Silhouetten von Menschen vor dem YouTube-Logo. | Bildquelle: REUTERS

Internet in der Corona-Krise Auch YouTube drosselt Bildqualität

Stand: 20.03.2020 11:39 Uhr

In der Corona-Krise wächst die Sorge, dass die Streams der Unterhaltungsplattformen die Netze verstopfen könnten. Nach Netflix senkt nun auch YouTube die Datenmengen: Nutzer können Videos vorerst nicht in HD ansehen.

Um die Belastungen des Netzes in Zeiten verstärkter Heimarbeit, Ausgangssperren und geschlossener Schulen während der Corona-Pandemie zu reduzieren, drosselt nun auch YouTube seine Datenmengen.

Thierry Breton | Bildquelle: Victor Lerena/EPA-EFE/REX
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Thierry Breton begrüßte das Vorgehen, um "das reibungslose Funktionieren des Internets während der Covid-19-Krise sicherzustellen".

In einer von der EU-Kommission verbreiteten Erklärung kündigte Google an, bei der Übertragung von YouTube-Videos "vorübergehend auf Standard-Auflösung" umzustellen. "Wir werden weiter mit den Regierungen der Mitgliedstaaten und den Netzwerk-Betreibern daran arbeiten, die Belastung des Systems so gering wie möglich zu halten, während wir weiter ein gutes Nutzer-Erlebnis bieten."

EU-Industriekommissar Thierry Breton begrüßte das Vorgehen, um "das reibungslose Funktionieren des Internets während der Covid-19-Krise sicherzustellen". "Maßnahmen zur sozialen Distanzierung im Kampf gegen das Coronavirus führen zu einer erhöhten Nachfrage nach Internet-Kapazitäten", erklärte er.

Auch Netflix reduziert Bitraten

Der Film- und Serien-Anbieter Netflix hatte schon am Donnerstagabend erklärt, nun "für 30 Tage die Bit-Raten aller unserer Streams in Europa zu verringern". Nach Schätzung des Unternehmens könnte so der Netflix-Verkehr in den europäischen Datennetzen "um rund 25 Prozent reduziert werden, während weiter eine gute Dienstleistungsqualität für unsere Mitglieder sichergestellt ist".

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus erklären immer mehr EU-Länder Ausgangssperren. Millionen Menschen arbeiten bereits von zu Hause aus, Schüler werden über das Netz daheim online unterrichtet. Mangels Ausgehmöglichkeiten werden auch Filmangebote und Videospiel-Plattformen verstärkt genutzt.

Die Deutsche Telekom betonte, dass ihre Netze für ein höheres Datenvolumen und mehr Telefonate in der Virus-Krise gerüstet seien. Je nach Uhrzeit ist Streaming ein wesentlicher Datenfaktor im Telekom-Netz. Dies nimmt zum Beispiel in den Abendstunden oder am Wochenende zu. Um zu verhindern, dass es zu Datenstaus kommt, dürfen Telekom-Firmen Maßnahmen treffen, aber dürfen Dienste im Sinne der Netzneutralität nicht blockieren, bevorzugen oder verlangsamen.

Das Logo der Netflix-App auf einem Tablet-Bildschirm | Bildquelle: AFP
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Wegen der Ausbreitung des Coronavirus bleiben viele Menschen zu Hause und nutzen verstärkt Online-Angebote.

Breton fordert "verantwortungsvollen Umgang"

Breton sieht aber auch die Nutzer selbst in der Pflicht. Er forderte zu einem "verantwortungsvollen Umgang mit Unterhaltungsaktivitäten auf". So sollten Voreinstellungen der Angebote genutzt werden, um die Datenübertragungsraten zu reduzieren.

Bei einer höheren Bildauflösung gibt es ein schärferes Bild, weil mehr Pixel dargestellt werden. Dafür werden aber auch mehr Daten übertragen. Netflix empfiehlt für HD (High Definition) eine Internet-Geschwindigkeit von fünf Megabit pro Sekunde, während es bei Standard-Auflösung drei Megabit pro Sekunde sind.

Einen richtig großen Sprung gibt es dann aber bei dem noch besseren Ultra-HD-Format: Hier werden zum Beispiel bei Netflix 25 Megabit pro Sekunde benötigt. Auch auf YouTube gibt es Ultra-HD-Videos.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. März 2020 um 21:00 Uhr.

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