Ein Container-Stapler im Hamburger Hafen | dpa

Wirtschaftsweise "Rezession nicht zu vermeiden"

Stand: 30.03.2020 12:16 Uhr

Egal, wie lange die Corona-Pandemie anhalten wird - Deutschland wird aus Sicht der Wirtschaftsweisen in eine Rezession rutschen. Im günstigsten Fall sinke das Bruttoinlandsprodukt um 2,8 Prozent - im schlimmsten um 5,4 Prozent.

Die sogenannten Wirtschaftsweisen halten eine schwere Rezession in Deutschland durch die massiven Folgen der Coronavirus-Krise für unvermeidbar. Die deutsche Wirtschaft werde 2020 deutlich schrumpfen, heißt es in einem Sondergutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Wie schlimm es genau kommen werde, sei wegen großer Unsicherheiten unklar. "Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung dürfte sein, ob es gelingt, die Ausbreitung des Corona-Virus effektiv zu bekämpfen, sodass die verschiedenen Einschränkungen sozialer und wirtschaftlicher Aktivitäten schnell aufgehoben werden können", schreiben die Ökonomen.

Drei Szenarien denkbar

Der Sachverständigenrat als Beratergremium der Bundesregierung legt drei denkbare Szenarien zugrunde. Sie unterscheiden sich darin, wie lange und in welchem Ausmaß die einschränkenden Maßnahmen anhalten und wie schnell es zu einer Erholung kommt. "In allen drei Szenarien beendet die Ausbreitung des Coronavirus die sich abzeichnende konjunkturelle Erholung abrupt, sodass eine Rezession im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland nicht zu vermeiden sein wird."

Als derzeit wahrscheinlichste Entwicklung sehen die Ökonomen eine Normalisierung der wirtschaftlichen Lage über den Sommer, sodass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) unter dem Strich in diesem Jahr um 2,8 Prozent schrumpft. Zum Vergleich: 2009 war die größte europäische Volkswirtschaft infolge der globalen Finanzkrise um 5,7 Prozent eingebrochen.

Schlimmstenfalls ein Minus von 5,4 Prozent?

In den beiden ungünstigeren Szenarien wäre aus Sicht der Wirtschaftsweisen ein tieferer Einbruch denkbar, dem unter Umständen eine nur sehr schleppende Erholung 2021 folgt. Dieses Szenario in Form eines "langen U" könnte eintreten, wenn die gesundheitspolitischen Maßnahmen über den Sommer hinaus andauern und die wirtschaftliche Erholung sich erst im Jahr 2021 einstellt.

"Die getroffenen Politikmaßnahmen reichen dann womöglich nicht aus, tiefgreifende Beeinträchtigungen der Wirtschaftsstruktur zu verhindern." Das BIP würde in einem solchen Szenario um 4,5 Prozent schrumpfen. Im Jahr 2021 würde die Wirtschaftsleistung den Berechnungen zufolge mit einem Prozent nur sehr langsam wachsen. Im schlimmsten Fall rechnen die Wirtschaftsweisen mit einem Einbruch des BIP von 5,4 Prozent im Gesamtjahr.

Forderungen an die Politik

Von der Politik forderten sie zunächst vor allem, Erkrankte gut zu versorgen und die Ausbreitung des Virus effektiv zu begrenzen. Zur Stabilisierung auf den Finanzmärkten trage eine "klare Kommunikation" bei.

Die Erholung nach dem konjunkturellen Einbruch schließlich könne die Politik unterstützen. Dazu müsse sie die unternehmerischen Kapazitäten möglichst erhalten, die Einkommen stabilisieren und die langfristige wirtschaftliche Entwicklung in der Krise unterstützen - indem sie etwa die Weiterbildung und die Digitalisierung fördere, rät der Sachverständigenrat.

Coronavirus, Sars-CoV-2 und Covid-19

Coronavirus ist die geläufigste Bezeichnung für das neuartige Virus aus China. Dessen offizieller Name, den die WHO festgelegt hat, lautet Sars-CoV-2. Die aus dem Virus resultierende Lungenkrankheit heißt Covid-19.

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KOMMENTARE

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Bigbirl 30.03.2020 • 18:32 Uhr

Die kriegen doch nichts gebacken

.... wenn man bedenkt, daß Deutschland im Verhältnis zu China und der relativen Bevölkerungsgröße bereits die doppelte Anzahl an Toten, Italien bereits die 55 fache Menge an Toten hat, wie China. Statt endlich durchzugreifen, spinnen die hier immer noch herum, wann dann die schon jetzt zu geringen Maßnahmen heruntergefahren werden können. Eine Katastrophe!