Eine Mitarbeiterin der Gigaset AG arbeitet in dem Werk bei der Produktion eines neuen Smartphone-Modells.  | Bildquelle: picture alliance / Tillmann Fran

Wochenarbeitszeit Deutsche arbeiten kürzer als EU-Durchschnitt

Stand: 20.08.2018 01:25 Uhr

Deutsche arbeiten im Durchschnitt jede Woche 34,9 Stunden. Das hat das Arbeitsministerium laut einem Medienbericht auf Anfrage der Linken mitgeteilt. Nur in zwei EU-Ländern müssen die Menschen noch weniger arbeiten.

Beschäftigte in Deutschland haben im vergangenen Jahr kürzer gearbeitet als ihre Kollegen in den meisten anderen EU-Ländern. Ihre Produktivität lag jedoch über dem EU-Durchschnitt. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vorliegt.

EU-Durchschnitt liegt bei 36,4 Stunden

Demnach beliefen sich die tatsächlich geleisteten Wochenarbeitsstunden von Arbeitnehmern in Deutschland 2017 auf durchschnittlich 34,9. Der EU-Wert bei der Wochenarbeitszeit lag bei 36,4 Stunden. Kürzer gearbeitet als in Deutschland wird dem Bericht zufolge nur in den Niederlanden mit 31,8 Stunden und in Dänemark mit 33,8 Stunden.

Deutlich länger war die Wochenarbeitszeit dagegen vor allem in Griechenland mit 40,7 Stunden, in Bulgarien mit 40,0 Stunden und in Polen mit 39,4 Stunden. Das Arbeitsministerium berief sich in seiner Antwort auf Zahlen des europäischen Statistikamtes Eurostat.

Verkürzte Arbeitszeiten: "Das nützt allen"

Den Angaben zufolge leisteten die Beschäftigten in Deutschland pro Arbeitsstunde allerdings mehr als Arbeitnehmer in den meisten Ländern Europas. Ihre Produktivität lag im vergangenen Jahr 27,2 Prozentpunkte über dem EU-Schnitt. Effektiver waren lediglich die Beschäftigten Luxemburg, Irland und Dänemark. In anderen Staaten der Europäischen Union - insbesondere in Osteuropa - war die Arbeitsproduktivität zum Teil deutlich geringer.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Jessica Tatti sieht in den Zahlen einen Beleg dafür, dass Beschäftigte mit mehr Zeit für Privatleben und Erholung produktiver sind. "Das nützt am Ende allen, auch den Unternehmen", sagte die Politikerin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Es gibt kein schlüssiges Argument für überlange Arbeitszeiten: "Sie senken nicht nur die Arbeitsproduktivität, sondern erhöhen auch das Fehler- und Unfallrisiko und machen Beschäftigte auf Dauer krank."

Über dieses Thema berichtete WDR 2 am 20. August 2018 in der Sendung WDR 2 Der Vormittag um 09:00 Uhr.

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