Wohnungsneubauten in Berlin | Bildquelle: picture-alliance

Neubau-Studie In Städten zu wenig, auf dem Land zu viel

Stand: 22.07.2019 08:18 Uhr

Eine bezahlbare Wohnungen finden? Das ist in vielen Städten zu einem Problem geworden. Laut einer Studie ist ein Grund, dass zu wenig gebaut wird - vor allem in Großstädten. Auf dem Land sehe es dagegen anders aus.

Steigende Mieten, starker Zuzug und ein immer knapper werdendes Angebot: Die Situation auf dem Wohnungsmarkt in deutschen Großstädten ist angespannt. Um den Bedarf zu decken, wären Tausende Neubauten nötig. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wird in Metropolen jedoch viel zu wenig gebaut.

Krise in Großstädten

Ob in Köln, München oder Stuttgart - die Zahl der Neubauwohnungen sei in Großstädten viel zu gering, bemängeln die Autoren. So sei der Bedarf in Köln seit 2016 noch nicht mal zur Hälfte gedeckt worden (46 Prozent), in Stuttgart würden nur 56 Prozent der nötigen Wohnungen gebaut, in München seien es 67 Prozent.

Besser könnte die Lage der Studie zufolge auch in Berlin (73 Prozent des Bedarfs) und Frankfurt am Main (78 Prozent) sein. "Hier fehlen nicht nur aktuell Wohnungen, sondern auch längerfristig bedarf es einer weiteren Steigerung der Bautätigkeit", schreiben die Autoren.

Für ihre Untersuchung verglich das IW die Zahl der von 2016 bis 2018 fertiggestellten Wohnungen mit dem Bedarf, den sie anhand von Faktoren wie Bevölkerungsentwicklung und den Leerständen schätzten. Gründe für die Misere sind der hohe Zuzug in die Städte, das knappe Personal in Bauämtern, strenge Vorschriften und der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft. "Man kommt mit dem Bauen nicht hinterher", sagte Mitautor Ralph Henger.

Zu viele Neubauten auf dem Land

Vollkommen anders stellt sich die Situation auf dem Land dar: Dort werde mancherorts zu viel neu gebaut, etwa in Sachsen-Anhalt, Sachsen, im Saarland und in den Randgebieten Bayerns. "Obwohl es auf dem Land viel Leerstand gibt, entstehen relativ viele Neubauten, die bevorzugt werden, obwohl Umbauten im Altbestand vielerorts sinnvoller sind", sagte Henger.

Durch Neubaugebiete vor den Toren von Kleinstädten verlieren Stadt- und Dorfzentren an Bedeutung und das Leerstandsproblem verschärfe sich noch. Kommunen auf dem Land fernab der Metropolen sollten ein besseres Flächenmanagement betreiben, um attraktiv zu bleiben und Leerstände in der Ortsmitte zu vermeiden."

Der Grundsatz "Umbau vor Neubau" sei hier wichtig. In einem Drittel der deutschen Kreise sollte "die Bautätigkeit im Neubau gebremst werden, um ein Überangebot zu vermeiden", heißt es in der Studie.

Höhere Mieten, weniger Baugenehmigungen

Zwischen 2016 und 2018 sind die Mieten in Deutschland laut Bundesbauministerium jährlich um fünf Prozent gestiegen. In den "Metropolkernen" der 19 größten Städte erhöhten sich die Mieten sogar um rund sechs Prozent jährlich.

Die Zahl der Baugenehmigungen in vielen Städten sank dagegen in den vergangenen Monaten. Laut Statistischem Bundesamt wurden von Januar bis Mai 2019 insgesamt 136.300 Wohnungen genehmigt - 2,4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. Bei Neubauten wurden rund 120.600 Wohnungen genehmigt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet das einen Rückgang um 2,7 Prozent oder 3300 Wohnungen. Gestiegen ist nach Angaben der Statistiker ausschließlich die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser (plus 2,3 Prozent).

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. Juli 2019 um 07:43 Uhr.

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