Der Wirecard-Schriftzug an der Konzernzentrale in Aschheim. | Bildquelle: dpa

Ex-Wirecard-Manager Marsalek in Belarus untergetaucht?

Stand: 18.07.2020 19:10 Uhr

Einreiseregister deuten daraufhin, dass der ehemalige Vizechef von Wirecard sich nach Belarurs abgesetzt haben könnte. Marsalek ist seit seiner Freistellung im Juni auf der Flucht. Er gilt als Schlüsselfigur im Betrugsskandal.

Der flüchtige Ex-Vorstand des Münchner Finanzdienstleisters Wirecard, Jan Marsalek, könnte sich einem Bericht zufolge in Belarus aufhalten. Im russischen Ein- und Ausreiseregister, das auch das benachbarte Belarus umfasse, sei für Marsalek eine Eintragung nur Stunden nach seiner Freistellung bei Wirecard zu finden, berichtete das Magazin "Der Spiegel".

Hinweis auf einen "Einmalflug"

Demnach reiste Marsalek in der Nacht vom 18. auf den 19. Juni kurz nach Mitternacht über den Flughafen der Hauptstadt Minsk nach Belarus ein. Der "Spiegel" berief sich auf gemeinsame Recherchen mit den Investigativ-Plattformen "Bellingcat" aus Großbritannien, "The Insider" aus Russland und "McClatchy Report" aus den USA. 

Wie genau der Ex-Manager nach Weißrussland gekommen sein könnte, ist unklar. Zu seiner Einreise sei in den russischen Datenbanken keine Flugnummer vermerkt. Es finde sich lediglich ein Hinweis auf einen "Einmalflug". Eine Wiederausreise Marsaleks sei in den Datenbanken bislang nicht verzeichnet. Das deute darauf hin, dass sich der Manager weiterhin in Belarus oder in Russland befinde.

Marsalek will sich nicht stellen

Im Juni war zunächst spekuliert worden, Marsalek halte sich auf den Philippinen oder in China auf. Dann wurde jedoch bekannt, dass philippinische Einwanderungsbeamte Daten gefälscht hatten, um die Ein- und Weiterreise des ehemaligen Wirecard-Vorstands vorzutäuschen. Marsalek war bei dem Zahlungsdienstleister für das operative Tagesgeschäft zuständig. Wegen des Bilanzskandals wurde er am 18. Juni freigestellt und am 22. Juni entlassen.

Wirecard hatte eingestanden, dass in der Jahresbilanz 1,9 Milliarden Euro fehlen und das Geld bei zwei philippinischen Banken vermutlich gar nicht existiert. Der Börsenkurs des Dax-Konzerns stürzte ab, das Unternehmen meldete Insolvenz an. In dem Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft München I. Marsalek hat über seinen Anwalt erklären lassen, sich nicht der Justiz stellen zu wollen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 18. Juli 2020 um 19:05 Uhr.

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