aus.

Von Jakob Mayr, ARD-Studio Brüssel

Über bestens ausgebaute Trassen bringen moderne Züge Passagiere und Fracht schnell und sicher in alle großen Städte des Kontinents. Ein Mausklick genügt, um das Trans-Europa-Ticket zu buchen, was den Zug zur besseren Alternative zu Auto und Flugzeug macht. Das ist Europas schöne neue Bahnwelt, wie sie sich die EU-Kommission vorstellt.

Jakob Mayr ARD-Studio Brüssel

Die Wirklichkeit sieht anders aus: Obwohl die Zahl der Bahnreisenden gestiegen ist, waren nur sieben Prozent der in den vergangenen 18 Jahren zurückgelegten Bahnkilometer Fahrten über EU-Grenzen hinweg.

Brüssel will Verbindungen ausbauen, um mehr Fahrgäste und Güter auf die Schiene zu bringen, sagt der stellvertretende Kommissionschef Frans Timmermans. Er erklärt: "Unser Paket enthält auch viele konkrete Vorteile für unsere Bürgerinnen und Bürger. Um den internationalen Zugverkehr voranzubringen, verkürzen wir Reisezeiten und erleichtern den Aufbau eines wettbewerbsfähigen Netzes in Europa."

Passagiere sollen leichter günstige Tickets finden und mehr Rechte bei Störungen bekommen. Die Kommission will eine EU-weite Mehrwertsteuerbefreiung für Zugfahrkarten prüfen. Die Fahrpläne sollen so ausgestaltet werden, dass schnellere grenzüberschreitende Verbindungen möglich werden.

Mindestens 160 Kilometer pro Stunde

Auf den wichtigen Trassen durch Europa sollen Passagierzüge mindestens 160 Kilometer pro Stunde oder schneller fahren. Die Reisezeit zwischen Kopenhagen und Hamburg könnte sich dadurch um zwei Stunden auf 2,5 Stunden verkürzen.

Flughäfen sollen leichter für Zugreisende erreichbar sein, um kürzere Flüge überflüssig zu machen. "Es gibt immer noch vier Flüge pro Tag zwischen Brüssel und Amsterdam und es gibt einen Zug. Die Leute nehmen das Flugzeug, weil es bequemer ist wegen des Gepäcks oder der Anschlussflüge. Indem wir Passagieren mehr Komfort anbieten, können sie eine Wahl treffen, die unseren Klimazielen eher entspricht", erläutert Timmermans.

Güterverkehr: Geringere Wartezeit an den Grenzen

Beim Güterverkehr ist eine Mindestgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde vorgesehen. An den Grenzen soll er maximal 15 Minuten warten müssen. Das Ziel: Den Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Schiene bis 2030 zu verdoppeln und bis 2050 zu verdreifachen.

Zwischen Porto und Vigo ganz im Westen Europas und Budapest und Bukarest im Südosten des Kontinents sollen neue Hochgeschwindigkeitsverbindungen entstehen. Das wird nach den Worten von EU-Transportkommissarin Adina Valean bis zur Mitte des Jahrhunderts zusätzlich 247 Milliarden Euro kosten, aber auch rund 850.000 neue Arbeitsplätze schaffen. "Dieses Netzwerk ist für Europas Wirtschaft, was Arterien und Venen für den Körper sind. Sind sie beschädigt, arbeitet der Körper nicht", sagt Valean.

Alle 60 Kilometer eine Ladesäule für E-Autos

Auch die Ladeinfrastruktur für Pkw und Lkw soll ausgebaut werden: Auf Europas Autobahnen soll für E-Autos alle 60 Kilometer eine Ladesäule stehen, für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge alle 150 Kilometer. Damit die EU ihr Klimaziel erreicht, muss der Ausstoß von Treibhausgasen aus dem Transport bis 2050 um 90 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 sinken.

Die Europa-CDU spricht von einer guten Balance zwischen Forderungen der Industrie und der Mitgliedstaaten. Die Grünen fordern ein Ende des Tarifdschungels bei Bahntickets und den Ausbau des Nachtzugnetzes. Einen kleinen Schritt hat die EU schon unternommen hin zur neuen Bahnwelt: Am Morgen ist in Paris der erste Nachtzug aus Wien seit 2007 eingetroffen.

Besucher beobachten die Abfahrt des ersten Nightjet-Zuges zwischen Wien und Paris am Hauptbahnhof in Wien. | AFP

Ab dem 13. Dezember fährt der Nightjet dreimal wöchentlich von Wien nach Paris. Bild: AFP

Über dieses Thema berichtete BR24 am 14. Dezember 2021 um 18:36 Uhr.