Zahlungsdienstleister Wirecard | Bildquelle: AFP

Insolvenzverfahren eröffnet 730 Wirecard-Mitarbeitern wird gekündigt

Stand: 25.08.2020 16:27 Uhr

Zwei Monate nach dem Antrag von Wirecard hat das Amtsgericht München das Insolvenzverfahren über den Zahlungsabwickler eröffnet. Jetzt verlieren die Hälfte der Mitarbeiter in Deutschland sowie die Vorstände ihre Jobs.

Nach der Pleite des Zahlungsabwicklers Wirecard wird es bei dem Konzern umfangreiche Entlassungen geben. 730 von insgesamt 1300 Mitarbeitern in Deutschland werde gekündigt, teilte Insolvenzverwalter Michael Jaffé mit. Rund 570 Arbeitnehmer könnten dadurch am Standort Aschheim weiter beschäftigt bleiben - davon rund 350 in den insolventen Gesellschaften und rund 220 in der nicht insolventen Wirecard-Bank.

Insolvenzverfahren eröffnet

Zuvor hatte das Amtsgericht München das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Zahlungsdienstleisters eröffnet. "Die wirtschaftliche Lage der Wirecard AG war und ist angesichts der fehlenden Liquidität und der bekannten skandalösen Begleitumstände äußerst schwierig", sagte Jaffé. "Mit den üblichen Restrukturierungs- und Kostenanpassungsmaßnahmen ist es daher nicht getan." Auch die Vorstandsverträge würden gekündigt.

Die Verfügungsgewalt über das Vermögen der Wirecard AG und sechs deutscher Wirecard-Gesellschaften gingen auf den Insolvenzverwalter über, und sie müssten Löhne und Gehälter nun wieder selbst erwirtschaften und bezahlen. Unter der vorläufigen Insolvenzverwaltung sei es gelungen, "das laufende Geschäft zu stabilisieren und die Basis für eine weitere Fortführung zu schaffen", erklärte der Rechtsanwalt weiter. Um eine Fortführung zu ermöglichen und die Option für eine Verwertung des Kerngeschäfts zu erhalten, seien aber tiefgreifende Einschnitte dringend erforderlich. Miet- und Leasingverträge würden ebenfalls gekündigt.

"Absolut daneben, wie hier mit Menschen umgegangen wird"

Kevin Voss von der Gewerkschaft ver.di sagte, etwa 600 bis 700 Mitarbeiter habe am Montagabend die Mail erreicht, nach der sie unwiderruflich freigestellt wurden. "Ich habe so ein Verhalten von Arbeitgebern nur sehr selten erlebt. Bei allem, was passiert ist - es ist absolut daneben, wie hier mit Menschen umgegangen wird", sagte er.

Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro

Der Zahlungsdienstleister hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und Insolvenz angemeldet. Ex-Vorstandschef Markus Braun sitzt in Untersuchungshaft. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies.

Der Schaden für die kreditgebenden Banken und Investoren könnte sich auf 3,2 Milliarden Euro summieren. Im Verkaufsprozess für das Kerngeschäft und die nicht insolvente Wirecard Bank AG stehe man "aktuell mit mehreren namhaften Interessenten in Verhandlungen über einen Erwerb", sagte Jaffé. "Die Erlöse aus der Verwertung werden dabei den Gläubigern zugutekommen." Die Verwertung weiterer Wirecard-Beteiligungen weltweit mache Fortschritte.

Am 18. November finde die erste Gläubigerversammlung statt, voraussichtlich im Löwenbräukeller in München.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. August 2020 um 16:00 Uhr.

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