Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung | Bildquelle: dpa

Wachstum in Deutschland Wirtschaftsweise weniger optimistisch

Stand: 07.11.2018 12:57 Uhr

Eine unruhige Weltwirtschaft, der Fachkräftemangel und weltweiter Protektionismus: All das schadet der deutschen Wirtschaft. Auch die sogenannten Wirtschaftsweisen habe ihre Prognose deshalb gesenkt.

Die sogenannten Wirtschaftsweisen haben ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich gesenkt - wie zuvor schon die Bundesregierung. Die fünf Experten erwarten für 2018 ein Wachstum um 1,6 Prozent. Das geht aus dem Jahresgutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hervor.

Im Frühjahr hatten die Wirtschaftsweisen noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,3 Prozent gerechnet. Für 2019 erwarten sie ein Plus von 1,5 Prozent. Auch das ist deutlicher weniger als im Frühjahr prognostiziert. Damals waren sie noch von 1,8 Prozent ausgegangen.

Mitarbeiter von Thyssenkrupp im Stahlwerk in Duisburg | Bildquelle: dpa
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Konflikte im Welthandel und der Fachkräftemangel bedrohen die deutsche Wirtschaft, sagen die Experten.

Experten erwarten Weichenstellungen

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Christoph Schmidt, begründete die schlechteren Aussichten mit mehreren Faktoren. "Die ungewisse Zukunft der globalen Wirtschaftsordnung und der demografische Wandel stellen die deutsche Volkswirtschaft vor große Herausforderungen." Er sprach von wichtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen, vor denen die Bundesrepublik stehe.

Um das Wachstum anzukurbeln, schlugen die Wirtschaftsweisen unter anderem vor, den Solidaritätszuschlag vollständig abzuschaffen. Sie warben außerdem dafür, wegen der hohen Immobilienpreise die Grund- und Grunderwerbsteuer zu reformieren, das Wohngeld zu stärken und mehr auf sozialen Wohnungsbau zu setzen. Nötig sei außerdem ein Entgegentreten der EU gegen protektionistische Tendenzen und ein Abkommen mit Großbritannien, falls der Brexit nicht zu verhindern sei.

Regierung sieht Vorschläge skeptisch

Bei der Bundesregierung fanden die Wirtschaftsweise mit ihren Ratschlägen Gehör, allerdings gab es auch Kritik. "Wir bemühen uns, auf gute Argumente auch gute Antworten zu finden", sagte Kanzlerin Angela Merkel.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kritisierte die Absage des Rats an eine aktive Industriepolitik: "Die Auffassung, dass sich Wirtschaftspolitik allein auf die Schaffung von Rahmenbedingungen beschränken soll, teile ich ausdrücklich nicht." Auch wenn sich der Staat so weit wie möglich aus der Wirtschaft heraushalten sollte, gebe es Bereiche, in denen das Engagement einzelner Unternehmen alleine nicht ausreiche.

Die fünf Mitglieder des Sachverständigenrats werden auf Vorschlag der Bundesregierung für jeweils fünf Jahre berufen. Ihre Empfehlungen sind für die Bundesregierung nicht bindend.

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