Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve | picture alliance/dpa

Strengere Geldpolitik US-Notenbank will raus aus dem Krisenmodus

Stand: 16.12.2021 08:03 Uhr

Die Fed will schneller aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik aussteigen und im kommenden Jahr voraussichtlich mit Zinsanhebungen beginnen. Das dürfte auch eine Rolle spielen bei den heutigen Beratungen der EZB.

Von Ralf Borchard, ARD-Studio Washington

Wenn die US-Notenbank Fed Beschlüsse fasst und zudem ihren Ausblick auf das kommende Jahr veröffentlicht, schaut die Finanzwelt genau hin. Fed-Beschlüsse und -Prognosen haben Signalwirkung rund um den Globus. Noch lässt die Fed den Leitzins unverändert nahe null - doch die US-Notenbank fährt ihre Wertpapierkäufe zur Konjunkturbelebung in der Coronakrise deutlich zurück.

Ralf Borchard ARD-Studio Washington

"Wir lassen unsere Wertpapierkäufe schneller auslaufen", so Fed-Chef Jerome Powell. "Denn mit steigendem Inflationsdruck und einem sich schnell verbessernden Arbeitsmarkt braucht die Wirtschaft nicht mehr diese Unterstützung in ständig wachsendem Ausmaß."

Ursprünglich hatte die US-Notenbank jeden Monat für 150 Milliarden Dollar Wertpapiere aufgekauft. Diese Käufe werden nun bis März schrittweise auf null heruntergefahren. Ab April, spätestens zur Jahresmitte 2022 ist dann mit einer ersten Leitzins-Erhöhung zu rechnen.

Drei Leitzins-Erhöhungen 2022 möglich

Die Mehrheit der US-Notenbank-Mitglieder rechnet mit mindestens drei Leitzins-Erhöhungen um jeweils einen Viertel-Prozentpunkt im kommenden Jahr. Dies bedeutet nach Einschätzung der meisten Analysten: Der US-Leitzins könnte in einem Jahr zwischen 0,75 und 1 Prozent liegen.

US-Notenbank-Chef Powell leitet damit endgültig einen Richtungswechsel ein. Im November war die Inflationsrate in den USA auf 6,8 Prozent gestiegen, so hoch wie seit fast 40 Jahren nicht mehr. Die Verbraucher bekommen das vor allem bei Lebensmitteln und Benzinpreisen zu spüren. Und Präsident Joe Biden bekommt es zu spüren, indem seine Popularitätswerte weiter in den Keller gehen.

Omikron Gefahr für Entwicklung

Notenbankchef Powell sieht künftig auch die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale. Die Löhne steigen derzeit so schnell wie seit vielen Jahren nicht mehr, betont er. Zur Gesamtwirtschaftslage sagte Powell, die US-Wirtschaft wachse in robustem Tempo. Er warnte gleichzeitig, die Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus könne die wirtschaftliche Erholung gefährden.

Und Powell sieht noch ganz andere Gefahren: "Das Risiko einer erfolgreichen Cyber-Attacke ist für mich eine Bedrohung, mit der wir nur sehr schwer umgehen könnten." Eine Aussage, die zeigt, wie unsicher alle Prognosen zur wirtschaftlichen Gesamtentwicklung bleiben.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 16. Dezember 2021 um 06:08 Uhr.