Ein Plakat auf der Demonstration in Chemnitz, zu der rechtsextreme Gruppierungen aufgerufen hatten. | Bildquelle: AFP

Chemnitz und Köthen Investoren könnten abgeschreckt werden

Stand: 17.09.2018 11:35 Uhr

Die Ereignisse von Köthen und Chemnitz lassen Deutschland im Ausland schlecht dastehen. Unternehmen könnten davon Abstand nehmen, hierzulande zu investieren.

Von Alexander Drost, NDR Info

Die deutsche Wirtschaft verurteilt die Bilder von Demonstrationen aus dem rechten Lager in Köthen und Chemnitz. Denn gerade die heimische, exportorientierte Industrie lebe in besonderer Weise von ihrer Weltoffenheit, heißt es beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag DIHK.

Bislang gehört Deutschland - direkt nach den USA - zum beliebtesten Zuwanderungsland weltweit. Das belegt eine OECD-Studie aus dem Sommer, die sich auf das Jahr 2016 bezieht. Demnach hatten rund eine Million Zuwanderer Deutschland als Ziel, sagte Stefan Hardege, Arbeitsmarktexperte beim DIHK.

Ein Schweißer aus Somalia bei Arbeiten für eine Firma in Fürstenwalde, Brandenburg | Bildquelle: dpa
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Ein Schweißer aus Somalia bei Arbeiten für eine Firma in Fürstenwalde, Brandenburg.

Eingetrübtes Bild im Ausland

In Deutschland seien etwas mehr als eine Million Menschen zugewandert - mehr als die Hälfte von ihnen seien "keine Flüchtlinge, sondern in erster Linie Menschen aus Europa, der Europäischen Union, die zum Arbeiten nach Deutschland kommen", fasste Hardege die Studie zusammen.

Dieser Trend dürfte - selbst nach den Ereignissen von Chemnitz und Köthen - weiter anhalten, glaubt Alexander Luckow vom Arbeitgeberverband Nordmetall. "Wir glauben nicht, dass sich deshalb Fachkräfte nun unmittelbar abschrecken lassen, nach Deutschland zu kommen. Aber was richtig ist, ist der Punkt, dass sich das Bild, das das Land abgibt, im Ausland etwas eintrübt."

Regierung nimmt Sorgen beim Thema Zuwanderung ernst
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Beim Thema "Zuwanderung" fühlen sich vor allem Ostdeutsche mit Blick auf ihre Sorgen von der Regierung nicht ernst genommen, wie der ARD-DeutschlandTrend zeigt.

Ausländische Investoren wollen willkommen sein

Darunter könnten vor allem Regionen in Ostdeutschland leiden, meint Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Die Bilder aus Chemnitz und Köthen würden nicht nur ausländische Arbeitskräfte davon abhalten, in diese Regionen zu ziehen - auch Investoren könnten Abstand nehmen.

Denn ausländische Investoren wollten natürlich wissen, wo sie sich - mitsamt ihrer Mitarbeiter - willkommen fühlen. "Und da sind diese Bilder sicherlich eher kontraproduktiv", sagte Plünnecke.

Fast 20.000 sogenannte "Expats", also Menschen, die im Ausland leben und arbeiten, hat das Online-Netzwerk "InterNations gefragt", wie ihre Eingewöhnung im Gastland war. Dabei schnitt Deutschland extrem schlecht ab - von sozialer Kälte war die Rede.

Wirtschaft und Fremdenhass
Alexander Drost, ARD-aktuell
17.09.2018 10:03 Uhr

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