Hafen in Jangshan

Quartalsplus bei 7,6 Prozent Chinas Wachstum auf Dreijahrestief

Stand: 13.07.2012 14:17 Uhr

Schlechte Nachrichten für die Weltkonjunktur und die deutsche Exportwirtschaft: Der Wachstumsmotor China gerät ins Stocken. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft dort nur noch um 7,6 Prozent. Für europäische Verhältnisse extrem viel - aber es ist der niedrigste Stand seit drei Jahren.

Ruth Kirchner ARD-Studio Peking

Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking

Bereits in den ersten drei Monaten dieses Jahres hatte sich das Wachstum deutlich verlangsamt - auf 8,1 Prozent. Doch im Frühjahr ging es noch weiter auf 7,6 Prozent im zweiten Quartal zurück. Aufgrund der schleppenden globalen Nachfrage, unter anderen aus dem krisengeschüttelten Europa, hatten die Exporte zuletzt nachgegeben, aber auch die Binnennachfrage in China selbst schwächelt.  

"Das ist bereits ein Erfolg"

"Die Wachstumsrate von 7,6 Prozent im zweiten Quartal ist bereits ein Erfolg, denn die wirtschaftliche Situation, der sich China ausgesetzt sieht, ist komplex und schwierig", sagte der Sprecher des Statistikamtes Sheng Laiyun. "Die Nachfrage im In- und Ausland ist schwach."  

Bauarbeiter in Hefei | AFP

Chinas Konjunktur schwächelt - wächst aber immer noch um 7,6 Prozent. Bild: AFP

Der Abschwung hält nun schon das sechste Quartal in Folge an. China als wichtiger Motor der Weltwirtschaft kann damit der globalen Konjunktur weniger Impulse geben als bisher. Allerdings liegt das chinesische Wachstum immer noch auf Kurs. Peking hatte Anfang des Jahres ein Wachstumsziel von 7,5 Prozent für das ganze Jahr vorgegeben.

7,5 Prozent Wachstum gelten als Untergrenze

Aus deutscher und europäischer Sicht mag das sehr viel erscheinen. Doch in China, immer noch ein Entwicklungs- und Schwellenland, gilt 7,5 Prozent als Untergrenze für die weitere Entwicklung der Wirtschaft. China braucht ein hohes Wachstum, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und soziale Unruhen im Milliardenvolk zu vermeiden. Doch noch, sagen die Wirtschaftsexperten der Regierung, habe man alles im Griff. Für ein Konjunkturpaket wie während der Krise 2008/2009 gebe es keinen Anlass, betont Yu Bin, Wirtschaftsexperte in einem Think Tank der Regierung: "Da die Wachstumsraten ja noch im Rahmen unserer Erwartungen liegen, warum sollten wir neue Konjunkturmaßnahmen ergreifen? Kleine Schritte sind angemessen, aber großen Hilfspakete sind nicht notwendig."

Um die Konjunktur anzukurbeln, senkte die Regierung seit Juni bereits zweimal die Leitzinsen. Zudem wurden die Mindestreserveanforderungen an die Banken gelockert, um die Kreditvergabe anzuschieben. Auch über höhere Investitionen staatlicher Unternehmen und zusätzliche öffentliche Aufträge versucht Peking die Konjunktur am Laufen zu halten.

Analysten bleiben optimistisch

Analysten wie Shen Jiangguan, Chef-Ökonom von Mizuho Securities in Hongkong, sind daher optimistisch, dass Chinas Wirtschaft bald wieder an Fahrt gewinnt: "Ich denke, die heutigen Daten zeigen, dass wir im zweiten Quartal die Talsohle erreicht haben. Aufgrund der Maßnahmen der Regierung - wie die Zinssenkungen und die zusätzlichen Infrastruktur-Investitionen - werden wir im dritten und vierten Quartal sicherlich eine Erholung sehen."

Autoproduktion bei Geely in Hangzhou

Autoproduktion bei Geely in Hangzhou: Auch die Nachfrage aus dem Inland war zuletzt niedriger.

Analysten waren aber auch: Wenn sich in den nächsten Monaten kein Aufwärtstrend abzeichnet, dann könnt es eng werden. Denn dann müssten Firmen wohl Mitarbeiter entlassen und das würde den Arbeitsmarkt belasten.

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KOMMENTARE

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Xie Zeren 13.07.2012 • 21:01 Uhr

A prospos Immobilienblase(n)

@ PEGI_18 Dirk Müller mag ein kluger Kopf sein, interessiert an dieser Stelle jedoch gar nicht. In Europa baut man zwar nicht auf Ton, aber dafür auf Sand: http://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/nachrichten/europas-immo... Da kann man nicht so schnell gucken und da fliegen uns vom Platzen dieser Blase die Eurofetzen nur um so um die Ohren, wenn *WIR* da nicht mal ganz schnell *UNSERE* Hausaufgaben machen und meinen, mit dem Finger auf andere zeigen zu können/müssen. Und ich sags an dieser Stelle nochmal: China ist nicht Südafrika oder irgendeine Bananenrepublik. Ein Boykott ist erstens nicht durchführbar (in jeder Waschmaschine etc. steckt inzwischen irgendein Teil aus Mittelland, wenn nicht ein großer Teil), und zweitens ist er kontraproduktiv, da er die Falschen trifft, nämlich den ärmeren Teil der Weltbevölkerung und diesen in seinem Elend beläßt.