Am Hauptsitz der Wirecard in Aschheim bei München ist ein Straßenschild zu sehen, das zwei Richtungen zeigt. | Bildquelle: PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/Shutter

Insolvenz nach Bilanzskandal Wirecard-Kern könnte verkauft werden

Stand: 24.07.2020 22:13 Uhr

Trotz der massiven Betrugsvorwürfe gegen Wirecard-Manager sieht der Insolvenzverwalter gute Chancen für einen Verkauf von Teilen des Zahlungsabwicklers. Am Kerngeschäft seien 77 Investoren interessiert.

Der vorläufige Insolvenzverwalter des in einen milliardenschweren Betrugsskandal verwickelten Dax-Konzerns Wirecard meldet Fortschritte bei der Investorensuche. Für das Kerngeschäft des Zahlungsabwicklers hätten 77 Interessenten Vertraulichkeitsvereinbarungen unterzeichnet, teilte Rechtsanwalt Michael Jaffé mit. "Wir sind zuversichtlich, einen Investor für das Kerngeschäft zu finden, das erhebliche unternehmerische Chancen in einem enorm wachsenden Markt für einen Investor bietet." Der Geschäftsbetrieb soll fortgesetzt werden.

Wirecard hatte im Juni dieses Jahres Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Wirecard-Vorstand seit 2015 Scheingewinne auswies. Der Schaden für die kreditgebenden Banken und Investoren könnte sich auf 3,2 Milliarden Euro summieren.

Kerngeschäft hat sich trotz Skandal stabilisiert

Gegen die ehemalige Führung des Dax-Unternehmens um den Vorstandschef Markus Braun ermittelt die Staatsanwaltschaft, vor allem wegen bandenmäßigen Betrugs. Braun und zwei weitere Ex-Manager sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft.

Jaffé sagte, wichtige Teile des Geschäfts von Wirecard hätten sich in der Insolvenz "trotz der enorm schwierigen Ausgangslage" stabilisiert. Konkret nannte er die Ausgabe von Kreditkarten (Issuing) und die Abrechnung von Online-Transaktionen (Acquiring).

Jaffé versucht, die Reste des Unternehmens zugunsten der Gläubiger zu verwerten. Am weitesten fortgeschritten ist nach seinen Angaben der Verkauf des US-Geschäfts mit vorab aufgeladenen Bezahlkarten, das Wirecard 2016 von der Citigroup übernommen hatte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. Juli 2020 um 21:30 Uhr.

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