Fertigung im Audi-Werk Ingolstadt | Bildquelle: picture alliance / Stephan Goerl

Konjunktur Deutsche Wirtschaft im Rückwärtsgang

Stand: 14.11.2018 08:35 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal erstmals seit 2015 wieder geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sank gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Ökonomen bleiben trotzdem gelassen.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im dritten Quartal zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren gesunken. Es lag preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent niedriger als im zweiten Quartal 2018, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist im Vergleich zum vorherigen Quartal der erste Rückgang seit Anfang 2015. Damals war das BIP um 0,1 Prozent gesunken.

Schwächelnde Autoindustrie, weniger Exporte

Noch im zweiten Quartal hatte die deutsche Wirtschaft um kräftige 0,5 Prozent zugelegt. "Der Rückgang ist ein Ausrutscher und nicht der Beginn einer Rezession", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. "Mehrere Sonderfaktoren haben die Wirtschaft nach der Sommerpause gedrückt."

Ausschlaggebend für die Flaute dürften die Probleme der Autoindustrie bei der Umstellung auf das neue Abgastestverfahren WLTP gewesen sein, wegen der die Unternehmen ihre Produktion deutlich herunterfahren mussten. "Deutschland hat kein Konjunkturproblem, sondern ein Automobilproblem", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle.

Auch der Export dämpfte das Wachstum. Nach vorläufigen Berechnungen gab es im dritten Quartal 2018 weniger Ausfuhren, aber mehr Importe als im zweiten Quartal des Jahres. Die Exportnation Deutschland leidet zunehmend unter den vor allem von den USA angeheizten Handelskonflikten.

Der Privatkonsum fiel als Wachstumstreiber aus. Die Verbraucher konsumierten weniger als im Vorquartal. Die historisch gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und Lohnzuwächse hatten in der Vergangenheit für hohe Konsumausgaben der Verbraucher in Europas größter Volkswirtschaft gesorgt und die Konjunktur angetrieben.

VW-Neuwagen auf einem Parkplatz auf dem Flughafen Schönefeld bei Berlin | Bildquelle: dpa
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Die deutschen Automobilhersteller mussten ihre Produktion deutlich herunterfahren.

Im Jahresschnitt weiter auf Wachstumskurs

Die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge leicht zu. Die Unternehmen investierten etwas mehr in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen als im zweiten Quartal.

Experten rechnen im laufenden Schlussquartal wieder mit einem Wachstum. Größere Sprünge sehen sie aber vorerst nicht. Die Wirtschaftsweisen senkten auch wegen des schwachen Sommerquartals ihre Prognose für das Wachstum im zu Ende gehenden Jahr auf 1,6 Prozent. 2019 soll es sogar nur zu 1,5 Prozent reichen. Das Expertengremium ist damit pessimistischer als die Bundesregierung, die für beide Jahre 1,8 Prozent voraussagt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. November 2018 um 09:00 Uhr.

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